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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-09 · Heft 28 (9.7.1878) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 28 (9.7.1878)
Date
1878-07-09
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 richt, wie bei jeder anderen Disciplin, zur Selbstthätigkeit angeregt werden; 2) Der Unterricht im hebräischen Lesen sei von vornherein vorbereitend für das Uebersetzen; 3) Das Kind soll es demnach nicht, wie in der bisherigen Weise, nur mit Lautverbindungen zu thun haben, sondern es sollen ihm von Anfang an Wörter und Sätze mit deren Uebersetzung vorgeführt werden. Das Buch sei daher so eingerichtet, daß es jedesmal nach vorangegangen Leseübungen Sätze mit Linearübersetzung enthalte und, sobald es die dagewesenen Buchstaben gestatten, sei die Flexion des Hauptwortes und Conjugation des Zeitwortes behandelt. Jedoch dürfe auf dieser Stufe nicht an einen grammatikalischen Unterricht gedacht werden, vielmehr sollten die Uebungen als Anschauung dienen, um auf Grundlage derselben den späteren Unterricht zu bauen und weiter zu führen. — Nach eingehender Debatte, in welcher dem Verfaffer von verschiedenen Seiten für seine treffliche Vorlage Anerkennung zu Theil wurde, wählte die Versammlung eine Commission zur eingehenden Prüfung des ausgearbeiteten Leitfadens. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Lehrers Löwenstein-Celle über die Frage: Wodurch kann der Lehrer dem Jndifferentismus gegen unsere Religionsschulen entgegenarbeiten? — Im Eingänge des mit vielem Fleiße ausgearbeiteten Referats bespricht Redner die Wichtigkeit der Religionsschulen und hebt hervor, daß wahre Bildung ohne Religion nicht denkbar sei. Nach den Ursachen des Jndifferentismus gegen unsere Religionsschulen suchend, findet Referent dieselben in dem Materialismus unserer Zeit, in der Unkenntniß der Religion seitens der Eltern, in deren Ansicht, daß die Vorschriften der Religion später doch nicht beachtet würden, in der Furcht vor Ueberanstrengung ihrer Kinder, sowie auch endlich darin, daß häufig ungeeignete Persönlichkeiten als Religionslehrer fungiren. In einer dann folgenden ausführlichen Beantwortung der Frage, auf welche Art und Weise der Lehrer nach dieser Richtung hin mit Erfolg wirken könne, hob der Referent folgende Punkte hervor: 1) Der Lehrer versäume nicht, die Eltern zu belehren und aufzuklären. 2) Er selbst sei ein Charakter, ein Vorbild, sein Unterricht sei anziehend und belebend. 3) Er wähle die geeignete Zeit für den Religionsunterricht und halte Maß bei Ertheilung der häuslichen Schularbeiten. 4) Der Schulvorstand müsse die gesetzlichen Bestimmungen zur Aufrechterhaltung des regelmäßigen Schulbesuches handhaben. 5) Oeffentliche Prüfungen vermögen ebenfalls das Jntereffe der Eltern zu wecken. Auch dieser Vortrag gab Anlaß zur lebhaften Debatte, in welcher zunächst Herr Landrabbiner Di\ Guttmann das Wort ergriff, um darzulegen, daß er den Juden nicht mehr Materialismus zuschreibc, als allen anderen Confessionen. Redner glaubt aber auch, daß die Eltern ihren Kindern auf anderen Gebieten im Allgemeinen die Bildung nicht aus idealen Gründen angedeihen lasten; denn wenn dieses der Fall wäre, würden sie auch dem Religionsunterricht mehr Beachtung widmen. Wenn auch den Kindern dadurch, daß sie besondere Religionsschulen besuchen müssen, ihre freie Zeit ein wenig gekürzt, wenn auch den jüdischen Gemeinden besondere Opfer auferlegt seien, so mögen dieselben auch heute noch den im Laufe der Geschichte Israels so thatkräftig sich bewiesenen Opfersinn sich erhalten und bewahren. Vor der wahren Opferwilligkeit verschwinden alle Schwierigkeiten, versöhnen sich alle Gegensätze. — Herr Landrabbiner I)r. Meyer betonte ganz besonders die Selbstcrziehung und Fortbildung des Lehrers. Empfänglichkeit für unsere Lehre, Wärme und Liebe für ihr Leben und ihre Dauer, treue Hingebung und Begeisterung für seinen Beruf, seien die besten Mittel, wodurch der Lehrer der Religionsschule Achtung erwerben könne. — Nachdem noch andere Redner ihre Ansichten über diesen Gegenstand geäußert, wurde die Dormittagssitzung um 1 Uhr geschlossen. Nachmittags 3 Uhr gelangte ein Vortrag des Lehrers Kaufmann-Einbeck über den Unterricht in der Biblischen Geschichte zur Verhandlung, in welcher hauptsächlich die pädagogische, .didaktische und methodische Seite dieser Disciplin des weitern errörtert wurde. Allgemein wurde anerkannt, daß das Buch der Könige wegen der vielen darin vorkommenden Namen ohne Taten die meisten Schwierigkeiten beim Unterricht verursache. — Sehr erwünscht wäre es, wenn von sachverständiger Hand die Abfaffung einer Biblischen Geschichte unternommen würde, in welcher der Stoff gut und sorgfältig ausgewählt, zweckmäßig in concentrischen Kreisen für die verschiedenen Unterrichtsstusen verlheilt und mehr Gruppirung der verschiedenen Lebensbilder angestrebt sei. — Dr. Prager — Hannover empfiehlt, aus dem Buche der Könige die Prophetengeschichte vorweg zu nehmen und später den politischen Theil folgen zu lasten. — Schließlich wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1) Die Bibische Geschichte ist eine der wichtigsten Disciplinen der jüdischen Schule. 2) Der Unterricht in der Biblischen Geschichte muß die religiösen und sittlichen Wahrheiten sowie die entsprechenden Gefühle wecken. 3) Der Unterricht werde den verschiedenen Altersstufen gemäß in immer erweiterter Form ertheilt. — Hiermit war die Tagesordnung erledigt. Es folgte noch eine kurze Besprechung über die Folgen des Eintritts der jüdischen Lehrer in die Provinzial-Lehrer-Wittwen- und Waisenkaste. Gegen 6 Uhr fand der Schluß der Versammlung statt

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