Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1878)
- Date
- 1878-07-09
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
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438 eine Ente halten. Denn was würden Versprechungen der' serbischen und rumänischen Delegirten, selbst wenn jene schriftlich abgefaßt würden, gegenüber den Delegirten der Alliance, die ihnen doch nur als Privatpersonen gelten, gemacht, für Werth habend! Als Illustration dazu könnte dienen, daß der Bukarester „Romanul" und andere dortige Tageblätter gegen die Juden und die Bestrebungen der Alliance täglich donnern und dem Congressc jedes Recht absprechen, diese Frage zu entscheiden. Natürlich, wenn der Congreß den Rumänen Ländergebiete schützt oder zuertheilt, dann ist er in seinem Rechte; wenn er ihm aber Bedingungen der Gerechtigkeit und des modernen Staatslebens stellt, dazu soll er das Recht nicht befttzen. Rumänien erwartet die Erklärung seiner Unabhängigkeit Seitens der europäischen Mächte, will aber nicht, daß ihm diese nur unter der Bedingung, ein wirklicher europäischer Staat zu werden, gewährt werde. Ties sind Prätensionen, in welchen keine Art Logik ist. (S. den Art. aus Suczawa w. u.). Aus dem Grofthcrzogthum Sachsen. Ende Juni. (Privatmitth.) Der Großh. Landrabbiner Herr Di*. Kroner zu Lengsseld richtete bei Gelegenheit des frevelhaften Nobiling'schen Attentats aus Se. Majestät den deutschen Kaiser ein Beileidsschreiben an unsern Großherzog, der bekanntlich als ein Bruder der Kaiserin zunächst durch dieses betrübende Ereigniß mit berührt wurde. Hierauf erfolgte seitens Sr. k. Hoheit des Großherzogs ein eigenhändiges Antwortschreiben an Herrn Dr. Kroner, das wegen des humanen Geistes und der toleranten Gesinnung, welche dessen Inhalt athmet, der Veröffentlichung gewiß Werth erscheint. Dasselbe lautet wörtlich: „Die treuen und theilnehmenden Gesinnungen, welche Sic, mein lieber Herr Landrabbiner, Mir im Namen Meiner israelitischen Unterthanen aus Anlaß des ruchlosen Attentats aus Se. Majestät den Kaiser aussprechen, nehme Ich um mit so größerer Freude entgegen, als ich von deren voller Aufrichtigkeit überzeugt bin. Ich weiß, daß Sie und Ihre Glaubensgenossen tiefen Abscheu empsinden für die Schädigung, welche dem Reiche in der geheiligten Person des Kaisers zugesügt werden sollte, und daß Sie warmen Antheil nehmen an dem persönlichen Kummer, welchen Ich durch die Verletzung und Betrübung eines so theuren und verehrten Verwandten erfahren habe. Gott, der die Ziele des Verbrechers vereitelte, wolle auch unser Aller Gebete Düsseldorf, 25. Juni. (Privatmitth.) Gestern fand hier eine Versammlung „des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Jntereffen in Rheinland und Westphalen" statt, welche über 600 Personen, darunter die angesehensten Namen von Industriellen, faßte, um über Maßregeln gegen das Vorschreiten der Socialdemokratie zu beratschlagen. Das Hauptreferat hatte Herr vr. Natorp aus Essen übernommen, der in einer längeren, ebenso gründlichen wie beredten Rede die Resolutionen beleuchtete und befürwortete. Er sagte u. A.: „Es haben auch schon früher gewaltige Kämpfe gegen die Gesellschaft und ihre Formen bestanden (erste ftanzösische Revolution, Pariser Commune rc.); die Unterschiede zwischen diesen und den heutigen sind nur gradueller, nicht principieller Natur, und davon machen auch diejenigen Socialisten, welche sich die Christlich-Socialen nennen, keine Ansnahme. (Stürmisches Bravo. Ruse: Die sind noch schlimmer!) Es wäre ein verhängnißvoller Jrrthum, wollten wir uns durch das Wort „christlich", womit hier der Socialismus verbrämt wird, irre führen laßen; die Theorieen, die von den Anhängern dieser Partei gelehrt werden, mögen sie nun von orthodor-protestantischen Pastoren oder ultramontanen Caplänen vorgetragen werden, führen in ihren Consequenzen eben dahin, wohin der nackte Socialismus führt, und wenn einzelne Führer darüber wirklich anders denken sollten, so werden sie sich früher oder später überzeugen, daß sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden und die Bewegung über sie hinweggehen wird." — Tie christlich-socialistische Partei hat es zu einem ihrer Hauptgegenstände gemacht, gegen die Juden zu schmähen und ihre Anhänger gegen diese aufzuhetzen. Es ist daher wohl ganz am Platze, ein Urtheil aus so unparteiischem Munde hier anzusühren. Karlsruhe, (Baden), 26. Juni. (Privatmitth.) Reit Beziehung auf eine jüngst in Ihrem Blatte enthaltene Privatmittheilung aus Bayern, bemerke ich, daß bereits seit einigen Jahren zur Bestreitung der Cultusbedürsniffe der Israeliten Baierns ein jährlicher Beitrag aus Staatsmitteln geleistet wird, dessen Größe annähernd zu der Größe des den beiden christlichen Consessionen zur Bestreitung ihrer Kultusbedürfniffe gewährten Staatsbeitrag in demselben Verhältniffe steht, in welchem die israelitische Bevölkerungszahl des Landes zu der der Christen sich besindet. Außerdem wurde mit Zustimmung der landständischen Kammern in den außerordentlichen Auserhören und dem Kaiser volle und baldige Genesung ge-! gabeetat zur Besoldungsausbefferung gering besoldeter Rabbiner, währen! In dieser Bitte weiß Ich Mich eins mit Ihnen Äderen festes Einkommen weniger als 2000 Mark jährlich be- und Ihren Glaubensgenossen und verbleibe I trägt, für die Budgetperiode 1878 und 1870 einschließlich des Ihr Ihnen wohlgeneigter zur Rachzablung für die Jahre 1876 und 1877 als der Be- Belvedere, den 14. Juni 1878. Carl Alexander. ginnzeit der Besoldungsausbesserungen gering besoldeter christ- An licher Geistlichen bewilligten Betrags die Summe von 26000 den Landrabbiner Herrn Iw. Kroner. Mark ausgenommen. Hiervon käme im Jahre 1878, einschließ- Wohlgeboren zu Lengsseld. ^lich der Nachzahlungen für 1876 und 1877, die Summe von