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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-23 · Heft 30 (23.7.1878) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 30 (23.7.1878)
Date
1878-07-23
Page
Seite 473 (sequence 9)
Language
German
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473 Eine hohe Stufe hat die Cultur in ihrem Entwicklungs-■ entfaltete ihre Schwingen in einer schöneren Gestalt, in einer gange bereits erklommen, und wenn sie auch durch barbarische' höheren Vollkommenheit. Die einmal errungene Cultur geht Einflüsse vorübergehend gehemmt, ja sogar scheinbar zurücknicht unter, sie vererbt sich von Geschlecht zu Geschlecht, und gedrängt oder zerstört wurde, so entstieg sie dennoch, sobald die so offenbart der Menschengeist hinieden schon seine Unsterb- Barbarei besiegt war, als verjüngter Phönir ihrer Asche uud( lichkeit. — 2beitttitcj 5a<xc(aU/C&beu/. Deutschland. Berlin, 7. Juli. Die „N. fr. Pr.", die freilich nicht immer zuverlässige Nachrichten bringt, läßt sich von hier telegraphiren: „In der I udensrage hat sich neuestens ein nicht unwichtiges Moment den Förderern dieser Angelegenheit ausgedrängt. Bekanntlich hat der Congreß für Rumänien, Serbien, Montenegro, Bulgarien und Rumelien die Freiheit und Gleichheit aller Culte decretirt; bezüglich des an Rußland zurücksallenden Bessarabien aber, wo die Juden in großer Zahl ansässig sind, wurde nichts bestimmt. Es wäre nun ein wahrer Hohn auf die ganze einschlägige Action des Congreffes, wenn die unter rus si sche Herrschaft gelangenden besiarabischen Juden der Emancipati on verlustig würden, da in Rußland die Freiheit und Gleichheit der Culte nicht anerkannt ist. Man vernimmt, daß die russischen Bevollmächtigten darüber inlerpellirt werden sollen." Schwerlich wird dieser Gegenstand im Congreß selbst zur Sprache gebracht; an sich aber ist die Bemerkung richtig. —. Wie schon in d. Zeit, bereits bemerkt worden, haben die von Richard Wagner redigirten „Bayreuther Blätter" mit ihrem Anfang auch die heftigsten Schmähungen gegen die Juden angesangen, und sabren sie mit unverfrorener konsequenter Frechheit fort, in jeder Nummer die blutigste Verfolgung der Juden zu predigen. Mit Recht muß es daher aufsallen, daß unter den Wagnerianern sich immer noch so viele Juden befinden, welche neben ihrem musikalischen Unverstände auch noch die Charakterlosigkeit besitzen, Patronatsscheine in Wagnervereinen mit schwerem Gelde zu erwerben und die Anbetung des wahnwitzigen Ticbtercomponisten zu betreiben. Jüngst hat Wagner sogar den bekannten Judenfreffer Constantin Franz unter die Mitarbeiter der Bayreuther Blätter berufen, wahrscheinlich weil ihm selbst seine judengehässige Feder noch nicht scharf genug schien und dieser hat denn auch seine Schuldigkeit in einem in Schwefel und Blut getauchten Artikel gethan. Nun lohnt es wahrlich nicht der Mühe, den widerwärrigen Brei des Wagnerblattes mit zwei Abonnenten aufzurühren. Aber die Erbärmlichkeit der dennoch einem in Größenwahnsinn verkommenden Wagner huldigenden und ihn mit Geldopfern unterstützenden Juden muß auf's Schärfste gegeißelt werden. Dies thaten denn auch jüngst die „Berliner Wespen" mit einer beißenden Satyre, in welcher die jüdischen Wagnerianer vor dem Meister erscheinen, der sie mit Schimpfreden überschüttet, ohne daß sie aufhören, sich vor ihm in demüthigster Weise zu beugen, und ihn zu bitten, doch nur ihr Geld anzunehmen, das er, fortwährend schimpfend, sie auf den Tisch legen heißt, worauf er sie von seinem Diener hinauswerfen läßt. In der That ist es eine Schmach für unsere Glaubensgenoffenschaft, solche, alles Gefühls für Ehre baare Menschen in ihrer Mitte zu haben. Königsberg, 9. Juli. (Privalmitth.) Ich habe in meiner jüngsten Corresp. zu bemerken vergeffen, daß das Obertribunal in seinem Erkenntniß von 24. Mai 1878, durch welches es das Erkenntniß der zweiten Instanz vernichtete und den Bäckermeister wegen Haltung eines ausländischen jüdischen Lehrlings freisprach, sich vorzugsweise auf 8 41 der Reichs-Gewerbeordnung stützte, weil dieser Paragravh jene Ausnahmebestimmung in § 71 des Judengesetzes vom 23. Juli 1847 aufgehoben habe, insoweit sie die Selbständigkeit des Gewerbebetriebes betrifft. Nürnberg, 6. Juli. ( Privalmitth.) Der hiesige vielbeschäftigte Rechtsanwalt Frankenburger bat entschieden erklärt, ein Mandat für den Reichstag, in welcher.! er unfern Wahlkreis vertreten hat, neben seinem Mandat für den bayrischen Landtag nicht wieder übernehmen zu können, weil er dadurch in seinem Berufe völlig behindert werde. Man bat diese Erklärung mit großem Bedauern entgegengenommen, um so mehr, da seine Wiederwahl keinem Zweifel unterlag. Bielefeld, 6. Juli. An unserm Gymnasium und der damit verbundenen Realschule, welche von einem ziemlich hoben Procentsatze israelitischer Schüler besucht werden, war bisher für den Religionsunterricht nicht gesorgt. Bon dem Cultusministerium ist jetzt die Einreihung des jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der Anstalten genehmigt und es sind die erforderlichen Geldmittel bewilligt. Oesterreich-Ungarn. Wim, Io. Juli. (Privalmitth.) Der an sich unbedeutende Prozeß, über welchen auch Sie berichtet haben, und der ein jüdisches Ehepaar aus Galizien betraf, dessen Ehe 30

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