Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1878)
- Date
- 1878-08-06
- Page
- Seite 509 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227177-3227210--36457-3306504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
509 mit den nöthigen Apparaten und Medikamenten zur Behandlung armer jüdischer Kranken nach Jerusalem sandte und die Freiherrn von Rothschild durch Zuschrift vom 24. April 1843 (s. Nr. 19) 100,000 Frcs. unserer desfallsigen Sammlung überwiesen. Das Schreiben war von den Herren von Roth, schild selbst unterzeichnet, aber gewiß unter Mitwirkung Albert Cohn's entstanden. Jndeß nahm die Sammlung nicht den erwünschten Fortgang, die großen politischen Erschütterungen kamen dazwischen und uns selbst war es unmöglich, uns persönlich an Ort und Stelle zu begeben, was zur Ausführung unerläßlich war. Die Idee war jedoch nicht verloren und 1853 gründete Albert Cohn bei seiner ersten Anwesenheit in Jerusalem das Rothschild'sche Hospital. — Bonn, 28. Juli. (Literarische Notizen.) Wir haben seiner Zeit von der Gründung eines „Deutschen Palästina- Vereines" berichtet, der, gleich ähnlichen Vereinen in England und Amerika, die Erforschung des heiligen Landes nach allen Richtungen und Beziehungen hin, zu seinem Zwecke hat. Zunächst wollte derselbe eine besondere Zeitschrift herausgeben und dann die Mittel sammeln, um selbstständige deutsche Expeditionen zur Erforschung des heiligen Landes zu veranstalten. Der Verein ist gebildet und zählt gegenwärtig etwas über 180 Mitglieder. Das Mitglied zahlt einen jährlichen Beitrag von 10 Mark; es ist ihm jedoch nicht benommen, für die Zwecke des Vereines ein Mal oder regelmäßig einen höheren Beitrag zu zahlen. Hierfür erhält jedes Mitglied ein Exemplar der Zeitung zugesandt. Von dieser liegt das erste Heft uns vor, und soll jedes Vierteljahr ein Heft oder alle Halbejahr ein Doppelheft erscheinen, und zwar unter der Redaktion des Lic. Hermann Guthe (Leipzig, K. Bädeker, 1878). Das Heft enthält Nachrichten über den Verein, ein Vorwort von Prof. Kautsch, die Geschichte des Vereines enthaltend, eine Mittheilung über das zur Anwendung kommende Transcriptions-Alphabet, Berichte aus Jerusalem von Baurath Schick, und zwar l) neu entdeckte Felsengräber am Berge des bösen Raths, welche zwar topographisch bemerkenswerth sind, sonst jedoch nichts Neues liefern; 2) die antiken Reste an der Nordwestmauer von Jerusalem, wo in technisch-scharffinniger Weise die Baureste nach den verschiedenen Zeitaltern bis in das der jüdischen Könige hinauf unterschieden werden. Fünf erläuternde Tafeln sind hinzugefügt. Endlich giebt Prof. So ein einen „Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Palästina- Literatur, der bei der Umsicht des Verfasiers durch seine Fortsetzungen zukünftig einen guten Führer auf diesem Felde abgeben wird, nachdem die vor zehn Jahren erschienene Bibliotkeca geographica Palaestinae von Tobler durch die Vergangenheit dieser Literatur leitete. Wenn der Verein seinen schönen Zwecken näher treten soll, so muß die Zahl der Mitglieder noch sehr bedeutend wachsen. Wir empfehlen daher auch unsrerseits eine thatkräftige Unterstützung desielben. Anmeldungen zum Verein sind an Herrn Karl Bädeker zu Leipzig zu richten. I e u i l l e t o n. Correspou-enz. Conferenz des israel. Lehrervereins für Westfalen und Rheinland. (Schluß.) Da die Zeit nunmehr bereits vorgerückt war, so gab der Herr Vorsitzende es der Versammlung anheim, ob sie das versprochene Referat des Herrn Seminarlehrers Treu, der auf das Wort verzichten wollte, dennoch zu hören wünsche. Ein einstimmiges kräftiges „Ja" bekundete, daß man im Voraus von der Vortrefflichkeit des zu erwartenden Vortrages überzeugt sei. Man hatte sich denn auch nicht getäuscht. Derselbe wurde mit großem Jntereffe bis zu Ende angehört. Herr Treu sprach über „Individualität, nicht Uniformität in der Schule". Da die sehr gelungene Arbeit, wie Herr Treu versprach, demnächst im Druck erscheinen wird, so beschränken wir uns hier darauf, empfehlend auf dieselbe aufmerksam zu machen. Ueber den Religionsunterricht an höheren Schulen entspann sich zum Schluß eine längere, sehr lebhafte Besprechung. Wiederholt wurde die Frage erörtert, wodurch es zu ermöglichen sei, daß die Schüler höherer Lehranstalten regelmäßig und mit Erfolg den Religionsunterricht besuchen. Es sei vor allen Dingen auch hierin Gleichheit mit anderen Confessionen (obligatorischer jüdischer Religionsunterricht an höheren Schulen) anzustreben. Sei der Religionsunterricht überhaupt nothwendig, dann sei er es auch für israelit. Schüler; das sei unser Recht und unser Recht wollen wir. Herr Jacobfohn legte die Besttebungen des deutsch-israel. Gemeindebundes auch nach diesem Ziele der Versammlung nochmals warm ans Herz und man einigte sich schließlich zur Annahme folgender Resolution: „Die rheinisch-westfälische israelit. Lehrerconferenz hält es, wie sie in verschiedenen Resolutionen bereits erklärt und in wiederholten Eingaben an das hohe Ministerium ausgesprochen hat, im allgemeinen Jntereffe, dahin zu wirken, daß der jüdische Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten obligatorisch erklärt werde und ist erfteut, darin sich mit der von dem deutschisraelitischen Gemeindebunde zu Leipzig unter Nr. 1 aufgestellten These in voller Uebereinstimmung zu befinden." Hiermit könnten wir unseren Bericht schließen, wenn nicht die Pflicht der Dankbarkeit uns aufforderte, der trefflichen israelit. Gemeinde Ruhrort in unserm und unserer lieben Col-