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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-13 · Heft 33 (13.8.1878) · p. Seite 519

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 33 (13.8.1878)
Date
1878-08-13
Page
Seite 519 (sequence 7)
Language
German
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r i 519 andere, den Schwankungen der Ereignisse unterworfen sei. Fürst Bismarck sagt, er habe, als Fürst Gortschakow seine Erklärung verlas, zunächst gefürchtet, daß der Congreß an derselben scheitern könne. Aber jetzt sei er überzeugt, daß Fürst Gortschakow zufrieden sein werde mit einer Fassung, welche besage, daß die Gesammtheit der in dem künftigen Vertrage bezeichneten Verbindlichkeiten ein Ganzes bilden solle, dessen Durchführung die Mächte durch ihre Vertreter in Konstantinopel überwachen werden. Schließlich kommt man auf den Vorschlag des Fürsten Bismarck, den die russischen Bevollmächtigten acceptiren, dahin überein, dem Vertrage einen besonderen Artikel anzusügen, welcher den Mächten das Recht vorbehält, durch ihre Agenten die Ausführung der Beschlüsie des Congresses zu überwachen. — Es geht hieraus hervor, uud dies müssen wir im Auge behalten, daß der Congreß den Agenten der contrahirenden Mächte das Recht zuertheilt hat, Beschwerden über Verletzungen der C ongreßb eschlüsse entg egen zunehmen. —. Zur Vervollständigung besten, was Sie (Nr. 32) aus den Protokollen der Congreßverhandlungen gebracht haben, sei hier bemerkt, daß in der 17. Sitzung vom 10. Juli) bei Verlesung der Arbeiten der Redactions-Commission Fürst Gortschakow die Erklärung abgab, daß er hinsichtlich der politischen und bürgerlichen Rechte der Israeliten in Rumänien die in dem Vertrage ausgesprochene Meinung nicht theile. — Da Se. Majestät der Kaiser von Rußland den Vertrag ratisizirt hat, kann diese Erklärung nur als eine Privatmeinung angesehen werden, die freilich bezeichnend genug ist. Berlin, 2. Aug. (Privatmitth.) Daß der Gesammti aussall der Wahlen die Hoffnungen der Reactionäre zu Schanden gemacht, ist ein großes Glück. Besonders erfreulich ist - die Wiederwahl Lasker's gerade nach all' den Gegenbe-; strebungen konfessionell gehäßigen Characters; und zwar die j Wiederwahl mit einer so überwältigenden Mehrheit, und noch i dazu in einem durchgehends bäuerlichen resp. kleinstädtischen Bezirke. Es mag uns dies beweisen, wie wenig gefährlich im h Grunde die grotesken Judenhetzen von reactionärer Seite sind! ji Lisfa, (Posen), 29. Juli. Da im Lause dieses Jahres!' von den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde 10 Mitglieder t und 3 Repräsentanten-Stellvertreter ausscheiden, so soll in t nächster Zeit eine Neuwahl von 10 Mitgliedern und 3 Stell- | Vertretern der Re Präs entanten-V ers ammlung stattsinden. Zu | diesem Zwecke veröffentlichte unterm 9. Juni c. die Gemeinde- | Verwaltung, daß in ihrer Kanzlei die Liste der stimmberech- I tigten Gemeindeglieder -1 Wochen lang eingesehen werden könne, i Die an der jüdischen Gemeindeschule angestellten 3 Lehrer ver- I mißten in dieser Liste ihre Namen und beantragten beim Vor- I stände die nachträgliche Aufnahme ihrer Namen in die Wählerliste. Der Vorstand, an deffen Spitze Kommerzienrath I. A. Moll steht, kam den Lehrern freundlichst entgegen, bezweifelt aber, ob die gewünschte Aufnahme legal sei, da die betreffenden Herren Lehrer zwar früher zu den Gemeindelasten beigesteuert hatten, vor 4 Jahren aber auf ihren Antrag mit Genehmigung der Repräsentanten-Versammlung vom Vorstande fortan von den Gemeindeabgaben befreit worden waren. Um aber nicht minder den gesetzlichen Bestimmungen, wie den Wünschen der 3 Reklamanten gerecht zu werden, unterbreitete der Vorstand sogleich diese Angelegenheit der Entscheidung der Regierung zu Posen. Am 6. Juli er. erfolgte aus diese Vorstellung an den Korporations-Vorstand Hierselbst der Bescheid, daß die drei Lehrer wahlberechtigt, und als solche in die Wählerliste auszunehmen seien. Die Regierung sagt in dieser Verfügung wörtlich: „Die zeitige Wahlfähigkeit hängt nicht von der Entrichtung der Korporalionssteuer überhaupt ab, sondern nur davon, daß diese Steuern, falls sie überhaupt zu zahlen sind, ein volles Jahr nicht rückständig sind. Ist aber Jemand von der Entrichtung dieser Steuern aus irgend einem Grunde befreit, so folgt daraus noch nicht, daß derselbe seine Wahlfähigkeit verloren hat." — Natürlich sind die 3 Lehrer sogleich in der Wählerliste nachgetragen worden. — Münster, 30. Juli. Das „Amtsblatt der König!. Regierung zu Münster" bringt in Nr. 30 eine Bekanntmachung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen betreffs der Marks-Haindorf'schen Stiftung, die wir hier wiederzugeben ersucht werden. Sie gründet sich auf den 28. Bericht, der soeben ausgegeben worden und die Jahre 1875—1877 besaßt. Die Bekanntmachung lautet: In Verfolg der Bekanntmachung vom 13. Juli 1875 wird über die Wirksamkeit der Marks-Haindorf'schen Stiftung zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden Nachstehendes zur öffentlichen Kenntniß gebracht: Seit Juli 1875 sind 1) in die Lehrerbildungs-Anstalt neu ausgenommen a. aus Westfalen.7 Zöglinge. I). „ der Rheinprovinz ... 0 „ c. „ der Provinz Hannover (auf eigene Kosten) .... 1 „_ 8umiua. .... 14 ,, 2j Geprüft und mit dem Wahlfähigkeits-Zeugniste entlasten sind a. aus Westfalen.3 Zöglinge. b. aus der Rheinprovinz ... 4 ,, Im Ganzen sind jetzt 261 Schulamts-Candidaten ausgebildet worden. Die Elementar-Schulclaste zählt im lausenden Schulfemester 32 Schüler und Schülerinnen, von denen mehre unentgeltlich unterrichtet werden. Nach der letzten Uebersicht des Cassenzustandes beträgt die Einnahme

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