Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1878)
- Date
- 1878-07-09
- Page
- Seite 445 (sequence 13)
- Language
- German
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nachdem zuvor für den zweiten Pstngsttag des nächsten Jahres' Hameln als Versammlungsort gewählt worden war. Möge j auch diese Conferenz zur Hebung und Förderung des jüdischen : Schulwesens ihren Theil beitragen! — E. Stern, Schriftführer. Nothmünzen und Marken -er Juden in polen. ('Aus der „Nnmismat. Zeitschrift ") (Line der interessantesten Abtheilungen der Münzkunde sind unstreitig die Nothmünzen, die uns jedoch schon von vielen Staaten, Städten, Gemeinden und Corporationen näher bekannt sind. Keineswegs war dies aber bisher der Fall mit Nothmünzen und Marken der Juden; insbesondere der Juden in Polen, die bei ihrer bekannten Betriebsamkeit sich in schwierigen Zeiten damit eine Aushilfe zu verschaffen wußten und von denen auch ihre christlichen Mitbürger insofern "Nutzen zogen, als selbst bei ihnen manche dieser Nothmünzen im Kleinverkehr gang und gebe waren und ohne Bedenken angenommen wurden, wie dies aus Nachfolgendem erhellen wird. Wir entnehmen diese interesianten Thatsachen aus einem Orginal-Manuscripte, welches sich im Besitze des Herrn Alexander Faust in Warschau befindet, unter dem Titel: „Vcrzeichniß polnischer Münzen und Medaillen von Georg Christian Arnold" (des bekannten Gelehrten, in Folio, aus welchem wir Folgendes wörtlich ercerpiren und durch Anmerkungen erläutern. „Sobald Polen der Garaus gemacht wurde'), gerieth das Kupfergeld ins Stocken, damit aber das Land, welches die Preußen in Besitz genommen, nicht ohne dasselbe wäre, so prägten sie selbiges um, in der Schwere, für den Werth, wie das ehemalige polnische, und geschah eben das mit dem Poniatowskischen ' Kupfergelde, was ehemals mit dem sächsischen geschehen. — Jedoch ward das Kupfergeld zum geringen Theil für die Hälfte in der Abgabe der Bierbrauer und Branntweinbrenner bis zunr 1 Jänner 179S angenommen. Ehe aber dieses Kupfergeld ankam oder des alten Werrhes herabgewürdigt worden, halfen sich die Juden mit messingenen Blechen, welchen ebräische Buchstaben aufgedrückt waren, und 1) Nämlich durch die letzte Theilung 1795 und die Qccupatation des sich durch Preußen angeeigneten Antheils — denn nach der Uebergabe Warichau's an die Russen am 5. 'November 1794 wurden noch im Jahre 1795 polnische Münzen unter polnischem Stempel mit dem Brustbilde Stanislaus 'August's geprägt — erst in den ersten Tagen des Jänner 1796 übergaben die Russen den Preußen, welche keine Erfolge in diesem glorreichen Kampfe aufzuweisen batten, die Stadt Warschau und mehre Woiwodschaften. G. 2) König Stanislaus 'August Ponratowski, gekrönt am 25. November 1764, entsagt dem Throne am 25. November 1795 jedesmal am Namenstage der Kaiserin Katherina, die ihn auf den Thron erhoben und wieder vom selben herabgestürzt hat! Er starb in Petersburg 1798. G. wechselten sie gegen Silbergeld aus. — Diese Münze war aber nur unter ihnen üblich, um sich mit ihren Armen auseinanderzusetzen (PrUtes '). 1. Nr. 1396 (der Münzen der Handschrift). Ein Parallelogramm von einer Perleneinfafsung gebildet. — In demselben das Wort Tar nogol — d. i. ein Huhn welches Wort aus 6 Buchstaben besteht und daher den Werth von 6 Groschen hatte:J). 2. Nr. 1397. Ein Viereck, auf welchem ein Palmkranz, in diesem steht das ebräische Wort „K711K" Awse, d. i. eine Gans, und galt 3 Groschen 1 2 3 4 5 6). 3. Nr. 1398. Ein zerschnittenes Viereck wie 1397, die Hälfte galt einen Groschen ''). -1. Nr. 1399. Ein längliches Stück, oben und unten eine Leiste mit dem ebräischen Buchstaben n „H e", galt einen halben Groschen"). 5. "Nr. 1-400. Ein Anderes, auf welchem ein Stück von einer runden Leiste ('?), innerhalb welchen ein kleines cbräisches n „H e", galt ebenfalls einen halben Groschen. So weit die obcrwähnte Handschrift. Aus späterer Zeit finden wir noch einige dergleichen Nothmünzen in Polen, und sind uns nachfolgende vorgckommen: 6. In einem punktirten Kreise auf einer viereckigen bleiernen, einseitig geprägten Münze: G. Z. bedeutet Gaboe Zeduke, Almosen-Vorsteher. 52 B. G. ,, Beth Gedolim, 2 Groschen. Gr. ' t Mm. In unserem Besitze. Diese Münze galt 2 polnische Groschen, und wurde von der israelitischen Gemeinde in Krakau im Jahre 1809—1810 emitirt, um dem Mangel an Scheidemünze abzuhelfen, welcher im Verlaufe der damaligen kriegerischen Wirren sich eingestellt hatte; es eristirten auch Stücke mit 1 und o Groschen; diese Münzen wurden allgemein angenommen, späterhin aber von der Gemeinde wieder cingelöst. 7. Prute Rawiez, in Kupfer sehr 1) Prute bedeutet Scheidemünze, das S am Ende dieses und vieler anderer Worte bildet den Plural und kömmt wohl aus dem Spanischen her. G. 2) Eigentlich ein Hahn. 3) Polnische Kupfergroschen — 6 Groschen 1 Silbcrgroschcn oder 5 Nkr. G. 4) Weßhalb eine <3ans nur die Hälfte gegen den Werth des Hahns — da das ebräische Wort 5 Buchstaben zählt — ist unklar: es müßte denn nach orientalischer ironischer 'Anschauung ein weibliches Wesen nur die >>älsle im Gegensane zuiu Manne werth sein. — Wir haben übrigens dies Wort ohne rr am Ende also 7irr geschrieben gesehen, und wenn die beiden 77 als Toppellaut wie W. für einen Buchstaben gerechnet werden, dann wären es allerdings nur 3 Buchstaben und stimmt in der ^Zahl des Werlhes. G. 5) Wiederum unrichtig, indem dies Stück eigentlich l'O Groschen gelten müßte. G. 6) Hier ist nun wieder der Buchstabe 77 H fiir das deutsche Hsalb) gebraucht: die Juden in Polen bedienen sich zumesir des deutschen, schreiben es aber vorwiegend mit hebräischen Schristzeichen. G.