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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-30 · Heft 31 (30.7.1878) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 31 (30.7.1878)
Date
1878-07-30
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
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492 Einflüsse auf unsere politische und nationale Entwickelung sein sollte. Wo find denn Kant, Fichte und Hegel, von Luther nicht zu reden, daß wir uns ein so jämmerliches Armuthszeugniß ausstellen sollten." So weit Herr Bossart. Es kann uns natürlich nicht in den Sinn kommen, uns hier auf eine eingehende Widerlegung jener hohlen Phrasen und verrotteten Ansichten einzulafsen, und zwar um so weniger, als wir bereits früher zur Zeit, als Herr Dr. Bossart noch hier den hannoverschen „Courier" gerade nicht zum Vortheile dieses Blattes redigirte und mit ähnlichen judenfeindlichen Aeußerungen hervortrat, Veranlassung nahmen, ihm in einem anderen hiesigen Blatte energisch entgegenzutreten. Durch seine wiederholten inhumanen Auslassungen hat Herr Bossart höchstens bekundet, daß er zu den Leuten gehört, die nichts lernen und nichts vergesien und daß seine politische Begabung mit seiner Humanität auf gleicher Stufe steht. Nur in der Dreistigkeit, mit der er die Bestrebungen Lasker's zu bemäkeln und auf den von Lessing und anderen hervorragenden Zeitgenoffen so hochgepriesenen sittlichen Standpunkt eines Moses Mendelssohn vornehm herabzublicken sich herausnimmt, hat er es, wie wir gern bekennen, außerordentlich weit gebracht. Zu wissen, daß Moses Mendelssohn nicht blos einer humanisirenden Anschauung huldigte, sondern in seinem von Kant bewunderten Jerusalem" auch die Emancipation des Gewiffens und des Gedankens forderte und daß ihm der Theologe Herder in Beziehung auf dieses Werk schrieb, er setze darin den Staat so vollkommen, als er sein sollte, ist von Herrn Bossart natürlich zu viel verlangt. Im klebrigen trösten wir uns mit der von einem jeden Vorurtheilslosen sicher getheilten Ueberzeugung, daß die Mäkeleien eines Dr. Bossart dem Ansehen eines Lasker niemals Abbruch zu thun im Stande sein werden. Oesterreich-Ungarn. Krakau, 16. Juli. Von hier wird der N. Fr. Pr. geschrieben: „Während die Polen für ihre nationalen Leiden in Russisch-Polen die Theilnahme der am Congresse betheiligten Regierungen zu gewinnen sich bestreben, fahren die galizischen Ultramontanen fort, die traurigsten Beweise von Intoleranz zu geben. Anlaß hierzu boten ihnen die Vorfälle in Kalisch. Obgleich Jedermann überzeugt ist, daß es keineswegs die Juden waren, welche die Kalischer Revolte hervorgerufen haben, unterlassen es unsere Katholischen gleichwohl nicht, auch daraus Kapital für ihre clericalen Zwecke zu schlagen und das Volk gegen die galizischen Juden aufzureizen. So hat ein Geistlicher öffentlich in einer Anrede an das im großen Saale des Schützengartens versammelte Landvolk Anspielungen auf dir Kalischer Vorfälle gemacht und die bäuerlichen Zuhörer vor dem Verkehre mit Juden gewarnt. Auch ein anderer Krakauer Geistlicher donnerte mit Hinweisung auf die Kalischer Ereignisse von der Kanzel gegen die Juden. Dies hat hier eine sehr erregte Stimmung hervorgerufen. Daß aber auch der Czas in Verkennung der gegenwärtigen Lage der Polen die Kalischer Revolte dazu benützt, fast täglich judenfeindliche Ausfälle zu machen, hat selbst in hiesigen nationalen Kreisen den unerfreulichsten Eindruck hervorgerufen. Dagegen wird es allgemein dem Dr. I. Warschauer zum Verdienste angerechnet, daß er in einem im Czas gestern veröffentlichten Artikel dem Vorurtheile und der den Frieden in der Landesbevölkerung störenden Intoleranz der polnischen Ultramontanen hart zu Leibe ging und mit Recht hervorhob, daß es Pflicht der katholischen Intelligenz in Polen sei, auf die ungebildete Volksmaffe zeitgemäß aufklärend und erleuchtend zu wirken." (Es ist bemerkenswert, daß die ultramontanen Blätter bei jeder Gelegenheit, selbst wenn sie diese vom Zaume brechen sollen, auf Alle, die nicht mit ihnen gehen, besonders aber auf die Juden die maßlosesten Angriffe schleudern, hingegen sobald sie der Gegenstand eines Angriffes oder einer energischen Abwehr sind, ein Zetergeschrei über Unrecht, Gewalt, Rohheit u. s. w. erheben. Aus den, im obigen Artikel geschilderten Verfahren katholischer Geistlichen fällt übrigens ein Helles Streiflicht auf die Kalischer Excesse und deren intellectuelle Urheber. Red a kt.) Großbritannien. London, 17. Juli. Lord Salisbury sagt in der Depesche, mit welcher er eine Abschrift des Berliner Vertrages an die Vertreter Englands an den verschiedenen Höfen begleitete, gleich im Anfang: „Bestimmungen, mit dem Zwecke, vollständige Gleichheit sämmtlicher Religionen vor dem Gesetze zu sichern, sind auf allen Gebieten, auf welche der Vertrag sich erstreckt, in Anwendung gebracht." Doch frägt man auch hier, wo liegen die Bürgschaften, daß die verwilderten Völkerschaften in diesen kleinen Staaten diese „Bestimmungen" der Religionsfreiheit achten und ausführen? — Bei der Ankunft Lord Beaconsfield's heute Nachmittag auf dem Perron der Eisenbahn von Dover wurde dieser auf eine Weise empfangen, wie dies kaum jemals einem Minister geschehen ist. Unter der Schaar der auserlesenen Freunde, welche ihn auf dem auf's reichste ausgeschmückten Perron empfangen durften, befand sich auch der hoch in den Neunzigern stehende Sir MosesMontefiore, welcher den dringenden Wunsch geäußett hatte, vor seinem Lebensende noch einmal den Premier sehen und sprechen zu dürfen. Rußland. Kalisch, 10 Juli. Wir wollen hier nur constatiren, daß jetzt alle Organe der Oessentlichkeit — einige deutsche ultramontane Schmutzblätter ausgenommen — darin übereinstimmen, daß die hiesigen Juden auch nicht die geringste Veranlassung

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