Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1878)
- Date
- 1878-08-06
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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508 hin unbedeutende Festung 1701 von den Engländern genommen und sehr erweitert worden. Die Mehrzahl kam aus Marokko, namentlich Tetuan, einige Familien aus Holland, Italien und Algerien. Auch in der blühendsten Zeit überstieg die Seelenzahl nicht 1800. Im Jahre 1871 bestand sie aus 1533. Die Juden lebten hier stets in Frieden und Eintracht mit allen ihren andersgläubigen Mitgliedern. Bis vor 50 Jahren hatten die Juden, Katholiken und Mohamedaner jährlich 10 Schillinge sür die Erlaubnis des Wohnsitzes zu zahlen. Seitdem ist diese Steuer abgeschafft und die Juden besitzen alle bürgerlichen Rechte. Von der Vertreibung aus Spanien lebt keine Erinnerung in ihnen, doch deuten die Namen einiger Familien auf dm spanischen Ursprung. Noch einige Notizen werde ich an einer anderen Stelle dieses Blattes geben. Amerika. Syracusa, 9. Juli. Der „Hebr. Leader“ bringt einen ausführlichen Bericht über die Einsetzung des Schlußsteines der Synagoge der Gemeinde Adas-Jeschurun in Syracusa. Die Gemeinde, welche erst seit 1871 besteht, errichtet sich ein treffliches, architektonisch schönes Gotteshaus, an welchem Rev. Dr. H. Birkenthal sungirt. Auf der Rednerbühne befanden sich unter anderm Pastor Calthrop von der Unitarier-Kirche, Pastor Mundy von der Jndependenten-Kirche, der Bürgermeister Mills, Stadträthe und andere christliche Gentlemen. Nach der Rede des Rabbiners sprach der Pastor Calthrop und schloß seine Rede mit den Worten: „Wir stehen hier mit einem tiefen Gefühle der Dankbarkeit gegen die Juden, welche die Welt lehrten, Gott zu lieben,, der der einzige Gott ist." Aehnlich sprach Pastor Mundy. Aber auch Herr Mills sagte: er erkenne an, daß die ganze Welt eine Schuld der Dankbarkeit gegen die Juden für die ersten Principien der Religion habe, und er hoffe, daß aus diesen Grundsätzm noch einst alle Glaubensgenosienschaften sich vereinigen werden. Bonn, 28. Juli. (Notizen.) Im Felegyhaza (Ungarn) stürzte am 16. d. Mts., wie man dem „N. Hirlap" schreibt, die Säulen - Fa«, ade des im Bau begriffenen israelitischen Tempels plötzlich ein und begrub den größten Theil der beim Bau beschäftigten Arbeiter unter den Trümmern. Die Anzahl der Verunglückten kann noch nicht festgestellt werden. — Die Jury der Pariser Weltausstellung hat wieder mehreren jüdischen Künstlern Preise zuerkannt; die bekannten Maler Emil Levy und I. H. Levi, beides Franzosen, und der Holländer Israels erhielten Medaillen erster Claffe. Bonn, 21. Juli. (Literarische Notizen.) Nach längerer Pause erhalten wir eine neue Lieferung des trefflichen Werkes „Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und.Midraschim vom Rabb. Prof. Dr. I. Levy (Leipzig, Brockhaus 1878). Es ist dies die neunte Lieferung und befaßt den Schluß des Buchstaben z, von ZTZ^Z an. Angehängt sind Nachträge des Prof. Dr. Fleischer zu den Buchstaben ' und z. Wir begrüßen die Fortsetzung der ausgezeichneten Arbeit, welche für das Talmudstudium so außerordentlich förderlich ist, mit Freuden, und wünschm ihr einm recht schnellen Fortgang. In der That ist es erklärlich, daß ein solches schwieriges Werk, um überall Tüchtiges zu leistm, langsamer vorschreitet, als die Abonnenten wünschen, ohne daß daraus dem Verfaffer und dem Verleger ein Vorwurf gemacht werden könnte. Mag sich der verdienstvolle Autor von hämischen Kritikern, deren Tendenz zu Tage liegt und deren Befähigung zweifelhaft ist, nicht beirren und der Freude an seiner Arbeit nicht berauben laffen. Ruft doch ein solcher z. B. jüngst aus: Seht da, der Artikel ^21Z B. batb. ff. fehlt gänzlich — während ein solcher unter pz, nämlich •’rais ausführlich Seite 345 zu lesen ist! — Biographie d1 Albert Cohn par Isidore Loeb (avec portrait) Paris, Durlacher. 1878. Den zahlreichen Freunden und Verehrern des am 15. März 1877 verst. Albert Cohn (geb. 14. September 1814 zu Preßburg) wird diese Biographie eine sehr willkommene Gabe sein. Sie ist mit ebenso vielem Fleiße wie Liebe für den Gegenstand abgefaßt, ohne in den gewöhnlichen Fehler der Biographen zu verfallen, bei der Anerkennung der Verdienste des Biographirten zu übertreiben. Was der Autor in schlichter und flüssiger Sprache berichtet, hält sich an die Wahrheit und wird mit Belegstellen erhärtet. Albert Cohn wird in der Geschichte des Judenthums unserer Zeit stets eine bedeutsame Stelle einnehmen. Er gehörte zu der Zahl von Männern, welche unsre Glaubensgenoffen aus ihrer Beschränktheit auf ihr örtliches Weichbild erweckten und ihr thätiges Jntereffe auf die Glaubensgenossen aller Länder erweiterten. Er that dies weniger durch Wort und Schrift als durch sein Beispiel, das er in Jerusalem, Algerien und Marokko gab. Freilich begünstigten ihn dabei die Mittel, welche das ihm zugethanene Haus Rothschild bot. Ebenso aber war er für die Gemeindeinftitutionen in Paris außerordentlich thätig, und half diese zu mustergültigen Anstalten erheben. Wir wiffen daher Herrn Löb auftichtig Dank, unserer Literatur diese Lebensbeschreibung Albert Cohns eingereiht zu haben. Bei der Gerechtigkeitsliebe des Herrn Löb wird er eine kleine Bemerkung, wenn sie uns auch selbst betrifft, nicht mißdeuten. Wir glauben, das Verdienst beanspruchen zu können, die Aufmerksamkeit und Anstrengungen, unserer europäischen Glaubensgenoffen für die orientalischen Juden zu werkthätigem Einschreiten zuerst geweckt zu haben, und zwar nicht erst 1854 hinsichtlich der Erziehung der israel. Jugend im Orient (p. 50 der Biographie), sondern schon 1842, als wir mit dem Plane, ein jüdisches Hospital zu Jerusalem zu errichten hervortraten (1842 Nr. 39, 41,47; 1843 Nr. 3.) in Folge deffen Sir Moses Montefiore einen Arzt, (Dr. Fränkel)