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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-13 · Heft 33 (13.8.1878) · p. Seite 517

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 33 (13.8.1878)
Date
1878-08-13
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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517 Judenthume die tatsächliche Erfüllung der Pflichten und Ge-! Entwicklung neue Bahnen eröffnete und feinen Namen mit unbote immer voran, der sich Niemand, auch nicht der Gelehrteste sterblichem Glanze in die Geschichte des Judenthums einge- und mit dem Studium Beschäftigtste entziehen konnte. Mit > zeichnet hat. Von dem tiefen Ernste, der seine Lebensanschaung Recht bezeichnet man daher das Judenthum als eine Religion! färbte, zeugen die Aussprüche: „Scherz und Leichtfertigkeit vernicht des Glaubens, sondern der That. j führen den Menschen zur Unzucht;" „die Massorah ist der Außer diesem, in lauterster Weise geführtem Streite! Zaun um die heilige Schrift, das Zehenten um den Reichthum; klingen uns aus dem Kreise Gamliel II. noch bedeutsame! Gelübde um die Enthaltsamkeit, der Zaun um die Weisheit Lebenssprüche herüber, welche uns von den Lebensanschauungen ist Stillschweigen." Doch war dieser Ernst nicht abstoßend jener Zeit beredte Zeugnisse geben. Hier sprach Akabja ben! und finster; er sagte: „Gott liebt den Menschen, denn er hat Mahalalel^) aus, daß die nachdrücklichste Hut vor der Sünde , ihn in seinem Ebenbilde geschaffen, aber noch höher erwies in der Erwägung bestehe, wie der Mensch aus dem Staube! Gott diese Liebe, da er ihm verkündete, daß er in seinem entspringt und zu Staub wird, aber Rechenschaft zu geben hat! Ebenbilde geschaffen. Gott liebt Israel, denn er nennt es vor Gott. Die Demuth aus dem vergänglichen Wesen und! fiiue Kinder; aber noch höher erwies Gott diese Liebe, daß das Bewußtsein aus dem höheren Berufe des Menschen ver-! er ihnen verkündete, sic hießen Kinder Gottes 5 Mos. 14, I)." einigen sich hier im lebendig religiösen Gemüthe. — Eigen-! Endlich: „Alles wird von Gott erschaut, aber dem Menschen thümlich erscheint uns das Wort R. Chanina's, der eine hohe j ist die Freiheit gegeben und mit Güte wird die Welt gerichtet priesterliche Würde bekleidete, natürlich damals ohne Function:' und zwar nach der Menge deffen, was der Mensch gethan hat" „Bete für das Wohl der staatlichen Obrigkeit denn Man wird gestehen, daß in diesen wenigen Worten sich die wenn die Furcht vor ihr nicht wäre, würde Einer den Anderen! höchsten, ebenso rationellen, wie dem Herzen zusagenden Anlebendig verschlingen." Jedermann weiß, daß sich dieser Aus-1 schauungen zusammendrängen. Die Allwiffenheit Gottes, die spruch an jenes Wort des Propheten Jeremias an die Eru- * Willensfreiheit des Menschen, die Barmherzigkeit Gottes im lanten schließt, das Wohl des Staats, wohin sie die Vorsehung; Gerichte, und daß dieses nicht nach einzelnen Handlungen, geführt, mir aller Kraft zu fördern, und daß dies von den sondern nach dem Ganzen deffen, was der Mensch in seinem Juden aller Zeiten nachdrücklich ausgeführt wurde. Auch darf Erdenleben vollbracht, vor sich geht, giebt der große jüdische man nicht übersehen, daß der fromme Rabbi mit der Empfehj Lehrer als seine Ueberzeugung an, welche auch im Allgemeinen lung zum Gebet die innerste Gesinnung, das Heiligthum des j die Lehre des Judenthums geblieben. Hieran schließt er das Herzens beansprucht. Gerade zu jener Zeit bereitete sich aber' Gleichniß: „Alles wird auf Bürgschaft gegeben, und ein Netz in den Führern und der Maffe der Juden jener furchtbare! ist ausgebreitet über alles LebendigeDer Laden steht offen, Aufstand vor, der, als sich ein Heerführer in der Person des der Kaufherr verborgt, das Buch aber ist geöffnet, und die Bar-Kochba gefunden, in hellen Brand auffchlug. Der Zuruf! Hand schreibt ein; wer will, komme und borge, doch die Chanina's hat demnach auch eine geschichtliche Bedeutung, da! Schuldforderer gehen beständig umher und fordern die Schuld er die empörten Wellen der Gemüther durch das Bewußtsein ein an jeglichem Tage, der Mensch möge wollen oder nicht beruhigen wollte, daß bei allem Druck der römischen Tyrannen! zu Allem haben sie guten Grund, und das Gericht ist das doch die Sicherheit des Lebens und des Eigenthums durch die - Gericht der Wahrheit, alle aber find zum (ewigen) Mahle staatliche Obrigkeit erwirkt werde. Leider drang er nicht durch;! bestimmt." Das durchgeführte Gleichniß soll ausdrücken, daß denn bei aller Bewunderung, die der Heroismus der um die! Alles, was der Mensch ist und hat, ihm von Gott verliehen Feiheit noch einmal kämpfenden Juden verdient, war doch der ist zum Gebrauch nach seinem freien Willen, daß er aber Alles Ausgang vorauszusehen, kostete zahllosen Menschen das Leben zurück- und darüber Rechenschaft geben muß; die Forderung und brachte eine Religionsverfolgung herbei, welche dem Juden-' des Menschen vor dieses Gericht (durch den Tod) gebt vor thume den Untergang gebracht hätte, wenn nicht die Ueberzeusich, ohne daß der Mensch den Zeitpunkt vorher kennt; doch gungstreue und die zähe Ausdauer auch diese unselige Periode ist dieses Gericht das der Wahrheit und jedwede Menschenzn überwinden gewußt hätte. — Einige weniger bedeutende fiele zur Ewigkeit bestimmt. Man erkennt auch hieraus, daß Kernsprüche, welche vor sittlichen und religiösen Fehlern und die Unsterblichkeitslehre damals schon im Judenthume die schlechten Gewohnheiten, besonders auch vor jeder öffentlichen1 festeste Wurzel gefaßt hatte und von den Lehrern desselben in Beschämung eines Mitmenschen warnen und zu einem gefälligenj zweifellosester Weise vorgetragen wurde. Benehmen ermahnen, hier übergehend, heben wir noch die Sentenzen des großen Akiba hervor, welcher der traditionellen 1) Die Gründe, aus welchen Jost u. A. Akabja der Zeit Gamj liel II. angehörig glaubten, erscheinen uns von Wiesner (der Bann S. 12) nicht erschüttert.

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