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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-09 · Heft 28 (9.7.1878) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 28 (9.7.1878)
Date
1878-07-09
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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als Hypothek eines Hauses an. Er trug kein Bedenken, sein! Geld derart fruchtbringend zu machen, da im vorigen Jahre s wiederholt von Juden Häuser erstanden wurden, er daher an-! nahm, daß ihm vollkommene Sicherheit gegeben sei. Der j Schuldner zahlte nicht, und es kam zur öffentlichen Ver-j steigerung des Hauses. Nach den rumänischen Gesetzen kann! der Gläubiger das erste Anbot machen und dann weiter mit-1 licitiren. Als es nun zur Licitation kam, wurde dem Serj gent-major untersagt, an derselben theilzunehmen, da er „ein! Jude, ein Fremder" sei. Er telegraphirte sogleich an den; Justizminister und bat um schleunige Hilfe. Es erfolgte je-! doch keine Antwort, und so ist der Mann sammt Weib und Kind, in Folge der Kriegsstrapazen und einer schweren Krankheit zur Arbeit untauglich, auch noch um seinen für den Fall der Roth zurückgelcgten Sparpfennig geprellt, da aus dem Erlöse des Hauses wenig oder gar nichts für ihn entfallen wird. Holland. Rotterdam, im Juni. (Privatmitth. Anfang dieses Monats feierte das Taubstummen-Jnstitut allhier sehr glänzend sein 25jähriges Bestehen und wurden dabei dem Director- Oberlebrer Herrn Dr. Hirsch wie auch dem Adjunct-Oberlehrer Herrn I. Bittkers von allen Seiten reichliche Geschenke dargebracht. Dieses Institut ist nicht nur ein Muster für Taubstummenunterricht, sondern auch ein recht leuchtendes für vollkommene Brüderlichkeit unter den verschiedensten Religionsgenoffenschaften; denn'schon längst ist es bekannt, daß hier sowohl das Vorstands-Personal als das Lehrer-Personal, und eben sowohl die Zöglinge und deren Erziehung das sprechende Zeugniß geben von der Gleichberücksichtigung aller darin aufgenommenen Confesstonen. So hat sich dies auch bei dieser Gelegenheit dadurch bethätigt, daß beim Festesten für die Israeliten, wiewobl ste nur in einer sehr kleinen Anzahl anwesend waren, für Speise und Wein gesorgt war. Der Herr A. Symons, Secretär und erster Gründer dieses Instituts, wie auch Herr R. Mees, Präsident desselben, sind Tages nach der Festlichkeit von der Negierung mit dem Niederl. Löwenorden ausgezeichnet worden, während der Herr Di*. Hirsch schon lange früher damit dekorirt ist. Rußland. Kalisch, 2(>. Juni. Von dieser Stadt laufen die traurigsten Berichte über einen Pöbelaufstand gegen die Juden ein, welcher am Frohnleichnamsseste bei Gelegenheit der Procession stattgefunden. Als Ursache wird angegeben, daß sich das Gerücht verbreitet hätte, einer der vielen Altäre auf der Straße sei von einem Juden beschädigt worden, und hierfür wollte man wieder den Grund in der Mißstimmung der Juden darüber t, daß die russische Regierung die Beseitigung der Sabbathr befohlen hätte. Für alles Dies liegt auch nicht der geringste Beweis vor. Denn jenes Gerücht konnte ebenso gut absichtlich verbreitet werden, ohne daß ein thatsächlicher Grund vorlag. Vielmehr erweisen die umfastenden Maßregeln, welche die Regierung ergriffen hat, die Heranziehung größerer Militärkräfte, um die Unruhen zu bewältigen, die in der ländlichen Bevölkerung auszubrechen angesangen, die 200 Verhaftungen, die sie bereits vorgenommen und unter denen 10 Geistliche betrafen, daß es sich um vielmehr als eine Judenhetze gehandelt, welche letzteren die Gelegenheit zu einem umfänglichen Aufstande geben sollte. Auch waren von Anfang an die Protestanten mit bedroht. Ueber die Ausdehnung des Aufstandes und die selbst blutigen Excesse liegen verschiedene Berichte vor, da die „Ostd. Post" übertreibende, die „Posen. Zeit." abschwächende Nachrichten brachte. Nach der ersteren sollten 13 Menschen getödtet worden sein, nach der letzteren nur mehrfache Verwundungen stattgefunden haben, worin aber alle übereinstimmen, das sind die umfastenden Plünderungen, welche verübt worden und deren Werth auf 200,000 Rubel geschätzt wird. Soweit die Nachrichten gehen, ist die Ruhe wieder hergestellt; einige Straßen sind militärisch abgesperrt; nach dem Befehl des Gouverneurs dürfen nicht mehr als drei Personen auf der Straße zusammen stehen; die Untersuchung wird streng geführt, und wir können hoffen, daß Sicherheit und Ordnung nicht weiter gestört werden. Bonn, 30. Juni. Motizen.' Manschreibt uns aus Hattingen a. d. Ruhr: Die hiesige Gemeinde besitzt eine schöne Synagoge, welche ein Gemeindemitglied auf seine alleinigen Kosten hat erbauen lasten, wogegen die Gemeinde ein zweckentsprechendes Schulhaus mit allen nöthigen Utensilien hergestellt hat. Da die Gemeinde nur drei Thorarollen besitzt, hat ein Mitglied, Herr E. Buchheimer, eine neue schreiben lassen und sie mit feinem Mäntelchen und silberner Jad der Gemeinde geschenkt. Die feierliche Weihe gab der Gemeinde Deranlastung zu einem schönen religiösen und geselligen Feste. Diese vielseitige Opferwilligkeit verdient wohl eine rühmende Anerkennung. — In Hamburg hielt am 13. d. zum Besten der türkischen Juden der Oberrabb. I)i-. Jsaacsohn einen öffentlichen Vortrag in der dichtgefüllten Aula des Jobanneums über Humanität. Der inhaltreiche Vortrag fand allgemeinen Anklang. Den Schluß machten einige geistliche Eompofitionen, welche von der Singakademie des Hamburger Eoncertvereins unter Leitung des Herrn Otto Beständig vortrefflich zu Gehör gebracht wurden. Dem Vortrage wohnten u. A. Herr Bürgermeister Kirchenpauer und mehrere geistliche Herren bei. Der Ertrag der stattgehabten Eollecte soll, wie wir zu unserer Freude hören, recht bedeutend gewesen sein. 28

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