Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1878)
- Date
- 1878-07-30
- Page
- Seite 493 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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493 zu den Pöbelexessen gegeben haben, die vorzugsweise von der j diese Maßnahme mit den Bajonetten auszuerlegen; sie weisen in die Stadt geströmten und nach ihrer Weise bewaffneten ländlichen Bevölkerung verübt worden sind, wenn auch einzelne Stadtbewohner die fanatischen Haufen nach den Judenhäusern und der Synagoge leiteten. Muß doch selbst der klerikale „Kurper Poznanski", der Anfangs Gift und Galle gegen die Kalifcher Juden speite, jetzt eingestehen, daß die Katholiken am Sonntag nirgends von den Juden angegriffen wurden, daß letztere weder das Allerheiligste Sakrament, noch die Kirche oder einen Altar verunehrten, daß sie auf den Gaffen gar nicht gesehen wurden und sich vielmehr, den nahenden Sturm ahnend, auf den Dachböden, in den Kellern, Kaminen, und anderen Baulichkeiten versteckten. Es ist also klar, daß die Aufregung der Bauern von einer bestimmten Seite aus hervorgerufen sein mußte, und zwar schon seit Wochen. Daß die Erewstangen hierzu die an sich harmlose Gelegenheit gegeben hatten, ist richtig. Doch waren diese bereits umgehauen. Die Urheber benutzten sie aber, um dem Volke zu insinuiren, daß die Juden sich rächen wollten. Dies ist der dunkle Punkt, der jedoch kaum aufgehellt werden wird, so daß die eigentlichen Urheber ihrer Strafe entgehen werden. Der andere dunkle Punkt aber besteht darin, daß, wenn diese Gerüchte schon vorher verbreitet waren, von Seilen der Behörden genügende Vorbeugungsmaßregeln versäumt wurden. Rumänien. Bukarest, 8. Juli. (Privatmitth.) Im Augenblicke wird Wohl nichts mehr interessiren, als auf welche Weise die Rumänen den Congreßbeschluß über die Gleichstellung der Juden aufnehmen. Würde der Congreß das Verlangen der Rumänen, Beffarabien zu behalten, erfüllt haben, so würden sie sich vielleicht als Entgeld die Emanzipation der Juden haben gefallen lassen. Je erbitterter sie aber über den Verlust dieser Provinz mit Ingrimm jede Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zurück. Sie thun noch mehr. Sie bedrohen die Juden mit der blutigsten Verfolgung, mit der äußersten Bedrückung. Zunächst bemühte man sich, von Seiten der Juden eine Adresse zu Stande zu bringen, in welcher diese erklären sollten, daß sie auf den Congreßbeschluß verzichten, daß sie Niemanden beauftragt hätten, bei dem Congreß um einen solchen Beschluß nachzusuchen, daß sie die Verbesserung ihres Looses lediglich von den Rumänen selbst erwarten. Die Juden widerstanden diesem Verlangen aufs Nachdrücklichste und wollten lieber allen Gefahren sich aussetzen, als eine solche Akte zu unterzeichnen. Dies ist die gegenwärtige Stimmung im Lande, und wir sehen mit Bangigkeit der Zukunft entgegen. Bonn, 2l. Juli. (Notizen.) Wir theilten seiner Zeit (1X77 S. 193) den Tod des als Lehrer und Seelsorger an der Strafanstalt hochverdienten Rectors Marcus Cohn am II. Juli v. I. zu Rawicz mit. Es bildete sich dort ein Comitö zur Errichtung eines würdigen Grabdenkmals, und wurde dieses am Sterbetage des Verblichenen feierlich enthüllt. In Anwesenheit der städtischen Behörden, Vertreter der k. Strafanstalt, der Lehrer und zahlreichen Gönner und Freunde, fand die Gedächtnißfeier statt, bei welchem der Rabb. Di-. Cores und der Kreisschul-Jnspector Wenzel tief ergreifende Reden hielten, in welchen sie die rühmliche Thätigkeit des Verstorbenen hervorhoben. Das Grabmal besteht in einer marmornen Säule mit einer die Verdienste des Verstorbenen rühmenden Inschrift. — Man erinnert sich des großen Unglückes, welches durch eine Explosion in der rue Beranger zu Paris vor einiger Zeit geschehen, und welche Aufopferungen gemacht wurden, um aus den Trümmern zu retten, was noch möglich war. Die französische Verwaltung hat jetzt an diejenigen, j welche sich am meisten dabei ausgezeichnet, Belohnungen voran ihren Alliirten sind, desto heftiger treten sie nun auch gegen! theilt. Darunter befanden sich drei Israeliten: Louis Munk, die Juden aus. Dienten diese so schon von jeher zu Prügel-i Friedensrichter des 3. Bezirkes, der Sohn des berühmten knaben, so fällt ihnen dieses herbe Loos jetzt hier in ver- Salomon Munk, erhielt eine silberne Medaille erster Classe; doppeltem Maße zu. Alle rumänischen Blätter erklären sich j zweiter Classe erhielten Emile Jacob, Bediensteter am Friegegen diese Maßregel und rufen zum äußersten Widerstande j densgericht des 11. Bezirkes, und Eugene Mayer Salomon, auf; sie fordern mit Hohn die europäischen Mächte auf, ihnen j Commis in einem Manufakturgeschäft. Feuilleton. Eorrelpondenz. Thema: „Welche Mittel stehen dem jüdischen Lehrer und Cultusbeamten zu Gebote, um dem Voruriheile gegen Juden Conferenz des israel. L-hr-rv-r-ins für Westfalen J^thum wirksam entgegen za arbeiten-" - Der V°r- und Rheinland. lrag wurde mit Beifall angehört. (Fortsetzung.) Das Referat des Herrn Jacobsohn, der vom Gemeinde- Der 2. Punkt der Tagesordnung betraf ein von dem bunde deputirt war, das als 3. Punkt auf der Tagesordnung Mitunterzeichncten Kronenberg übernommenes Referat über das stand, war durchaus vortrefflich. Herr Jacobsohn sprach in