Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1878)
- Date
- 1878-08-06
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
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500 sation in allen Staaten Europas sind, und dieselben als eine i nothwendige Bedingung der Begünstigung, welches es anstrebt, j betrachte. j Fürst Gortschakotv besteht darauf, daß die bürgerlichen und politischen Rechte den Juden in Serbien nicht in! unbedingter Weise gewährt würden.! Graf Schuwalow macht aufmerksam, daß diese Bei merkungen keinen principiellen Widerspruch gegen den französischen Vorschlag enthalten: das in einigen russischen Proj vinzen sehr zahlreiche israelitische Element mußte das Object! specieller Maßnahmen sein, aber Se. Excellenz hofft, daß man! künftighin den vom Fürsten Gortschakow angedeuteten unbe-' streitbaren Schwierigkeiten werde Vorbeugen können, ohne die Religionsfteiheit zu verletzen, deren Entwicklung Rußland wünscht. Fürst Bismarck stimmt dem ftanzösischen Vorschlag mit der Erklärung bei, daß die Zustimmung Deutschlands jedem Anträge gehöre, welcher die Religionsfteiheit begünstigt. Graf Launay sagt, daß er sich im Namen Italiens beeile, dem Princip der Religionsfteiheit beizustimmen, welches eine so wichtige Grundlage der Institutionen seines Landes bildet, und daß er sich den über diesen Gegenstand abgegebenen Erklärungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens anschließt. Gras And ras sy spricht sich in gleichem Sinne aus, unbl die osmanischen Bevollmächtigten machen keine Einwendung. | Fürst Bismarck erklärt, nachdem er die Resultate der Abstimmung constatirt hat, daß der Congreß die Unabhängig- { feit Serbiens znläßt, jedoch unter der Bedingung, daß die Religionsfteiheit in dem Fürstenthum anerkannt wird. Se. { Durchlaucht fügt hinzu, daß die Redactions-Commission, in-! dem sie diese Entscheidung formulirt, den Zusammenhang con-; statiren solle, welchen der Congreß zwischen der Proclamation! der Unabhängigkeit Serbiens und der Anerkennung der Religionsfreiheit hergestellt hat. i Wir sehen hieraus, daß mit Ausnahme Rußlands sämmtlichen Mächte, die Türkei eingeschloffen, für den Grundsatz der Religionsfteiheit und der Gleichstellung einstimmig votirten, und daß zweitens der Congreß in bestimmtester Weise die Anerkennung der Unabhängigkeit von der Ausführung dieses Grundsatzes abhängig machte. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 24. Juli. „Hillel und Schamai, oder die conservative Reform und der stabile Conservatismus. Eine Friedensstimme an die Gemeinden Jsrael's und ihre Führer. Verfaßt und herausgegeben von I)r. L. Adler, Landrabbiner in Caffel. Straßburg, 1878, Schneider." Wir machen mit Vergnügen auf diese soeben erschienene Schrift des erprobten und verdienten Mannes aufmerksam. Obschon an sich eine Streitschrift gegen die stabile Orthodoxie, insonders gegen die Urheber und Ausbeuter des Austrittsgesetzes, ist sie doch wesentlich eine „Friedensstimme", welche den Gemeinden und ihren Führern die Erhaltung des Friedens als die höchste Pflicht an's Herz legt, ohne jedoch diesen Frieden als etwa eine bloße Nachgiebigkeit gegen das Verlangen der stabilen Partei, besonders wo sie in der Minorität ist, zu verstehen. Denn der Hauptzweck der Schrift besteht in dem Nachweise, daß erstens die Stabilität des Judenthums eine geschichtliche Lüge ist, denn sie setzt voraus, daß das Judenthum zu aller Zeit so war, wie es ist (oder vielmehr, wie es in den vergangenen letzten Jahrhunderten war), und deshalb auch für alle Zeiten so bleiben müffe, und zweitens, daß die Stabilität den Fortbestand des Judenthums äußerst gefährden würde, der allein durch die „conservative Reform" gesichert wird. Unter conservativer Reform versteht der Verfaffer Reform mn pr6 zur Befestigung des Gesetzes (S. 63), d. h. wiederum eine Reform, die stets die Erhaltung des Wesentlichen zum Zweck und Inhalt hat. Es wäre dies also eine Reform, die nicht negativ verfährt, also nur aufhebt und zerstört, sondern positiv ersetzt und aufbaut. Kann man sich mit dieser Desinition einverstanden erklären, so vermag sie natürlich doch nicht die Fragen im Einzelnen zu entscheiden, da es immer ein schwieriger Streitpunkt bleibt, was ist auf diesem Gebiete wesentlich oder nichts Jndeß hierauf kommt es bei dieser Gelegenheit nicht an; vielmehr war eben diese ganze Richtung als die allein erhaltende und durch die Geschichte begründete zu erweisen. Nun ist diese Ansicht durchaus nicht neu, sondern schon von den ersten Trägern der Reform und allen ihren Nachfolgern ausgesprochen. Auch ist seitdem das geschichtliche Material, besonders auch die Geschichte der Halachah so aufgehäuft und klar gestellt worden, daß es eben nur der Verblendung der Führer der stabilen Partei und der Unwissenheit ihrer Anhänger zuzuschreiben ist, wenn sie immer noch ihre widersinnigen Behauptungen vom Gegentheil aufrecht erhalten. Die vorliegende Schrift hat aber das Verdienst, jene Wahrheiten ausführlich und mit großer Klarheit darzulegen, so daß wir nur wünschen können, dieselbe von recht Vielen auf beiden Seiten gelesen und beherzigt zu sehen. Von . dem Verfaffer können wir nachdrücklich sagen, daß Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit die Grundzüge seines Charakters ausj machen, daß er nur ausspricht, was nach reiflicher Prüfung! seine volle Ueberzeugung geworden. Mögen daher immerhin j die Gegner, wie sie es bis jetzt gethan, mit Schimpfteden,! Verleumdungen, Persönlichkeiten und all dergleichen Schutz- I Waffen der Schwäche und des Eigennutzes auf diese Schrift! antworten: sie werden sie als ein Zeugniß der Wahrheit und! der Gesinnungstüchtigkeit nicht aus dem Wege räumen! Der