Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1878)
- Date
- 1878-07-23
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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__ 4i Weiteres den Pariser Vertrag zerriß und sein Vasallenthum gegen die Türkei in einen Krieg gegen dieselbe umwandelte, wird nicht anstehen, einen Beschluß des Congrefses bei den Acten liegen zu lassen, ohne ihm eine Folge zu geben. So denkt man sich hier den nächsten Verlauf der Dinge. Natürlich verliert deshalb der Congreßbeschluß für uns seine hohe Bedeutung nicht. Denn jedenfalls gewährt er uns ein festes Piedeftal, von welchem aus wir die Verwirklichung unserer Gleichberechtigung verlangen können, und nicht aufhören werden, sie zu verlangen, bis wir sie erreicht haben. Nur dürfen wir uns nicht einbilden, daß dies leicht sei und schnell geschehen wird. Bonn 14. Juli. (Notizen) Man schreibt aus Wien: Herr Wilhelm Frankl hat schon vor längerer Zeit eine Wiederwahl in den Vorstand der Cultusgemeinde anzunehmen sich außer Stand erklärt und diesen seinen Entschluß trotz dringender Gesuche sestgehalten. Vorigen Sonntags erschienen nun die Beamten der Cultusgemeinde unter Führung des Predigers Di-. Jellinek in der Wohnung des Herrn Frankl, Herr Prediger Jellinek hob die Verdienste, welche Herr Frankl sich durch nahezu ein Vierteljahrhundert erworben hat, hervor. Hierauf verlas der kaiserliche Rath Herr Dr. Wölsler, Verwalter des Rothschild-Spitals, die prachtvoll ausgeftattete, an Herrn Frankl gerichtete Adresie, in welcher sein Wirken und seine Verdienste um das Unterrichtswesen, die Armen- und Waisenversorgung, sein jederzeit uneigennütziges Wirken hervorgehoben wird. Herr Frankl dankte und sprach sich dahin aus, daß ihm die Anerkennung ein werthvoller Beweis dafür fei, daß er nicht umsonst gearbeitet. — In Heilbronn wurde jüngst ein Schustergeselle Könitzer aus Berlin zu strenger Strafe gezogen, weil er ein falsches Dokument schmiedete und ein österreichisches Amtssiegel darunter setzte, welches Dokument nun den Angeklagten als einen Jakob Abraham aus Neustadt in Böhmen bezeugte. Mit diesem wandte er sich an die israelitischen Unterstützungsvereine, bei denen er sich für einen Juden ausgab, quittirte auch in einigen Fällen mit dem Namen Abraham und erhielt zum Theil beträchtliche Gaben, z. B. ein Mal 8 Mark. Außer dieser Fäls chung hatte er noch vier andere verübt und erhielt dafür fünf Jahre Zuchthaus. — Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde zu Bonn wählten mit (5 gegen o Stimmen den I)r. Schreiber aus Elbing zum Prediger auf drei Jahre. — Bonn, 14. Juli. (Nekrolog.) In Teplitz ist Plötzlich der Kreisrabbiner David Pick durch den Tod dahingerafft worden. Indem wir uns Vorbehalten, eine biographische Skizze über den verdienten Mann zu bringen, theilen wir aus der „Bohemia" folgendes über das Leichenbegängniß mit, welches am 8. Juli unter außerordentlicher Betheiligung stattfand. Es war diese Trauerkundgebung nicht blos ein beredter Beweis für die pietätvolle Liebe, welche die Gemeinde ihrem Rab- 6 _ feiner widmete und für die hohe Verehrung, die ihm in allen Kreisen unserer Bevölkerung gezollt wurde, sondern sie ließ zugleich die confessionellen Verhältnisie unserer Stadt im schönsten Lichte der Eintracht und gegenseitiger Theilnahme erscheinen. Die israelitische Gemeinde ordnete auf ihre eigene Kosten die Arrangements des Leichenbegängnisies an und sie ehrte sich nur )st damit, indem sie ihren Heimgegangenen Seelenhirten in würdevoller Weise zur ewigen Ruhe bettete. Um 4 Uhr war der Beginn der Leichenfeier. Schon eine geraume Weile vorher wurden in allen Straßen, die der Zug zu passiren hatte, die Gasflammen der Laternen angezündet. In den Gasten des Tempelrayons wurden alle Geschäfte geschlosten; auch in den übrigen Straßen, durch die sich der Conduct bewegte, wurden die Verkaufsgeivölbe der israelitischen Geschäftsleute gesperrt. Vom Magistratsgebäude herab wehte eine Trauerflagge. Die Zahl der Trauergäste füllte so ziemlich den ganzen, weiten Schloßplatz, wo das Trauerhaus sich besindet. Se. Durch!. Fürst Clary, am Erscheinen verhindert, beorderte Herrn Tomänenrath von Callenberg mit seiner Vertretung. Herr Graf Carlos Clary war persönlich erschienen, ferner der Hr. Dechant, nebst anderen Vertretern der katholischen Geistlichkeit, der Herr Superintendent der evangelischen Gemeinde, der k. k. Bezirkshauptmann Hr. Regierungsrath Merbeller, Hr. Landesgerichtsrath Haberditz in Begleitung noch mehrer Beamten des hiesigen Bezirksgerichtes, die obersten Beamten der k. k. Postverwaltung, des Zollamtes :c., die Herren Bürgermeister von Teplitz und Schönau in Begleitung mehrer Stadt-, resp. Gemeinderäthe, die Mitglieder des Aerztecollegiums, die Direction und der Lehrkörper der hiesigen Volks- und Bürgerschule so wie des Realgymnasiums, die Vorstände und Deputationen sämmtlicher Vereine, darunter insbesondere stark vertreten die freiwillige Feuerwehr und der Militärveteranenverein; aus Prag, Karlsbad, Saaz, Brüx, Soborten :c. waren die Amtscollegen des Verstorbenen im Ornate erschienen, sämmtliche Cultusgemeinden des ehemaligen Leitmeritzer Kreisrabbinates hatten Deputationen entsendet. Der Tempelchor, geleitet von dem Obercantor, recitirte während des ganzen Zuges Trauergesänge. Vor den Eingangspforten der Synagoge war eine schwarz drapirte Estrade errichtet, dort wurde Halt gemacht, und Hr. Rabbiner Dr. Maybaum aus Saaz hielt eine Gedächtnißrede auf den Verstorbenen, die im warmen Herzenstone die vielen Verdienste desselben, die Vorzüge seines Geistes und die edlen Anlagen seines Characters beleuchtete, und eben so herzlichcollegial waren die Worte, welche die Herren Rabbiner Dr. Plaut (Karlsbad), Dr. Bloch (Brüx) und Dr. Stein (Prag) am Grabe selbst ihrem Amtscollegen widmeten. Mit einem Trauergottesdienst in der Synagoge erreichte die Leichenfeier, die insgesammt über drei Stunden in Anspruch genommen hatte, ihr Ende. Erwähnt sei hier noch, daß Hr. Erzbischof Haynald von Kalocsa, ein langjähriger und hochgeschätzter Gast unseres Curortes, der vor zwei Tagen in Be-