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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-30 · Heft 31 (30.7.1878) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 31 (30.7.1878)
Date
1878-07-30
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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490 Zu bekämpfen, ist allerdings keine leichte Sache, doch liegt sie im Bereich der Möglichkeit, wie uns sowohl Rabbiner des Auslandes als des Inlandes, welche ihre hohe Aufgabe zu würdigen und lösen wußten, als Beweise dienen können. Als Ausländer führe ich hier an den seligen Di-. Neumann, welcher in Riga und darauf in St. Petersburg fungirte, und Herrn Di-. Schwobacher in Odesia, und als Inländer und zwar Zöglinge der Rabbinerschule zu Wilna, Herrn Minor, der zuerst in Minsk und jetzt in Moskau segensreich wirkt und schafft, und ganz besonderer Erwähnung verdient Herr Pucher in Mitau, ein Studiengenosse des Ersteren. Es grenzt gerade an's Unglaubliche, mit welchem erbitterten Haß und fanatischem Vorurtheil die Obscuranten Mitaus, die, da sie meist völlig unwiffend sind, auch in Dingen der Religion, und so viel schlimmer sind, als ihre Gefinnungsgenoffen in Polen und Litthauen, Herrn Pucher lange Zeit verfolgt haben. Nur Dank seinem tvarmen Eifer und seiner rastlosen Thätigkeit zum Besten seiner Gemeinde, ist es ihm gelungen, Achtung und Vertrauen selbst bei seinen einstmaligen Gegnern sich zu verschaffen. Nebenbei bemerkt, ist Herr Pucher auch Derjenige, welcher kraft seiner gediegenen Feder und seines vollen Muthes die judenfeindlichen Organe der Ostseeprovinzen und Renegaten wie Gurland und Eonsorten zum Schweigen gebracht hat. Aus dem Bishergesagten geht nun znr Evidenz hervor, daß unsere Rabbiner, die neuen wie die alten, nichts zur Lösung der Zudensrage beitragen können. Die alten Rabbiner, weil sie aus dem Sterbebett in den letzten Zügen sich befinden, die neuen, weil sie todtgeboren zur Welt gekommen sind. Hier begnüge ich mich, offen und unparteiisch das Wesen unserer Rabbinerfrage dargelegt zu haben, und behalte es mir für die Zukunft vor, es zu versuchen, Mittel und Wege zu zeigen, wie diese Frage gelöst werden könne. F. G. ^loeltiuK^ 6 U/Ccc&U/C&fceu/. Deutschland. Berlin, 11. Juli. (Privamitth.) Bei den Judenfeinden braucht man in der Regel nur eine gewiffe Zeit zu warten, und sie werden sich in ihrem wahren Wesen schon von selbst entpuppen. Dies sehen wir jetzt an dem aus der „Verleumder- Aera" bekannten Pamphletisten Otto G lag au, der jetzt unter den Schutz der „Germania" getreten ist und in dieser seine, in der Lüge bis ans Lächerliche reichenden Schmähartikel veröffentlicht. Seine Identität mit der reichsseindlichen und reaktionärsten Partei ist also hinlänglich gekennzeichnet. Dieser Glagau, wie die „Tribüne" bemerkt, hat selbst zu den Actionären des Lindenbau- Vereins gehört und für seinen Verlust bei diesem Schwindelunternehmen Rache geschworen, die er nun, weil er eben nicht anders kann, an den Juden übt. Er hat sich jetzt in einem neuen Pamphlet zu der ungeheuerlichen Lüge ausgeschwungen: Der Mörder Nobiling sei jüdischen Ursprungs, und habe vorzugsweise mit Juden verkehrt! Die entgegengesetzten Thatsachen sind zu bekannt, um nur ein Wort darüber zu verlieren. Dies wird aber die ganze Sorte ultramontaner und ähnlicher Blätter nicht abhalten, die freche Lüge zu wiederholen. Diesen Verfechtern der „Wahrheit" ist jede Lüge willkommen, von der sie sich einem augenblicklichen Eindruck auf die leichtgläubigen Gemüther versprechen. — Endlich scheinen sich die jüdischen Mitglieder des Wagnervereines in Folge der blödsinnigen Hetzereien in den „Bavreuther Blättern" doch noch auszuraffen. Das „Berl." Fr Bl." und die „D. Ri. Zig." bringen folgenden Artikel: „Eine Anzahl Mitglieder des hiesigen Wagner-Vereins beabsichtigt, den Antrag zu stellen. die vom Vereine bisher den „Bayreuther Blättern" gewährte Unterstützung zu entziehen. Anlaß zu diesem Vorgehen gaben die von Richard Wagner verfaßten Artikel „Was ist deutsch?" und ein offner Brief des ehemaligen Handelskammer- Sekretärs Konstantin Franz. Die Berliner Mitglieder des Wagner-Vereins wollen es nicht ruhig hinnehmen, daß das Organ, welches bestimmt ist, Zwecken der Tonkunst und specieller der Verallgemeinerung des Verständniffes für Wagner's Schöpfungen zu dienen, zum Tummelplatz für politische Tendenzmacherei und konfessionelle Hetzereien herabsinke. In Folge der genannten polemischen Artikel sind auch beim hiesigen Wagner-Verein mehrfache Austrittserklärungen angemeldet worden. Es ist dies wirklich an der Zeit, um die Schmach äußerster Charakterlosigkeit von diesen jüdischen Wagnerianern abzustreisen! Hannover, 16. Juli. (Privatmitth.) Nach einer Entscheidung des Ministers des Inneren unterliegen in unserer Provinz die Vorsteher der jüdischen Synagogen-Gemeinden mit Einschluß der besonderen jüdischen Schulvorsteher dem Gesetze vom 21. Juli 1852, betreffend die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten. Dieses Gesetz findet nämlich unter den darin ausdrücklich gemachten Beschränkungen aus alle in unmittelbarem oder mittelbarem Staatsdienste stehenden Beamten Anwendung, die nicht unter die Bestimmungen des die Richter betreffenden Gesetzes vom 7. Mai 1851 fallen. Nun folgert der Minister aus den Bestimmungen der Hannoverschen Judengesetzgebnng, daß die jüdischen Synagogen- und Schulvorsteher ’ in der Provinz Hannover zu der gedachten Kategorie gehören. Nach §. 20 des Hannoverschen Gesetzes vom 30. Sept. 1842 . über die Rechtsverhältnisse der Juden, den §§. 24 und 32 der

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