Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1878)
- Date
- 1878-08-20
- Page
- Seite 538 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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538 arabisch, griechisch, bulgarisch, italienisch, spaniolisch :e. Von mehreren Seilen wird eine wirksamere Vertheilung der Spenden sür Palästina, Erziehung zu Handwerken und Gründung von Waisenanstalten in Palästina beantragt, sowie auch Unterdrückung der Sendlinge Zu Geldsammlungen für das heilige Land. Der erste und letzte Punkt stehen sicherlich nicht in der Macht der Alliance, da der übergrößte Theil der Spenden aus Kreisen kommt, die der Alliance nicht angehören, und unsere Glaubensgenosien in Jerusalem sich schwerlich die Abschickung von Sendboten verbieten lasten. Das amerikanische Board macht noch mehrere Anträge, z. B. die Ursachen zu studiren, welche sich einer vollständigen Verbrüderung der Israeliten mit ihren Mitbürgern entgegenstellen und wie diese zu beseitigen seien; ebenso die Auswanderung junger Israeliten aus den Ländern zu befördern, in welchen noch beschränkende Gesetze bestehen. Endlich frägt dastelbe P>oanl of Delegates von New-Pork an, ob es nicht nützlich sei, eine Synode zusammenzuberusen, um die Lage des modernen Judenthums zu untersuchen, und eine autoritative Darstellung des jüdischen geistlichen Gesetzes herzustellen. Man wird. gestehen, daß in diesen Anträgen der sonst gerühmte practische Geist der Nordamerikaner sich nicht sehr bekundet. Die Gesellschaft Sinai in Rumänien beantragt die Gründung eines Lehrer Seminars, einer Industrieschule, einer rumänischen Druckerei, einer Lesebibliothek und von Werkstätten aller Orten in Rumänien, um die Zöglinge der Industrieschule aufzunehmen. Woher die Alliance die Mittel zu allem dem herbekommen soll, hat die Gesellschaft anzugeben, vergesten. Die Versammlung wird sich durch dieses Eonvolut von Vorschlägen hindurchzuarbeiten haben. Rumänien. Bonn, August. Wir haben wiederholt auseinander gesetzt, wie wir von Seiten Rumäniens durchaus keine sofortige und ruhige Annahme der Gleichstellung der Juden erwarten, vielmehr vorläusig eine noch schlimmere Behandlung derselben befürchten, und zwar um so mehr, als dem Berliner Vertrage gerade in diesem Punkte jede thatsächliche Garantie fehle. Allerdings ist die Anerkennung der Unabhängigkeit von der Gleichstellung aller Culte und ihrer Bekenner bedingt worden. Allein was bedeutet dies :' Das Vasallenthum zur Türkei bat faetisch aufgehört, ist geradezu unmöglich geworden. Somit ist die Unabhängigkeit Rumäniens thatsächlich vorhanden und die Anerkennung eine bloße Formalität. Wir sehen deshalb hier nur noch einer düsteren Entwicklung entgegen. Hierin bestätigt der folgende Bericht der „Polit. Corresp." zu Wien aus Bukarest vom 1. Aug.: „Was die Frage der Juden-Emaneipation betrifft, so wird darauf hingewiesen, daß dieserhalb eine constituirende Versammlung einberufen werden müstc, weil es sich hier um eine Verfastungsänderung handle; so lange fremde Truppen im Lande stehen, könne von der Einberufung einer solchen nicht die Rede sein. In jüdischen Kreisen glaubt man befürchten zu müsten, daß die von Gortschakow im Congreste über die Juden-Emancipation in Serbien entwickelten Ansichten den ersten Anknüpfungspunkt bilden werden, um das frühere freundschaftliche Einvernehmen zwischen Rußland und Rumänien wieder herzustellen. Habe ja Rußland, so oft es in früheren Zeiten in Rumänien Judenhetzen gab, sich den Schritten, welche von hiesigen Vertretern fremder Mächte bei der rumänischen Regierung gethan worden, niemals angeschloffen. Schon jetzt weist man auf Thatfachen hin, welche die Besorgniß rechtfertigen: der noch von Kusa's Zeiten her, also seit mehr als zwölf Jahren, bei der Landesirrenanstalt in Jasty angestellte Oberarzt Dr. Taussig ist dieser Tage plötzlich aus seiner Stellung entlassen worden, weil er beim Zusammentritte des Congrestes — zwar formell beurlaubt — sich nach Berlin begeben hatte und dort für die Emancipation der Juden im Vereine mit den Delegirten der pariser Alliance Israelite gewirkt haben soll. Einem sehr angesehenen Glaubensgenoffen, der sich für Taussig verwendete, soll bedeutet worden sein, daß Taussig niemals wieder eine Anstellung in Rumänien erhalten werde und im klebrigen Gott danken könne, daß man die über „Landesverrats," im Strafgesetzbuch vorgesehenen Bestimmungen aus ihn nicht anwende. Auch Dr. Mar, zweiter Arzt an derselben Irrenanstalt, war seines Postens entsetzt worden; nachdem er jedoch den Beweis erbracht, daß er weder in Berlin war — wie die Localbehörde von Jasty hierher gemeldet hatte — noch auch sich an irgend einer judenfreundlichen Agitation betheiligt habe, da er schon längst dem Christenthum angehöre, wurde er wieder in sein Amt eingesetzt. Eine andere Thatsache, die in den gedachten Kreisen niederschlagend wirkt, ist ein Befehl des General-Jnspectors der Nationalgarde, General Calinesca, der die Legions-Commandanten anweist, alle Israeliten, ohne Unterschied, ob sie wirkliche Nationalgardisten sind oder dem Verbände der mit der Nationalgarde verschmolzenen Milizcorps angehören, bis auf weitere Verfügung jeder Dienstesverrichtung zu entheben und weder an den Waffen - Übungen noch an irgend sonst einem Dienste der Garde theilnehmen zu lasten. Diesem Befehl ist die we tere Maßregel aus dem Fuße gefolgt, daß man allen Nationalgardisten jüdischer Confession die Gewehre und sonstige Ausrüstungsgegenstände abgenommen hat." Dagegen telegraphirt man aus Bukarest vom 5. August: Der Romanul glaubt, daß die Bessarabien und die Dobrudscha betreffenden Artikel des Berliner Vertrags weder die Einberusung einer Constituante, noch selbst ein Specialgesetz erheischen. Bezüglich der Israeliten werde es vielleicht möglich sein, Europa zu befriedigen. Jndesten