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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-20 · Heft 34 (20.8.1878) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 34 (20.8.1878)
Date
1878-08-20
Page
Seite 537 (sequence 10)
Language
German
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537 Herren Bischöfe finden, der Unterricht habe unter dem gegenwärtigen Schulregim im profanen Wissen keine besseren Resultate geliefert, dagegen sei Zucht- und Sittenlofigkeit eingeströmt , kann man voraussetzen: Der Nachweis fehlt freilich. Ein Hauptziel der Adresse besteht aber in der Beseitigung aller protestantischen und israelitischen Lehrer! Es heißt wörtlich: „Daß ein Zusammenwirken dort nicht möglich ist, wo der Lehrer und der Leiter der Volksschule einer anderen Religions-Gemeinschaft angehört, als der Religionslehrer, wird im Ernste kaum bestritten werden wollen. Die religiösmoralische Erziehung, an welcher ein katholischer Priester einerseits und andererseits ein Protestant oder Israelit oder ein Mann, der sich confesstonslos nennt, oder wie cs vorkommt, ein von seiner Kirche abgefallener Priester arbeitet, kann unmöglich gedeihen; und dennoch stnd trotz einer gegentheiligen Verheißung, die von dem Vertreter der Regierung bei der Schaffung der neuen Schulgesetze öffentlich abgegeben wurde, die Fälle nicht mehr ungewöhnlich, in denen für eine ganz oder zum beiweitem größten Theile von katholischen Kindern besuchte Schule Protestanten oder Israeliten als Lehrer und Leiter der Schule bestellt werden. Gewiß würde man es für widersinnig halten, zur Behandlung eines Kranken zwei Aerzte zu berufen, die einander entgegengesetzten medicinischen Systemen huldigen. Wie soll die religiös-moralische Erziehung durch das Zusammenwirken eines katholischen Priesters und eines israelitischen Lehrers mit Erfolg besorgt werdend Wer wird die Stirne haben, einzuräumen, daß ein Israelit zur religiös-moralischen Erziehung katholischer Kinder befähigt sei Es sollen aber nach den Bestimmungen der Schulgesetze zu Lehrern in den Volksschulen nur Männer bestellt werden, die zur Erfüllung der Aufgabe dieser Schulen befähigt sind." — Wir wollen hierzu keine besonderen Bemerkungen machen, sondern nur das hinkende Gleichniß bezeichnen, nach welchem die Schuljugend mit Kranken, die Pädagogik mit der Medicin auf eine Linie gestellt werden. Frankreich. Paris, Aug. (Privatmitth.) Die Alliance isr. uiiiv. versendet zu der in den nächsten Tagen stattfindenden Delegirtenversammlung zwei Druckschriften, über deren Inhalt ich hier referiren will. Das eine ist die Liste der Personen, welche zur Reunion kommen. Es sind dies zunächst ö‘J aus Paris, von denen 52 dem Eentral-Comitc und dem Gomite für die Propaganda der Alliance angehören, so daß von den 113 Mitgliedern der Versammlung mehr als die Hälfte aus Paris sind. Aus Belgien befinden sich 6 in der Versammlung, aus London 4, Manchester 2, Bradford l und Liverpool 1. Aus Deutschland wird die Versammlung besucht aus Berlin von 1, Breslau 2, Königsberg 4, Leipzig 2, Mühlhausen im Elsaß 4, Liegnitz 1, Stettin 1. Holland ist nur von 1 aus Rotterdam vertreten. Von Oesterreich kommen aus Wien I, Szegedin 1, Brodv 3. Frankreich selbst sendet nur noch 1 aus Nancy. Aus New-Aork erscheinen 7, aus Atlanta 1; endlich aus Bukarest 1, Galacz 1, Gibraltar 1, Eonstantine 1 und Italien wird durch 1 aus Easale, 1 aus Livorno und 1 aus Padua vertreten. Von Eandia werden 3 erscheinen. — Das zweite Schriftstück bringt den Entwurf der Tagesordnung und die verschiedenen Anträge. Zu der ersteren gehört vor Allem die Entwicklung und Organisation der Alliance. Das Eentral-Eomitc findet, daß in einigen Ländern nur eine kleine Anzahl Eomites und Mitglieder der Alliance besteht, wie z. B. in Nordamerika, Rumänien, Ungarn :c. Das amerikanische Board empfiehlt nach den dortigen Verhältniffen nicht die Bildung von Eomites, sondern eine jährliche Eolleete zu Purim. Eine Umgestaltung der Organisation schlägt das Haupteomitc von Königsberg vor, nämlich, daß die Hälfte der Mitglieder des Eentraleomites außerftanzösischen Ländern angehören solle; bedeutender aber ist die, welche von Berlin und Bukarest aus beantragt wird, daß nämlich in den einzelnen Ländern die bestehenden Eomites sich zu einer besonderen nationalen Abtheilung mit selbstständiger Verwaltung vereinigen sollen, so daß das Eentraleomite nur die leitende und ausführende Verwaltung für die allgemeinen Fragen behalte. Diese National-Abtheilungen sollen bei dem Eentraleomite und dieses bei jenen vertreten sein. Jede derselben leistet einen bestimmten Jahresbeitrag an das Eentraleomite. Zu bestimmten Zeiten treten Generalversammlungen aus den Telegirten der Nationalabtheilungen zusammen, um die Rechnungsablegung des Eentraleomites entgegenzunehmen und zu dechargiren, das Budget des folgenden Jahres zu votiren, den Beitrag jeder Abtheilung sestzustellen und über die allgemeinen Fragen zu berathen. Ich glaube nicht, daß bei der Zusammensetzung der Versammlung diese Anträge eine Mehrheit finden werden, nnd halte ich sie auch nicht für glücklich. Das Streben, in den einzelnen Staaten Vereinigungen selbstständiger Art innerhalb der Alliance zu erwirken, ist schon einmal in Berlin gescheitert. Da die Ziele der Alliance bis jetzt einfach darin bestanden, vorkommenden Falles für die unterdrückten Glaubensgenoffen in den orientalischen und afrikanischen Ländern zu wirken, und in diesen Schulen zu gründen und zu unterhalten, so würde in der That durch solche Zersplitterung die wirkende Kraft abgeschwächt werden. Solche Nationalabtheilungen wären nur dann am Platze, wenn sie selbständige Zwecke im eigenen Lande zu verfolgen hätten. Besonders wird noch die Organisation des Volksschulwesens in Rumänien und Serbien gewünscht, wozu fteilich die dortigen Juden das Ri eiste selbst beitragen muffen. Von London wird beantragt, Schulbücher für die Schulen im Orient herauszugeben. Diese müßten freilich in sehr verschiedenen Sprachen erscheinen: türkisch, 34

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