Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1878)
- Date
- 1878-08-20
- Page
- Seite 532 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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532 Alles seinen ihnr zukommenden Platz und in der Ordnung der Menschenwelt jedes Individuum seine Bedeutung und seinen Werth. Allerdings stellt der Spruchredner dies mehr in die Beziehung zum Einzelnen, denn er sagt eigentlich: „Es giebt für dich keinen Menschen, für dich keine Sache u. s. w." (E1X pSw)5 aber insofern es eben für alle Individuen gesagt ist, hat es den Charakter des Allgemeinen. — Ueberhaupt wird von diesen Lehrern ganz besonders die Demuth eindringlich empfohlen. „Sei demüthigen Geistes vor allen Menschen," rief R. Mei'r aus. „Sei sehr, sehr demüthigen Geistes, denn das Ziel des Menschen ist Wurmfraß," R. Levitas. Auch manches harte Wort blieb nicht aus. R. Jochanan b. Beroka erklärte jede Entweihung des göttlichen Namens, j geboren werden, sind bestimmt zum Sterben, die Gestorbenen geschehe sie in's Geheim oder öffentlich, unbewußt oder bewußt,! wieder belebt zu werden, die Wiederbelebten vor Gericht zu gleich straffällig und von öffentlicher Bestrafung sicher betroffen.! stehen, denn wenn auch der Mensch ohne seinen Willen ge- R. Zadok will aus dem Gesetzesstudium auch nicht den ge-; boren wird, lebt, stirbt und gerichtet wird, so wird doch all' ringsten äußeren Nutzen gezogen haben; wer dies thut, der-; sein Thun und Lassen zur Rechenschaft gezogen. — nichts sein eigenes Leben. Rabbi Jonathan sieht Jeden, der Werfen wir nur noch einen kurzen Blick auf den fünften das Gesetz in Armuth erfüllt, mit Reichthum belohnt, wer es Abschnitt *), der sich von den früheren sehr unterscheidet. Denn „Schöner ist eine Stunde der Buße und guter Werke in dieser Welt, als das ganze Leben der zukünftigen Welt, und schöner eine Stunde der Seelenwonne in der zukünftigen Welt, als das ganze Leben in dieser Welt." Er setzt also die Seelenwonne des Jenseits über alle Befriedigung auf Erden, aber auch den tiefen Schmerz wahrhafter Reue und die Mühsale und Opfer guter Thaten über die Seelenwonne des zukünftigen Lebens — selbstverständlich vom Standpunkte der läuternden Sittlichkeit, die im irdischen Leben so viele Hinderniffe, innerliche wie äußere, zu überwinden hat, welche im Jenseits in Wegfall kommen. Hieran reiht sich der Ausspruch des Eleasar Hakappar, den wir aus breiter Faffung zusammenziehen: die in Reichthum unterläßt, mit Armuth bestraft. Wenn wir in dieser ganzen Richtung eine Flucht aus dem er nennt mit geringer Ausnahme die Urheber der Sprüche nicht, und besteht zum größten Theile aus einer Art systema- Treiben der Welt in die Zurückgezogenheit, zwar nicht des In- | tischer Zusammenstellung, die sich zuerst an die Zahl 10, dann dividuums, aber des engeren und eigensten Kreises, erkennen > 7 und endlich 4 knüpft, und deren Inhalt theils metaphysischmögen, und hierin eine Beziehung zu den furchtbaren Ereig-! theils psychologisch-moralischen Zweckes ist, theils an geschichtniffen der Zeit und zu der erdrückenden Herrschaft der römischen j liche, theils an legendarische Gegenstände sich anlehnt. So Cäsaren finden können: so ist dabei Zwiefaches nicht zu über-i werden die zehn Aussprüche in der Schöpfungsgeschichte, durch sehen. Zuerst die Furcht vor dem Individualismus. Denn , welche die Welt geschaffen, aus der Absicht erklärt, um so nachdrücklich wird vor der Vereinzelung gewarnt, und das j mehr Grund zur Belohnung der Guten und Bestrafung der Studium mit Genoffen zur Pflicht gemacht. „Verlaß dich nicht Bösen zu haben. Die zehn Geschlechter vor der Fluth und auf deinen eigenen Scharfsinn, und wende dich stets nach einem! von dieser bis Abraham, um die Langmuth Gottes zu beweisen. Orte, wo die Gesetzeslehre betrieben wird und du Genossen! Im sechsten Verse werden zehn Dinge aufgezählt, welche am findest," schärft R. Nehorai ein. Andrerseits ist es die An-! Vorabend des siebenten in der Dämmerung erschaffen seien. sicht, die durchdringt, daß es gewisse Probleme giebt, welche der Menschengeist nicht zu lösen vermag. So sagt R. Jannai: „Es ist uns nicht gegeben, das Glück der Gottlosen und das Elend der Gerechten zu erklären." Wer möchte hierin nicht einen Blick auf den Triumph der Despoten über das unglückliche Israel erkennen? Hiergegen erhob sich nun die Alles durchdringende Ueberzeugung von der Unsterblichkeit der Seele, vom göttlichen Gerichte und hiernach auch von der Auferstehung. Sehr bemerkenswerth ist es, daß selbst hier, wie in dieser Die bekannte Ansicht wird hierdurch ausgedrückt, daß der Schöpfer die späteren Wunder gleich bei der Schöpfung mitgeschaffen habe, damit jene den Naturgesetzen nicht zuwider seien. Wir bemerken dabei, daß auch hier unter den aufgezählten Dingen keines auf das Erscheinen des Messias deutet. Die Charakteristika im Benehmen des Weisen, die vierfache Verschiedenheit der Menschen hinsichtlich des Eigenthums, der Gemüthsart, der Geistesgaben u. s. w. werden in anziehender Weise dargestellt. Für uns hier ist besonders der 8. Vers ganzen Spruchsammlung vom Messiasglauben, d. h. vom , von Bedeutung, da er eine bereits übermäßig ausgebildete Glauben an einen persönlichen Messias zur Herstellung des! Vergeltungstheorie erweist und die göttliche Vergeltung wie jüdischen Volkes u^ld Reiches auch nicht die geringste Spur, eine Art Criminaljustiz darstellt. Es heißt dort: Sieben erscheint. Schon Ben Soma erklärt Psalm 128, V. 2: „Ge-!Arten Strafplagen kommen auf sieben Hauptübertretungen in nießest du deiner Hände Arbeit: wohl dir, du hast es gut!"!die Welt, so Hungersnoth aus Dürre, wenn ein Theil des wohl dir, in dieser Welt, du hast es gut in der zukünftigen! Volkes seine Früchte nicht verzehent; thut dies aber Niemand, Welt. R. Jakob sagt: „Diese Welt gleicht der Vorhalle zu, Bekanntlich ist noch ein sechster mvin pp p“)5 ange- 1)et zukünftigen Welt; benimm dich m der Vorhalle, daß du, schlossen, der nur über das Gesetzesstudium handelt und oen wir bei eingelassen werdest in den Speisesaal." Er fügte hinzu:, einer anderen Gelegenheit besprechen werden.