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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-16 · Heft 29 (16.7.1878) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 29 (16.7.1878)
Date
1878-07-16
Page
Seite 460 (sequence 12)
Language
German
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460 sammen zu tragen gedenkt, die in einem jüdischen Blatte eigentlich gar keinen rechtfertigenden Grund hat, und mit der doch einige jüdisch-amerikanische Zeitschriften ihre Spalten füllen. Wir finden in ihr auch eine größere Auswahl von Nachrichten aus europäischen Ländern. — Vom Rhein, 4. Juli. (Literarische Notizen.) Herr Herm. Sternberg, auch den Lesern dieser Blätter nicht unbekannt, hat eine „Geschichte der Juden in Polen unter den Piasten und unter den Jagiellonen" (Leipzig, Duncker & Humblot, 1878) herausgegeben. Es wäre sicherlich eine dankende Aufgabe, die noch vielfach im Dunkeln liegende Geschichte des so zahlreichen und bedeutsamen polnischen Israel zu eruiren und darzustellen; indessen muß man sagen, trotz guten Willens und Fleißes ist der Verf. dieser Aufgabe durchaus nicht gewachsen. Nirgends geht er auf die ursprünglichen Quellen zurück, der älteste Historiker Polen's, den er kennt, ist Dlugos, der doch erst am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts lebte. Schon dadurch ist erwiesen, daß Herr Sternberg keine Ahnung von den Grundsätzen historischer Kritik hat. Nur so ist es zu erklären, daß er die läppische Geschichte von dem zum polnischen Könige erkorenen jüdischen „Pulvermeister" Abraham als eine „mehr als tausendjährige Sage" erklärt — man denke, ein Pulvermeister vor tausend Jahren, also ein halbes Jahrtausend, ehe das Pulver erfunden war! Ebenso unkritisch ist z. B. die Darstellung der Einwanderung der Juden in Polen, wo die unglaublichsten Geschichten zum Besten gegeben werden. Trotz dieser schwerwiegenden Fehler ist das Büchlein nicht ohne Nutzen. Aus den neueren polnischen Historikern sind deren Erzählungen über die ältere Geschichte der polnischen Israeliten gesammelt, und im Anhänge sind einige sonst nur in seltenen Drucken vorhandene Urkunden wiedergegeben. Insofern wird es für den Freund der jüdischen Geschichte immerhin einigen Werth behalten. Aber wenn der Herr Verf. in der Vorrede den Wunsch ausspricht: „Möge nun die Feder eines unparteiischen und gewissenhaften Historikers die an den Tag geförderten Materialien weiter verarbeiten" — so kann! derselbe nicht in Erfüllung gehen. Ein gewissenhafter Historiker müßte vielmehr die zeitgenössischen Quellen der älteren polnischen Geschichte selbst in Betracht ziehen und gründlich erörtern, und darauf seine Darstellung aufbauen. Herrn Sternberg's Buch würde nur dazu dienen, ihm den Vergleich mit den meist parteiischen und oberflächlichen modernen Geschichtsschreibern Polens zu erleichtern. ^l. 3*. Ieu illeton. Correspon-enz. Die Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens. Bebra, 1. Juli 1878. Am heutigen Tage fand Hierselbst unter Vorsitz des Herrn Pr. Stein-Cassel die Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens statt, wozu sich etwa vierzig Lehrer eingefunden hatten. Nach einer herzlichen Ansprache des Herrn Vorsitzenden, worin der Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck gegeben und ein Rückblick geworfen war auf unsere Vereinsthätigkeit, die in diesem Jahre ihr erstes Jahrzehnt mit segensreichem Erfolge zurückgelegt hat, wurde der im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Collegen unserer Provinz gedacht, ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt und die Versammlung für eröffnet erklärt. Tie Wahl von zwei Schriftführern fiel auf die Unterzeichneten und als dieselben annahmen, wurde auf Vorschlag des Herrn Pr. Stein angesichts der jüngsten traurigen Vorgänge in unserem Vaterlande folgendes Telegramm an Se. Majestät, unfern Kaiser abgesandt: „Die in Bebra zu einer Conferenz versammelten israelitischen Lehrer des Regierungsbezirks Cassel geben ihrem Wunsche einer baldigen völligen Wiedergenesung Ew. Kaiserlichen Majestät ehrfurchtsvollst Ausdruck." Zur Tagesordnung übergehend, referirte Herr Pr. Stein über das von ihm für israelitische Schulen bearbeitete „Lesebuch des hessischen Lehrervereins". In diesem wohldurchdachten und mit großem Beifall aufgenommenen Referate verbreitete sich der Vortragende über Entstehung, Inhalt und äußerliche Verhältnisse des angeführten Buches. Am Schluffe eröffnete derselbe über „Auswahl, Inhalt und Preis" eine Discussion, deren Resultat hinsichtlich der beiden ersten Punkte ergab, das Buch erst genauer zu prüfen, um bei der nächstjährigen Versammlung die Ansichten hierüber darzuthun und geeignete Vorschläge zu machen. Gegen den Preis des Buches war gar Nichts zu erinnern, als Herr Pr. Stein des Schildes erwähnte, der ihn gegen alle Vorwürfe deckt: „Ich habe mich, wie Sie wissen, jedes Gewinnes entäußert und den etwaigen Reinertrag zur einen Hälfte dem Unterstützungsverein hessischer Lehrer-Wittwen und Waisen und zur anderen Hälfte dem israelitischen Lehrerstand Hessens überwiesen und mir nur fteie Verfügung hierüber Vorbehalten." 'Hiernach verlas ein Mitglied die im „Israelit" gebrachte Recension über dieses neue Lesebuch, welche den Stempel der Gehässigkeit auf der Stirne trägt. Alle Versammelten waren über die Art und Weise dieses Machwerkes entrüstet und gaben durch Erheben von den Sitzen Herrn

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