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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-13 · Heft 33 (13.8.1878) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 33 (13.8.1878)
Date
1878-08-13
Page
Seite 524 (sequence 10)
Language
German
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524 ausgegangen, die er ertragen müsse. Der edle Gras ließ sich von der so imposanten Erscheinung des Tolnaer nicht einschüchtern und gab vor, Recherchen anstellen zu lasten. Drob erhob sich ein Geheul und ein Jammer im Lager Brodyer Hebräer, lautes Schluchzen und Aechzen und dumpfes Murren gegen die gotteslästerliche Ausweisung. Man zerriß sich die Gewänder, legte Säcke um die Lenden an und schon war man im Begriffe, Asche aus das Haupt zu streuen. Dieses Wehgeschrei, diese herzrührenden Klagen drangen von Lemberg in die Thore der Stadt Brody, in die Ohren des israelitischen Cultusvorstandes; die weisen Stadtväter, selbst die Handelskammer, erbebten. Rath über Rath wurde gehalten. Kurz, man gab der Nothwendigkeit nach; der Chassidismus und der Blödsinn, gepaart mit arger Heuchelei, trugen den Sieg davon. Ein förmlicher Argonautenzug mit Brodyer Helden wurde ausgerüstet. Ten Brodyer Helden aller o Repräsentativkörper schloß sich in Lemberg sogar der Deputirte der Stadt Brody, Herr Pb. oder Pinkas Zucker, Obmann der Dorschim, Urpole und Held aus dem polnischen Putsch des Jahres ltS63 und noch früheren.Datums, an. Dieser Herr Juris-Doctor kennt das Judenthum seit dem blutigen Drama, besten Held derselbe am 8. Lebenstage selbst war. Von da ab kennt er es blos dem Namen nach und wenn es gilt, im Namen seines problematischen Judenthums ein Ehrenamt in Galizien zu erlangen. Die so hochweise Deputation, geführt von dem Landtagsabgeordneten Dr. Pinkas Z., begab sich mit großen Thränen in jedem Auge, um dem H. Landespräsidium die sußfälligste Bitte vorzutragen, den harten Erlaß ““ir; abzuwenden von der so schwer betroffenen Stadt Brody und von den loyalsten Bürgern eben derselben Stadt, von den Söhnen des Volkes Israel. Das H. Präsidium allein solle die Thränen stillen und verscheuchen aus den Augen der Töchter Zions und veranlasten, daß ihnen das geliebte heilige Kleinod, der Rebbe von Tolna und seine Suite wiedergegeben werde, daß jenen die Heimkehr in des gelobten Landes Stadt der Pidjonim, wo fette Ochsen, Kühe und Kälber, wollige Schafe und geduldige Fische sich schlachten, scheeren und verzehren lasten, zu größerer Freude des UTTtp des Heiligen Israels. Erschrick nicht, lieber Leser, und lebe nicht der Ueberzeugung, daß die Väter der Stadt Brody den Kopf verloren, daß die israelitische Cultusgemeinderepräsentanz ihrem Beispiele gefolgt wäre und daß der Direktor des Dorsch-olem so ganz seinen juristischen Kopf nach jener Seite hin hat sinken lasten, wo die Kopflosigkeit am größten ist. Mit Nichten! Jeder der Brodyer Deputirten ad hoc hat seine diesbezügliche eigene Ansicht und eine ganz besondere. Der hierauf entstehende schwere Kampf ums Dasein wird ihnen die nöthige, resp. die freie Zeit rauben und das Vaterland wird gerettet sein. Soweit vom jüdischen Standpunkte aus. In handelspolitischer Beziehung haben unsere Brodyer Commerz- und Finanzgrößcn jene Satrapie des neuesten chassidischen Statthalters Gottes aus Erden gar sehr gebilligt und wiesen mit mathematischer Genauigkeit nach, welchen merkwürdigen Nexus ein derartiger „guter Jud" oder Wundermann mit der Ein- und Ausfuhrstatistik in Oesterreich hat. Jener Mann nämlich hat die leibhaftigen Schlüssel zu den irdischen Schätzen, wen er segnet, ist gesegnet, und wen er flucht — der bleibt fluchbeladen bis in die späteste Zukunft; abgerechnet davon, daß wenn wir ihm recht artig und folgsam sein werden, er, der heilige Segenspender aus Tolna, ganz leicht veranlaßt würde, auch uns mit einem Strome dichtgesättigten Segens zu beglücken, wodurch selbstverständlich unsere statistischen Daten destelben Glückes theilhaftig werden, muß aus ganz natürlichem Wege der Uebersluß bei uns wie in Pharaos sieben fetten Jahren walten, da der Zuzug aus Rußland ein nie dagewesenes Volk und nie gesehene Silber- und Goldmünzen nach Oesterreich importiren wird. Brody wird sonnt ein wahres Neujerusalem und dem asiatischen Heimathlande unter den gebesterten Communicationsmitteln den einstigen hohen Rang ablaufen. Der so lang verheißene Segen geht sichtlich in Erfüllung. Es wird fließen unversiegbar die Milch der Brüste, der Honig der Bienen, und die Frucht des Leibes übertrifft alles bis jetzt Dagewesene. Es werden solche Menge Kälber, Pferde, Esel, Gänse und Enten geboren werden, daß sie den Schein der Sonne verdunkeln und den Boden des Landes bedecken. Die Menschenkrast wird sehr gesucht und gut bezahlt sein, was wiederum ein Grund zur Beseitigung der socialdemokratischen Ideen in Chassidimkreisen abgiebt. Auch der Tiefen des Wasters wird nicht vergesten. Dort wo gegenwärtig wenige Fischleiber verschmachtet auf schlammigem Boden sich herumwälzen — wird der Segen nicht fehlen und wimmeln und erfüllen und verdrängen die häßliche Fluth. Diese „glattgeschwänzten" Individuen sind die eigentlichen „Lieblinge" des Herrn, besonders als „fette Backfische" hoch im Ansehen. Diese Ueberproduction bahnt einen riesigen Export an vierfüßigen und zweifüßigen Thieren an, wie nie zuvor. Gleichen Schrittes mit dem Export wird der edle Wunderrabbi auch den Import segnen, das bis heute noch unentdeckte alte Gebirgsland thut sich mit seinen Schätzen auf. Kähne und Flöße tragen jene Reichthümer in das Herz der galizischen Freistadt Brody. Antike Kapotten (russische lange Röcke), schwarzseidene Jamurka (Käppchen), ostindische Leibzudeckel (arba kanfot) Schausäden jvy* echt jerusalemitischer Fabrikation, türkische Gebetmäntel und weiße seidene Gewänder (Ornat der guten Juden) mit langen breiten Gürteln, schließlich die nimmerfehlenden Pantoffeln sinken im Preise und überschwemmen das ganze Land und die Streimel feinster Sorte feiern ihre Auferstehung und krönen die Häupter der Parteigenosten des Herrn Rabbiner von Tolna, Dr. P. Zucker, und Handelskammersekretarius, Leo Herzberg Fränkel. Hastig fällt letzterer dem Führer ins Wort: Excellenz, die

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