Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1878)
- Date
- 1878-08-27
- Page
- Seite 553 (sequence 9)
- Language
- German
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oo> Oesterreich-Ungarn. rtamslau (Galizien) 1l. August. Ein sehr beklaungesetzlichen Gebrauch machte und hierfür von dem k. k. Gerichte in Tarnopol auch abgestraft wurde. Die den Geschwornen vom Gerichtshöfe gestellten Fragen genswerther Vorgang spielte sich am 5. d. vor den Schranken | lauteten: 1. Ist der Angeklagte des verübten Mordes an des hiesigen Gerichtshofes ab, der einen trübseligen Einblick David Robinsohn schuldig oder nichts 2. Ist der Angeklagte in die Gesinnung und das Rechtsbewußtsein der polnischen! des verübten Todtschlages an David Robinsohn schuldig oder Bevölkerung, sowohl der Beamten als des Volkes selbst ge-! nichts währt, um nicht hier nach dem Berichte der „N. Fr. Pr." wiedergegeben zu werden. „Die Verhandlung wurde unter den gewöhnlichen Formalitäten seitens des Ober-Landesgerichtsrathes v. Ambros eröffnet. Bei der Bildung der Geschwornenbank wurde von der Nach kurzer Berathung haben die Geschwornen die erste Frage einstimmig, die zweite mit acht gegegen vier Stimmen verneint." — Man kann sich hierbei der Schlußfolgerung nicht entschlagen, das; von vornherein die Freisprechung des angeklagten Mör- Ausschließung der jüdischen Geschwornen, die gerade bei der > ders beschloffene Sache war, und deshalb in so sichtbarer jetzigen Cadenz in der Geschwornenliste zahlreicher als die j Weise aus die Zusammensetzung der Geschwornen wirkte, christlichen Geschwornen vertreten sind, uneingeschränkter Ge-> Wäre man hierbei mit einer gewiffen Unparteilichkeit vorgebrauch gemacht, so daß neun Christen und drei Israeliten bei' gangen und hätte wenigstens die Hälfte der Geschwornen je dieser Verhandlung sungirten. > aus den beiden Religionsparteien genommen, so würde man Der Staatsanwalt erhob die Anklage Wider den Förster | wenig dagegen einzuwenden haben. Der objektive Thatbestand Anton S tubski aus Wadowa, Bezirk Buczacz, wegen des! nun ist so klar und erwiesen, daß die Gewiffenhaftigkeit der an dem Israeliten David Robinsohn verübten Mordes.! Geschwornen, die doch ein gewiffenhastes Urtheil zugeschworen Der Sachverhalt ist folgender: Anton Stubski passirte mit haben, unzweideutig charakterisirt wird. Was aber am schmerzseinem Gespann am 23. December 1877 die Uebersahrt des! lichsten hierbei berührt, ist der tiefe Riß, der zwischen den Dniesters bei Ostra, welche David Robinsohn in Pacht hielt, l verschiedenen Religionsparteien in der Bevölkerung eines und Nachdem die Uebersetzung des Fluffes durch den damals Herr-! desselben Landes zu Tage tritt und die Mißachtung, welche schenden starken Eisgang erschwert war, wollte der Förster den! das polnische Volk gegen unsere Glaubensgenoffen hegt, so Pächter hierfür verantwortlich machen und brachte ihn unter; daß es lieber den christlichen Verbrecher gegen Eid und Recht einer Fluth von Beleidigungen derart in Zorn, daß auch Ro-' sreispricht und die erwiesene That verneint, als den an einem binsohn ähnliche Jnvectiven dem Förster zurückschleuderte. Juden verübten Mord zur Bestrafung bringt! Auch im all- Stubski, in seiner Schlachzizen-Ehre sich von einem armen gemeinen Jntereffe muß man beklagen, daß dieser eclatante Juden verletzt fühlend, erwiderte ihm: Warte, du aussätziger Fall sich zu denen aus den letzten Jahren gesellt, welche das Jude, ich werde dir gleich zeigen, wie man ihn.Vertrauen auf die Institution des Schwurgerichtes sehr erleckt", begab sich kaltblütig zu seinem vor dem Hause des schüttern, indem sie diese zum Schauplatz der Jntrigue und Pächters haltenden Schlitten, ergriff seine doppelläusige Flinte der Volksvorurtheile machen, und verfolgte den in sein Haus sich flüchtenden Juden bis an; die Schwelle, wo letzterer, von der Kugel des Stubski rück-i ^rnnfrpitfe lings ereilt, bewußtlos blutend niedersiel und in einigen Stun-! " '' den seinen Geist aufgab. Paris, 1k. August. (Privatmitth.) Wir dürfen als ein Drei christliche Zeugen, welche bei diesem Borcharakteristisches Zeichen für die ultramontane Partei nicht mit falle anwesend waren, haben unter Eid dieses Fac- Stillschweigen übergehen, daß deren Hauptorgan, das Univers. t um bestätigt. Der Angeklagte vertheidigt sich damit, daß dem französischen Minister des Auswärtigen, Herrn Waddington, er wegen der ihm von einem Juden zu Theil gewordenen Bedie schmäligsten Vorwürfe macht, weil er aus dem Berliner leidigung außer sich kam und diese That in bewußtlosem Zu- Eongreffe für die Gleichstellung der Juden im Oriente eingestande vollbrachte, während die Gerichtsärzte die Möglichkeit treten ist, während es die Sache Frankreichs hätte sein sollen, einer solchen Alterirung schon mit dem Hinweise ausschließen, für den Syllabus und die Unfehlbarkeit Propaganda zu machen daß das Ergreifen des Gewehres und die Verfolgung des Wie Waddington ein Protestant sei, so sei er auch für Frank- Juden doch allenfalls ein Bewußtsein der That voraussetzen reich ein Fremder, und das auswärtige Amt in solchen Händen laffen. Daß übrigens Stubski ein Mensch sei, der mit kaltem zu sehen, die größte Schmach für Frankreich! Ten französischen Blute zu einer solchen That fähig ist, entnehmen wir aus den Minister gegen solche Schmähungen zu vertheidigen, wäre wohl bei der Verhandlung verlesenen Protocollen über den Ang esehr überflüssig. Es kommt nur daraus an, die Gesinnung klagten, daß derselbe schon zweimal von seiner Waffe dieser Partei von Neuem zu constatiren, und dies durch ihre 3b