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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-27 · Heft 35 (27.8.1878) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 35 (27.8.1878)
Date
1878-08-27
Page
Seite 555 (sequence 11)
Language
German
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555 „Im Namen des Staates und des Kaisers übergebe ich dieses! Gebiete in anziehendster Weise, immer frisch, lebendig, die Haus seiner Bestimmung zur Erhebung der Herzen" das Tempelthor erschloß und den Justizminister Dr. Leonhardt zum Eintritt einlud. Die ihm zugedachte Function der Tempel- Erschließung hatte Herr Dr. Leonhardt mit der launigen Bemerkung : „Ich bin von der Justiz" abgelehnt. Die zur Tempelweihe vorgebrachten Choralgesänge wurden von Mädchen gut ausgeführt und von dem hiesigen Küster lobenswerth dirigirt. Die Festpredigt hielt der Seminardirector Dr. Prager aus Hannover; das Schlußgebet für die Kaiserfamilie und Staatsbehörden sprach Dr. Rosin. Der Justizminister, der Landdrost, sowie die anderen Vertreter der Behörden waren mit ihren Orden geschmückt. Der hiesige Pastor Herr Rodenbeck allein verweigerte seine Theilnahme an dem Feste, welchem beizuwohnen — wie er erklärte — seinem evangelischen Gewissen widerstreitet. entgegengesetztesten Richtungen vertretend und zu einer gewissen Lösung zu bringen bemüht. Es gelingt dem Vers, hierbei, die Charaktere, wie er sie von Anfang an angelegt hat, consequent durchzuführen, jedoch zu zeigen, wie sie sich in der gegenseitigen Berührung annähern und umgestalten. Der Verf. huldigt dem rationellen Deismus, ohne denselben philosophisch begründen und zu einem eracten Wissen erheben zu wollen. Von diesem Standpunkte aus vermag er jeder Geistcsrichtung als in der individuellen 'Natur des Menschen gelegen gerecht zu werden, ohne den Nachtheil starrer Dogmen und verderblicher Philosopheme zu verschweigen, vielmehr sie nachdrücklich bekämpfend. Daß es hierbei auch nicht an Juden fehlt, läßt sich von einer deutschen Novelle voraussetzen. Jndeß berührt der Verfasier hierbei nur nebensächliche Verhältnisie, immer (Wir maßen uns nicht an, bester als Pastor Rodenbeck jedoch wohlwollend und vorurtheilsfrei. So ist der eigentliche zu wissen, was ein „evangelis ches Gewissen" sei. Da wir aber Schauplatz der Vorgänge das Haus einer Familie, deren obiger Feier so viele gute evangelische Christen anwohnen Großvater sich hat taufen lassen, eines industriellen Barons, sahen, so dürfen wir schließen, daß es mehrere „evangelische Aber es lebt in ihr wahrhafte Bildung und Menschenfreund- Gewiffen" giebt; z. B. ein verknöchertes und ein humanes, lichkeit und unterscheidet sich deshalb das Bild, welches der wohlwollendes, welches letztere mit Jesus das mosaische Gesetz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (3 Mos. I 18) als das höchste anerkennt. Redact.) Bonn, 11. August. (Literarische Notizen) Wir wiederholen die Bemerkung, daß alle Bestellungen und Anfragen, welche die Bibeln der Israelitischen Bibelanstalt betreffen, an den Commissionär derselben Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung in Berlin Wilhelmstr. .->2) zu Verfasser von ihr entwirft, wesentlich von den Carrikaturen, zu welchen andere Novellisten solche Familien gewöhnlich machen. Auch verleugnet diese Familie ihren Ursprung durchaus nicht und scheut sich nicht, einen jüdischen Hausirer, der ihr treu anhänglich ist, auf's Freundlichste vor aller Welt zu behandeln. Dieser Hausirer im langen Kaftan ist freilich eine Gestalt, wie man sie weder im Westen Deutschlands, wo der Verfasser zu leben scheint, noch in Berlin, der Hauptscene der richten sind. Die sehr beliebte Ausgabe des Pentateuchs mit j Novelle, jetzt noch findet. Genug, der Autor zeigt sich auch großen Lettern, hebräisch, deutsch mit Haphtaroth und den! hier völlig vorurtheilssr» und wahrhaft wohlwollend. Ohne Sabbathgebeten, welche 187«» in vierter berichtigter Ausgabe! in Näheres einzugehen, heben wir die edle, gehobene und selbst erschien, ist soeben durch Neudruck der Haphtaroth wieder er-!die schwierigsten Gegenstände zu klarem Ausdruck bringende gänzt worden. — Wir nehmen auch Gelegenheit abermals zu bemerken, daß in unserem Blatte keine literarische Erscheinung besprochen wird, von welcher nicht ein Eremplar der Redaclion zur Einsicht vorlag. Wenn daher irgend über ein Werk nicht referirt wird, so geschieht dies, weil der Redaction ein Recensirexemplar nicht zugekommen ist. In einer trüben Zeit hat der Pseudonym Gerhard von Amvntor neben Prof. Schlevden ein kräftiges Schutzwort für die Juden gesprochen Sprache hervor, verhehlen jedoch nicht, daß sich der Autor bisweilen zu ertravaganten, ja wie es uns dünkt, geschmacklosen Ausdrücken verleiten läßt. So z B. wenn er die Liebesgluth „schwählen" läßt, oder S. 127 : „O, es war ein neuer, unbekannter aber grausam stechender Schmerz, der heißwallende Thränensprudel im Innern Helenens anbohrte — nur daß sie zum Weinen zu stolz war und die zurückgedämmte flüssige Gluth lieber ihr Inneres verbrühe n ließWir is. 1876 S. 71!» ff.) Es leuchtet ein, daß wir deshalb auf begreifen wirklich nicht, wie ein sonst so geschmackvoller und die weitere schriftstellerische Thätigkeit des gedachten Autors feinfühliger Schriftsteller und zwar mitten im Pathos so Etwas aufmerksam sind, und so haben wir heute die vor Kurzem erniederschreiben kann'. — „Mcmorir- und Gesangbuch für schienenc Schrift: „Der Zug des Todes. Novelle von Ger-! israelitische Schulen Zusammengcstellt und herausgegeben hard von Amvntor, Elberfeld, Lucas", unseren Lesern zu em-!von L. Straßburger, Lehrer in Butrenhausen. Stuttgart, pfehlen. Um eine einfache Herzensgeschichte dreier Menschenj Levv Müller 1878." Das Büchlein ^VII 64 S.) enthält paare legt sich die feste Zeichnung verschiedener Charaktere ( nach den Schuljahren gesondert Sprüche über biblische Ge- und, was wohl die Hauptsache ist, die Besprechung der schichten, Sprüche, welche Lehren und Wahrheiten der Religion mannigfaltigsten Gegenstände, der bedeutendsten Erscheinung enthalten, und solche, welche die Pflichten des Menschen entunserer Zeit auf dem socialen, philosophischen und religiösen! halten, Lieder zum Memoriren, religiösen Gesangstosf, Arien,

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