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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-09 · Heft 28 (9.7.1878) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 28 (9.7.1878)
Date
1878-07-09
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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437 fesston in Bezug auf den Genuß der Civilrechte und stellt die1 Gewährung politischer Rechte an Nichtchristen spätern gesetzgeberischen Bestimmungen anheim. Ist damit schon der internationale Charakter der Rechtsverhältnisse der Israeliten in Rumänien und die Berechtigung der europäischen Signatarmächte, dieselben vor ihr Forum zu ziehen, gegeben, so ist der jetzt tagende europäische Congreß um so eher berufen, diese Frage diesmal endgültig zu regeln, als die Rumänen bislang nicht nur die Erwartungen bezüglich der Ertheilung der politischen Rechte an Nichtchriften nicht erfüllt, sondern sogar die ausdrücklich garantirten Civilrechte der Juden entzogen haben. Ueberdies gehört die Frage der politischen und civilen Gleichstellung der jüdischen Rumänen selbstverständlich in das Programm des Berliner Congrefses, der ja die Aufgabe hat, den Frieden und die dauernde Pacistcation im Orient aus Grundlage der gleichmäßigen Berückstchtigung aller Racen und Consessionen herzustellen, und im nächsten Grenzlande westeuropäischer Cultur unmöglich eine consessionelle Restrictiv- Gesetzgebung bestehen lassen darf, die eine fortwährende Quelle der bedauerlichsten Ercesse geworden ist, und gegen welche die europäischen Mächte so oft vergebens protestirt halten. Ferner handelt es sich hierbei nicht allein um die Interessen der jüdischen Rumänen, sondern auch um die dort weilenden Israeliten anderer Staaten, die den gleichen Ausnahmegesetzen unterliegen und deren Zustand stch noch erheblich verschlimmern würde, wenn im Falle der Unabhängigkeitserklärung ^Rumäniens die Consular-Jurisdiction daselbst aufgehoben würde. Weiter hat Europa auch ein hervorragendes handelspolitisches Interesse an der Regelung der bestehenden Rechtsverhältnisse^ welche den Abschluß von Handelsconventionen mit Rumänien deshalb verhindern, weil dieses den Staaten, in denen die Gleichheit aller Consesstonen verfassungsmäßig gewährleistet ist. zumuthet, eine Ungleichheit in der Behandlung ihrer Angehörigen zu genehmigen. Ist damit der Conner dieser Frage mit der Friedensarbeit des Congresses außer Zweifel gestellt, so ist andererseits ein diesbezügliches Eingreifen des Congresses darum ein Gebot der Nothwendigkeit, weil von Rumänien selbst, wo die Lage der Juden stch fortwährend verschlimmert hat, eine günstige Lösung dieser Frage, da ste namentlich zu politischen Zwecken ausgebeutet wird, durchaus nicht zu erwarten ist. Es ist vom Parieistandpunkt des rumänischen Regierungsorgans erklärlich, wenn den Israeliten und deren Freunden der Rath ertheilt wird, der Frage den Charakter einer rein inneren Angelegenheit zu bewahren. Was aber die Drohung mit der Wiederkehr von angeblich jetzt nicht mehr bestehenden Animosttäten betrifft, so wird gerade durch die Wegräumung der Restrictiv-Gesetzgebung die Quelle derselben verstopft, und einer wohlmeinenden Regierung stnd dann die Mittel an die Hand gegeben, deren Wiederkehr für immer zu verhindern. Wir stnd schließlich der Ueberzeugung, daß die Entscheidung dieser Frage durch den Congreß dem Wunsche vieler einsichtsvollen Rumänen entspricht und dem Lande selbst zum Heil und Segen gereichen wird. Berlin, 25. Juni. (Privatmitth. Tie Conservativen, namentlich in Berlin, lassen uns nicht mehr den geringsten Zweifel, daß sie eine besondere Antipathie gegen die Juden empfinden, und ihr etwaiges Regiment nichts Anderes als Beschränkung und Ausschließung für uns bedeuten würde. Sie haben einen „conservativen Centralverein" gebildet, der am 20. eine zweite Versammlung hielt, aus welchem berichtet wird, daß die angenommenen Statuten in ihren .Hauptbestimmungen lauten: „Der Verein beabsichtigt eine Zusammensaffung der conservativen Elemente zu gemeinsamer Thätigkeit, besonders bei den Wahlen. Mitglied des Vereins kann jeder unbescholtene Bürger werden, der das active Wahlrecht zum Reichstage besttzt, sich offen zu conservativen Grundsätzen bekennt und demgemäß in der christlichen Religion und dem Königthum von Gottes Gnaden die Grundlagen unseres Volkswohles erblickt." Prediger Schwarz bemerkte zur Motivirung: Es sei nur deßhalb in den Statuten die christliche Religion betont worden, da man Juden nichr ausnehmen wollte, i Lebhaftes Bravo.) Ter Jude sei nicht conservativ. (Ruse: sehr richtig.) Hieraus trat eine sehr stürmische Scene ein, indem nämlich Pastor Schwarz die Verbindung mit der christlichsocialen Partei vorschlug, wogegen zwei Anwesende austraten, welche erwiesen, daß diese Partei schließlich mir den Socialdemokraten identisch sei. Dies erregte einen großen Tumult, der nur dadurch beruhigt ward, daß man diese beiden Redner zur Thüre hinauswars. Man erklärte sie für sreiconservative, die so gut wie die Fortschrittler seien. — Riegen sich auch aus dieser Demonstration unsere Glaubensgenossen ihre Schlüsse betreffs der bevorstehenden Wahl ziehen' — Uebrigens, wenn man die in den letzten Tagen veröffentlichten Wahlausschreiben der verschiedenen Parteien und Fraktionen liest, so könnte man, wenn man nicht daran gewöhnt wäre, lächeln über die Gewißheit, mit welcher jede dem Staate die alleinige Rettung verheißt, wenn sämmtliche Wahlen nach ihrem Sinne aussallen, sonst aber den Untergang des Reiches, wenn nicht der ganzen Welt, auf's Bestimmteste voraussteht. Berlin, 26. Juni. Die „N. sr. Pr." läßt sich von hier aus unter dem 21. Juni telegraphiren: „Die hier weilenden Vorstände der Alliance Israel ite haben gestern und heute mit den Vertretern Serbiens bezüglich der Judenfrage verhandelt. Es heißt, daß ein leidliches Einvernehmen erzielt wurde. Serbien habe eine freisinnige Regelung der Angelegenheit aus eigenem Antriebe zugesagt. Gelingt es, mit Rumänien ein ähnliches Abkommen zu treffen — und es ist viel Wahr-! scheinlichkeit vorhanden, daß dies geschehen werde — so ist es leicht möglich, daß die Judensrage gar rächt vor den Congreß gelangt." Wir gestehen offen, daß wir diese Mittheilung für

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