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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-13 · Heft 33 (13.8.1878) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 33 (13.8.1878)
Date
1878-08-13
Page
Seite 523 (sequence 9)
Language
German
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523 stand, genoß er doch die Achtung seiner republikanischen Gegner, so daß während der Unruhen nach Lincoln's Tode eine Leibwache von Republikanern ihn und sein Haus beschützte. Er war Jude von Geburt und Glauben. Pest,imJuli. (Literarische Notizen.) Maimuni's More hat nun auch eine ungarische Uebersetzung gefunden. Herr Oberrabbiner l)r. M. Klein in Papa hat sich dieser keineswegs leichten Arbeit unterzogen, und ist das erste, 124 Seiten umfastende Heft des ungarischen More unter dem Titel „a tevelygök Utmutatöja'4 (Papa 1876) vor Kurzem erschienen. Nach den bisher erschienenen Rccensionen ist die Uebersetzung, welche mit vielen lehrreichen Noten versehen ist, eine sehr gelungene und hoffen wir, daß der wackere Herr vr. Klein durch Unterstützung Seitens der ungarischen Akademie und der Förderer der jüdischen Üüeratur in den Stand gesetzt werde, sein patriotisches Unternehmen zur Ausführung zu bringen. — Unser Glaubensgenosse, Herr 1)r. Adolf Stern in Bukarest, beabsichtigt Shakespeares Werke in's Rumänische zu übersetzen und hat mit der Uebersetzung des Hamlet den Anfang gemacht. Das schön ausgestattete Buch ist der Fürstin Elisabeth von Hohenzollern gewidmet. — Von unserm bekannten Hebraisten, Herrn Simon Bacher, erscheint demnächst ein poetisches Sammelwerk dessen Ertrag dem Wiederaufbau der durch Feuer zerstörten Institute der israelitischen Gemeinde in Eipto-Szt.-! Meklos, der Geburtsstadt Bacher's, gewidmet ist. —! Dr. Kaps erlin g. Aeu Hfeton. Der neue Heilige oder der Tolnaer Za-ik; seine Ausweisung aus Brody; eine Deputation von FortschrittSmännern beim galizischeu Statthalter Grafen Potocki — Rülkderufung. Von B. in iembftg. Aus Tolna, einer russischen Stadt, wurde von den dortigen culturmissionarischen Behörden ein einheimischer Zadik wegen seiner Wundermacherei des Landes verwiesen. Der gute alte Zadik war zwar nicht sehr erbaut, von dem ihm zugemutheten Golus Gebrauch machen zu müssen, allein hier half nichts, nicht einmal das „Goldne Fließ" und das harte untrügliche Silber, er mußte fort. Schwer beladen mit seiner enormen Habe an Gold und Silber stand er vor der Frage, wohin seine heiligen Schritte zu lenken, wo der geeignete Ort zum Ausbeuten? Nicht lange aber sollte der Kummer sein Herz -betrüben; bald stellte sich ihm der richtige Gedanke zur richtigen Zeit ein — Kinder, es geht nach dem Nachbarlande, dem gelobten Lande der Zadikim und Chassidim, wo so viele vor mir das Geschäft des Geldnehmens, ohne sich abzumühen, schwungvoll betrieben. Dahin, Kinder, gehen wir, Gott wird uns auch hier nicht verlaffen und uns speisen, wie bis zur Stunde. So sprach der Rabbi von Tolna und fort schnaubte das Dampfroß und trug ihn sicher und sorgsam an die galizische Grenze, begleitet von der offiziellen kaiserl. russischen Garde und beweint von den Männer und Frauen, welche so lange ihn genährt und bereichert hatten. In sttller und edler Resignation kamen sie in Lemberg an; ihnen eilte der Ruf der Wundermacherei voraus und siugs schaarte sich um ihn ein Contingent verttauensseliger Leutchen, die ihre Taschen aufthaten, um dem Zadik den Tribut seiner Heiligkeit zu zollen. Allein diese große Stadt, diese geräuschvolle Mettopole Galiziens mit so vielen sündhaften Taitschen schien dem Tolnaer Zadik nicht so ganz geeignet für das nöthige mystische Dunkel, für Wunderkuren und Teufelstreiberei, weshalb derselbe nach Entgegennahme einiger hundert Stück russischer Rubel und anderer Münzsorten sein Hoflager gen „Brod" dirigirte, das Neujerusalem Oesterreichs, oder wie es die Polen nennen, das galizische Frankfurt a. Main. Glückliches Brody, du Concurrcnzort zweier mächtiger Reiche, Oesterreichs und Rußlands, dir ist es vergönnt, noch ein drittes, das Reich der Heiligkeit gastlich in dir aufzunehmen!'.'. Gut gings unserm Rabbi dott, ja noch bester, als in der ureigensten Heimathsstätte, die Geschäfte nahmen den erwünschtesten Verlauf, man deckte fette Schafe ab; Rinder und Kühe gaben ihre Hebebrust und die fetten Schenkel her als Hebeopfer dem Heiligen, auch der Fische in den Teichen ward nicht vergesten und das edelste Naß besprengte und überschäumte den heiligen Tisch. So idyllisch jedoch gingen nur wenige Wochen ins Land. Denn bald wurde die Stiftshütte und deren Inhaber von einer unliebsamen Kunde aufgescheucht. In den Runzeln des alten Wunderthäters lagerten sich dichte Wolken und immer düsterer wurde sein Gemüth und bald erfuhr man, daß etwelche böse Sünder den Statthalter von Galizien auf diese saubere Sippschaft aufmerksam gemacht und ihn ersucht haben, diese russische Bescheerung aus Brody zu verbannen. Elektrisch wie der Blitz aus heiterm Himmel wirkte auch dieses gestügelte statthalterliche Wott: in 24 Stunden mußte der Großmogul die ihm so lieb gewordene zweite Heimath meiden. Er umgürtete seine Esel und bepackte seine Jungen, und fort gings nach Lemberg, jetzt etwas muthloser, die sonst so lustige, fast übermüthige Schaar. l Der Rabbi von Tolna selbst ging hinauf, um in den [ höheren Regionen zu erfahren, ob die Geserah „von oben" 33*

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