Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1878)
- Date
- 1878-07-30
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
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485 Mitbürger, über den Staat, dem man angehört, Klage führen1 Pflichten zu erfüllen haben, noch nicht folgen, daß sic keine zu müssen, ist in allen Fällen eine trübselige und führt selten > Rabbiner sein können, wenn sie nur sonst im Besitz derjenigen zu einem Ziele. Diese Befürchtungen müssen uns um so mehr j Eigenschaften und Bedingungen gewesen wären, welche den zur Wachsamkeit anfeuern, dürfen uns jedoch unsere Freude an! Rabbiner zum Rabbiner fähig machen. Letzteres ist aber nicht der hochwichtigen Thatsache, welche die Beschlüffe des Berliner Congresses geschaffen haben, nicht vermindern. Dieser Congreß bleibt jedenfalls ein weltgeschichtliches Ereigniß, das auch dem Bestände unserer Glaubensgenoffenschaft im Orient ein neues loyales Fundament geschaffen hat. der Fall, wie ich nachzuweisen bald Gelegenheit haben werde. Der Lebensnew des Geistlichen ist die Achtung und das Vertrauen seiner Glaubensgenoffenschaft zu und vor ihm als solchem: so lange er dieser Achtung und dieses Vertrauens sich erfreut, ist er mächtig und viel vermögend, denn er hat den Schlüffel und den freien Zugang zu den Herzen und Seelen seiner Glaubensgenoffen. Kaum aber ist sein Ansehen und Petersburger örieft. seine Würde als Geistlicher untergraben, und seine Macht ist m für immerdar gebrochen und seine geistliche Thätigkeit siecht unrettbar dahin. Nun haben unsere neuen Rabbiner von vorn- Petersburg, im Juli herein es nicht verstanden, sich Achtung und Vertrauen zu ver- Endlich wird es mir vergönnt, meinem schon lange Ihnen : schaffen, und an dem hohen Ansehen unserer alten Rabbiner hat gegebenen Versprechen nachzukommen und Einiges über den die rücksichtslos fortschreitende Zeit, die zunehmende Bildung Charakter und die Stellung unserer Rabbiner mitzutheilen. Unserer hiesigen Glaubensbrüder, das moderne Leben und die Meinen letzten Brief habe ich mit den Worten geschlossen: j neuen Verhältniffe, in welche wir nolens volens hineingerathen „Wie verhalten sich unsere Rabbiner zu unserer innern Juden- > sind, mächtig gerüttelt und es in seinen tiefsten Tiefen erschüttert. fraget Thun sie etwas, oder sind sie überhaupt im Stande etwas zur Lösung dieser Frage beizutragend" Rabbiner, wie sie sein sollen — ist meine Antwort — könnten sehr Vieles, unsere Rabbiner aber können "Nichts. Ja sogar, sie sind diejenigen, welche jene Frage immer mehr verwickeln und deren Lösung erschweren, insofern als der Mangel an einer würdigen, zweckentsprechenden Geistlichkeit von unabsehbarem Nachtheil, sowohl Es ist bei uns so weit mit dem Rabbinat gekommen, daß in hiesigen gebildeten jüdischen Kreisen die Meinung Platz greifen konnte, cs wäre rathsam, das ganze Rabbinat als einen unnützen Ballast über Bord zu werfen, indem man sich um daffelbe nicht mehr kümmere und es ruhig seinem allmäligen Ende entgegengehen laffe. Motivirt wird diese Ansicht folgendermaßen. Das Judcnthum habe, seit der Zerstörung des zweiten Tempels, mit dem für das sittliche Gedeihen, als für das materielle Wohl einer Untergange des Priester- und Levitenthums keine Geistlichkeit Religionsgenoffenschaft ist. Ein solcher Mangel tritt nun bei! gehabt. Der Rabbiner sei nie Stellvertreter Gottes auf Erden uns immer mehr an den Tag. Denn unsere alten Rabbiner gewesen, noch habe er den Vermittler zwischen Menschen und sind veraltet und unsere neuen sind keine Rabbiner. Sie sind < Gott gespielt. Es gebe keine Amtshandlung, welche ein ausvielmehr Regierungsbeamte, denen von S taatswegen bie (Recht des Rabbiners oder dessen ausschließliche Pflicht obliegt, Matrikel zu führen und darauf zu sehen, daß Pflicht bilde. Der Rabbiner habe immer Handel und Geihre Gemeindemitglieder den Gesetzen Gehorsam leisten, daß j werbe treiben dürfen, wie jeder Andere, und kein Privilegium keine zu frühen Ehen geschlossen werde, und Vieles dergleichen, für sich beanspruchen können. Er wäre theils ofsicieller Verwas mit dem eigentlichen Wesen des Rabbinats nichts gemein! ireter seiner Gemeinde und deren Richter zur Zeit, als die hat. Allerdings würde daraus, daß unsere neuen oder sog. j Juden noch einen Staat im Staate bildeten, gewesen, theils Kronrabbiner gewiffe außerhalb des Rabbiner-Ressorts stehende > wäre er mit der Beantwortung n2Ti2,i -snvn TDK rvbtfff ~ 7~~ ,r .. ... _ . , - r. , . . I betraut. Nun habe sich das Rabbinat überlebt. Die Juden «ner ivlchen Convocatron zu diesem Zwecke laue sich heute noch gar . . nicht voraussehen, obschon es Thatsache sei, daß höchst hervorragende bilden nicht mehr einen L>taat lm Staate, der Rabbiner dürfe Elemente der conservativen Partei für die volle Gleichberechtigung der rumänischen Juden einstehen wollen, wobei sie sich durchaus nicht verhehlen, daß sie nicht nur im ganzen 2ande die unpopulärsten Persönlichkeiten werden, sondern auch bei einem nicht geringen Theile ihrer eigenen Parteigenossen aus Widerstand stoßen würden. — Man sieht hieraus, daß von reaktionärer Seite die Religionsfreiheit, welche vom Congreß als Bedingung für die Anerkennung der Unabhängigkeit aufgestellt worden, schon für keine wirkliche Bedingung erklärt wird '. Dies wäre ein böses Dinen für die Ausführung der Congreßbeschlüffe! Im Uebrigen schwebt die N. A. Z. im Dunkel; denn die konservative Partei in Rumänien benutzt gerade diese Bedingung des Congresses, um gegen das gegenwärtige Ministerium zu agitiren. 1> S. 1877. S. 382. 539. Da in Kürze die k. Regierung eine nicht inehr richten. Für die Gemeinde-Vertretung gäbe es einen von der Gemeinde gewählten und von der Regierung bestätigten Vorstand. Jene r'h&Z* kämen aus der Mode. Also wozu dies Rabbinat, wozu uns eine Hierarchie heran erziehen, die das Judenthum nie beseffen habe. Bevor ich zur weiteren Charakterisirung unserer Rabbinerstage schreite, möchte ich bei der eben angeführten Ansicht verweilen. Denn wenn an dieser Ansicht etwas Wahres ist, wenn „ ... . , . , ,! wir Juden in der That nie eine Geistlichkeit gehabt haben, Rabkunerversammlung zuiannnentreten lasten wird, w empfeblen wlr > v 1 . . . . , diesen Brief der Aufmerksamkeit. Redaktion. '! so ist ja unsere ganze Rabbinerfragc von selbst beserttgt, und