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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-09 · Heft 28 (9.7.1878) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 28 (9.7.1878)
Date
1878-07-09
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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gegen 15600 Mark in der Weise in Verwendung, daß die Be-! soldungen der Rabbiner mit einem höheren Dienstalter auf je, 2000 Mark, die derjenigen mit einem geringeren Dienstalter aus je 1600 Mark jährlich erhöht werden. Voraussichtlich wird dieser außerordentliche Staatsbeitrag für die ganze Dauer des den christlichen Geistlichen Besoldungsaufbefserungen bewilligenden Gesetzes, das ist bis zum Jahre 1881 einschließlich, zur Besoldungsaufbesserung auch gering besoldeter Rabbiner gewährt werden. Sie sehen hieraus, daß unsere Landesregierung dem Grundsätze der Gleichberechtigung der Israeliten mit den übrigen Staatsangehörigen auch auf einem Gebiete, das lediglich die kirchlichen Verhältnisse derselben berührt, volle Rechnung trägt. München, 25. Juni. (Privatmitth.) Am Montag feierte Herr Emanuel Prager allhier seinen sechzigsten Geburtstag und sein vierzigjähriges Jubiläum als Journalist. Die hiesigen „Neuesten Nachrichten" sprechen sich darüber folgendermaßen aus: „Die Arbeit, mit welcher er seine Thätigkeit begann, war ein Artikel „über die Emancipation der Juden". Wenn Herr Prager seine lange Wirksamkeit und all Das, was er erlebte, betrachtet, so wird er mit Freude zugestchen, daß Großes erreicht wurde, das man vor vierzig Jahren kaum laut zu wünschen wagte; statt des nach außen ohnmächtigen, nach innen polizeilich überwachten Deutschlands haben wir ein geniales, stolzes, mächtiges und freies Kaiserreich, start des Bundestages eine kräftige Reichsregierung und ein Parlament, statt der Eensur, unter welcher der Jubilar seinen ersten Leitartikel schrieb, die Preßfreiheit, statt der Knechtung seiner Glaubensgenossen deren Gleichberechtigung mit allen Staatsbürgern, statt des Zunftwesens die Gewerbefteiheit :c. Es mag Herrn Prager den Abend seines Lebens verschönern, daß er sich sagen kann: „Auch ich habe nach dem Maße mir verliehener Kräfte und Befähigung hiezu mitgewirkt." Wohl ist es jetzt trübe allerwärts, doch gerade wer so lange gelebt und gewirkt hat, weiß, daß das Schicksal eines Volkes oft seltene Wege einschlägt, daß aber all diese Wege schließlich doch immer nach aufwärts führen. Wir wünschen dem geachteten Collegen ein ftöhliches Geburtstagsfest." — Wir fügen hinzu, daß Herr Prager seit zwanzig Jahren der Verwaltung der hiesigen Cultusgemeinde angehört, während welcher Zeit er, getragen von dem Vertrauen seiner Glaubensgenossen, in gemäßigtliberalem Sinne wirkt. — Dem Jubilar wurden von den verschiedensten Seiten, Personen und Behörden, die schmeichelhaftesten Anerkennungsschreiben anläßlich seines Jubiläums zu Theil. Oesterreich-Ungarn. Pest, 25 Juni. (Privatmitth.) Wie wir bemerkt haben, hat es das Verfahren des Präsidenten des Abgeordnetenhauses dem Judenhasser Jstoczv möglicb gemacht, seinen verrückten Antrag auf Wiederherstellung eines jüdischen Staates in Palästina vermittelst des ungarischen Abgeordnetenhauses zu motiviren, d. h. eine von Judenhaß übersprudelnde Rede zu halten, welche freilich die Heiterkeit des Hauses durch seine barocken Behauptungen hervorrief, während docb in dieser Heiterkeit selbst ein großer Theil Schadenfreude an der Lästerung der Juden steckte. Hierbei zeigte es sich, daß die äußerste Linke des Hauses dem Herrn Jstoczv sehr nahe steht, was sich durch mancherlei Zwischenäußerung kundthat. Der Minister v. Tr<i fort antwortete in würdiger Weise. Genau genommen, brachte Jstoczv in seiner Monomanie außer der gewöhnlichen Behauptungen von Beherrschung der Zeitungspresse und des Geldmarktes durch die Juden nur das lächerliche Argument zum Vorschein, daß die Juden durch ihre übermäßige Vermehrung die Christen aus Ungarn bald verdrängen werden. Er stellte dafür eine Wahrscheinlichkeitsrechnung auf, die er natürlich für eine mathematische Gewißheit hält. Unter Kaiser Joseph war die Zahl der Juden in Ungarn einige Tausende; achtzig Jahre später, im Jahre 1869, betrug sie bereits 250,000, und heute ist ihre Anzahl bereits über 700/:00. Hieraus sei zu ersehen, daß sie seit achtzig Jahren sich verachtfacht haben, d. h. die Zahl der Juden verdopple sich in Ungarn sowohl wie im übrigen Europa alle dreißig Jahre. Demgemäß werden 19.'5o bereits 2,900,000, 1960 51Millionen und im Jahre 2«»20 sogar schon 17 Millionen Juden in Ungarn leben, also mehr als die heutige gesammte Bevölkerungszahl (lebhafte Heiterkeit), während durch diese Zeit die Christen stets weniger werden, wie wir den Einfluß der starken Vermehrung der Juden auch schon in den letzten sechs Jahren verspüren, denn laut statistischen Ausweisen ist die Einwohnerzahl Ungarns seit 1870 geringer geworden, namentlich in den Cholera - Jahren. Es erscheint ihm darum irrig, über die Uebel des Landes zu discutiren und über deren Heilung zu berathen, da aller Uebel einzige Ursache die Juden sind. Im Mittelalter half man sich mit masienhaften Hinrichtungen ... jetzt muß man sie nach Palästina zurückschicken. Die Juden können vermöge ihrer ausgezeichneten geistigen Fähigkeiten, vermöge ihrer hohen politischen, juridischen, kommerziellen und finanziellen Befähigung, besonders aber vermöge ihrer Geldmacht eine mächtige Stütze des so bartbcdrängten türtisck'en Reiches werden. (Große Heiterkeit.) Ein unermeßliches Gebiet erschließt sich ihnen im Orient; sie können mit der Zeit die Grenzen ihres wiedergewonnenen Vaterlandes erweitern und offen, geehrt von der ganzen Welt, ihre nationalen Aspirationen verwirklichen. Präsident: Die Akustik des Saales ist eine so schlechte, daß von dem Vortrage des g. Herrn Abgeordneten nur abgebrochene Laute hier herüber kamen. Ich bin daher genöthigt, ju erklären, daß ich, nachdem mir mitgetheilt worden, der g. Herr Abgeordnete habe sich in dem Sinne geäußert, daß man

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