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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-23 · Heft 30 (23.7.1878) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 30 (23.7.1878)
Date
1878-07-23
Page
Seite 477 (sequence 13)
Language
German
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477 gleitung seines Secretärs hier eingetroffen, gestern der Familie des Verstorbenen ein Condolenzschreiben übersandte, er war während seines früheren Aufenthaltes in Teplitz öfters in freundlichen Verkehr zu dem Kreisrabbiner Pick getreten. Bonn, 1 1. Juli. (Literarische Notizen., Wir empfingen schon vor längerer Zeit folgende zwei Schriften:,, Yolgarizzaniento del libro di Job con spiegazione e commenti per Beniamino Consolo. Firenze, Fellini 1871.“ .,1 Ireni o le lamentazioni di Geremia volgamzamento dal teste originale per Beniamino Con solo. Firenze, Carnesecclii e tigli 1875." Die beiden Schriften waren uns um so willkommener, fe weniger in Italien die biblischen Studien blühen, je mehr Begeisterung und Opfer deshalb erforderlich find, um daselbst eine biblische Leistung zur Veröffentlichung zu bringen, und je tüchtiger die Arbeiten des Herrn Eonsolo find. Nach einer Einleitung wird uns hier eine klare, verständliche und prägnante Ueberfetzung des Buches Hiob und der Klagelieder Ieremiä mit erläuternden Anmerkungen geboten. In der Uebersetzung, tüte in den Anmerkungen stützt sich der Verfasser vorzugsweise auf die älteren jüdischen Eommentatoren. Die Einleitung zum Hiob giebt uns in schwungreicher Sprache ein Bild deS Inhalts und der Personen und versucht die hauptsächlichsten Ideen des Buches darzulegcn. Allerdings muffen wir hierbei bedauern, daß der Verfasser keine Kcnntniß der deutschen Literatur besitzt, und daher die bedeutenden Arbeiten der deutschen Forschung und Kritik, die für das Verständnis des Buches Hiob so unentbehrlich geworden, nicht benutzt. Man setzt sich in Italien und Frankreich über diesen sehr fühlbaren Mangel hinweg, indem man sich ein wegwerfendes Urtbeil über die deutsche Richtung erlaubt, das eben auch nur aus Unkenntuiß entspringt. So verläßt sich der Verfasser aus einen Ausspruch des Prof. A. Frank in Paris, der, bei aller Achtung, die wir ihm zollen, sei es gesagt, sich doch nur ein willkürliches Bild von der deutschen Bibelsorschung, wie überhaupt von der deutschen Philologie geschaffen hat, da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Er sagt (Philosophie et Heligion, pag. 208): „Die deutsche Philologie ist wesentlich fatalistisch und demokratisch. In der heiligen, tvie in der profanen Literatur war es stets eine Phantasie von ihr, die großen Namen zu entthronen, um eine anonyme Menge an ihre Stelle zu setzen. Sie hat niemals Ruhe, bis sie die ruhnrvollsten Werke deS menschlichen Geistes, welche von undenklicher Zeit her durch die einmüthige Verehrung der civilisirten Nationen geheiligt sind, in Stücke geschlagen hat, um die Trümmer einer unbekannten Maffe zuzuwerfen, wie man aus einem öffentlichen Platze die kleine Münze eines Geldstückes vertheilr." Man braucht diese Worte nur anzusühren, um sie lediglich als eine Phantasie des französifchert Autors zu erkennen. Wir sind gewiß keine Freunde jener Hypothesensucht, welche sich auch in der Bibelkritik so oft bis zum Uebermaß spreizt. Aber die ganze deutsche Philologie über diesen Leisten zu schlagen, dazu gehört der Muth, der aus der Unwissenheit ersließt. Die Hypothesen verschwinden bald wieder von der Bildslächc, und die gründliche, sprachliche, ästhetische und historische Untersuchung führt zu wahrer Erkenntniß des Textes. Daß die sonst wackersten Gelehrten sich noch immer aus die Vulgata stützen und sich dieser als Text bedienen, kommt freilich nur noch in Frankreich vor. Wir hatten dies erst vor kurzer Zeit an Du MeSnil-Marigny und selbst Renan zu bedauern. Abgesehen hiervon kann der Arbeiten deS Herrn Consolo mit Anerkennung gedacht werden. Die obige Rüge trifft folgendes Werk durchaus nicht: The Jewish Messiah. A eritical History ot' the Messianic Idea ainongthe Jews from therise ot' the Maccabeesto the einsing ot' the Talmud. By James Drummond, B. A. Professor ot’ Theologv. London, Longinans, Green, and Co. 1877. Vielmehr benutzt der gelehrte und unparteiische Verfasser die deutsche Literatur in ausgiebiger Weife, und wenn er auch dem englischen Publikum Manches zu sagen hat, was bei dem wiffenschaftlichen Deutschen als bekannt vorauszusetzcn wäre, so steht doch der Verfaffer vollkommen aus dem internationalen Boden der Wiffenschaft. Denn es gehörte zum Zwecke desselben, wie er selbst sagt, dem englischen Leser, vollständiger als es bisjetzt geschehen, in die apokalyptische und dieser gleichartige Literatur einzuführen. Doch ist dies nur subsidiarisch für seinen Hauptzweck, die Lehre vom MeffiaS darzustellen, wie sie bei den Juden in den Jahrhunderten vorhanden war, während derer das Ehristenthum entstand. Er tritt hier einigermaßen Jost entgegen, der jenen apokalyptischen Erscheinungen eine Bedeutung für die jüdische Religionsgeschichtc absprach. Allerdings waren sie ein Er zeugniß besonderer Art, abseitenS vom engeren Geistesleben der Juden, und behielten den Stempel einer gewissen Fremdartigkeit. Einen Einfluß aus die weitere Enttvickelung des IudenthumS hatten sie schon deshalb nicht, weil sie fern von den eigentlichen Eentren deS jüdischen Lebens entstanden und von jenen völlig ignorirt wurden. Aber mit Recht bemerkt der Verfasser, daß wir in dem Studium der religiösen Anschauungen uns nicht auf die autoritativen Dokumente beschränken dürfen, sondern auch zu Reden, Pamphleten, Dichtungen u. s. w. rekurriren müffen. Diese führen unS in den Prozeß ein, durch welchen sich die Dogmen bildeten, und geben uns ein lebhaftes Bild der geistigen Bewegungen, der Hoffnungen und Befürchtungen, des Wechsels der Ansichten, die auf die Entwickelung deS Menschengeistes so großen Einfluß üben; sie entspringen der Volksseele und dem, was diese reizt, in Verzweiflung oder in Entzücken versetzt. Der Vers, behandelt daher zunächst die apokalyptische Literatur, die lyrische, agadische, die Targumim, den Talmund und Midrasch von der literarhistorischen Seite, und nach einem kürzeren Rückblick aus die messianische Idee bei den Propheten und den Mangel derselben in den Apokryphen, behandelt er die zur Messia-

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