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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-02 · Heft 27 (2.7.1878) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 27 (2.7.1878)
Date
1878-07-02
Page
Seite 429 (sequence 13)
Language
German
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420 schreitend Alles hält, was versprochen worden. Der Text dieser 5 Lieferungen bringt die Beschreibung des alten und neuen Alexandria und die Reise durch das westliche Delta. Mit der 0. Lieferung werden wir das für uns so überaus interessante östliche Delta betreten, nämlich die Provinz Gosen. Die Beschreibung versteht es meisterhaft, die Schilderungen aus der Vergangenheit, aus der altägyptischcn, griechischen, römischen und mohamedanischen Zeit mit den deutlich umrisienen Bildern aus der Gegenwart zu verbinden, und zwar nicht chronologisch nach der Schablone, sondern in freier Manier, bald anknüpfend an die Jetztzeit, um auf die früheren Gestalten zurückzublicken, bald im Anschluß an alte Trümmerrefte die Wandlungen darzustellen, die bis beute auf denselben Stätten vor sich gegangen. Allerdings darf Niemand hier eine erschöpfende Darstellung, eine gelehrte und ausführliche Behandlung des großen Gegenstandes erwarten. Diese war auch nicht bezweckt. Aber die Fülle von Detailzügen, die in anmuthender Weise uns vorgeführt werden, beleben fortwährend das Interesse und prägen uns so ein dauerhaftes Bild dessen, was hier einst gewesen und jetzt ist, ein. Dazu verhelfen freilich nicht wenig die künstlerischen Zeichnungen, von denen viele, namentlich die Vollbilder, meisterhaft ausgeführt sind, und uns Landschaften, Thiere und Pflanzen, alte Monumente mit ihren eigcnthümlichen und sonderbaren Göttergestalten, Gebäude, Menschen in allen ihren Typen, Bilder aus dem Städteleben zu anregender Anschauung bringen. Wird dieses Werk, und wir zweifeln nicht daran, in gleicher Weise zu Ende geführt, so wird es ein Prachtwerk geben, das Deutschland zur Ehre gereicht, und um welches Aegypten beneidet werden kann. — Wir haben wiederholt berichtet, daß, wie sich voraussetzen läßt, in allen Synagogen der deutschen Gauen nach den beiden fluchwürdigen Mordversuchen auf unfern Kaiser Dank- und Bittgottesdienste abgehalten wurden, wobei von der jüdischen Kanzel die Stimmen des Patriotismus und der religiös-sittlichen Mahnung sich vernehmen ließen. Selbstver stündlich erscheinen mehrere dieser Predigten auch im Druck. Heute liegen uns vor: „Der Jubel des deutschen Volkes. Eine Festpredigt am I d. Mai 187* in der Synagoge zu Eassel von l>r. L. Ad ler, Landrabbiner, Cassel, Gotthelft 187.8" und von demselben: „Das Märtyrerthum unseres Kaisers oder die Erziehung der Jugend. Eine Predigt ff. am 7. Juni in der Synagoge zu Eaffel", in demselben Verlage. In der ersteren, gehalten nach dem ersten Attentat, paraphrasirt der Redner im Anschluß an Jerem. o2, .'10 den Satz: „Gott hat uns den edlen Fürsten erhalten", indem die Weisheit, das Recht und die wahre Bildung als die Mittel bezeichnet werden, durch welche alle Gefahren von der Religion, der Wissenschaft und der Gesellschaft abgewendet werden. Die zweite Predigt (Jesaias 2(>, 8—10) stellt zuerst in einer erschütternden Weise dar, daß die Schandthat nicht der Person des Kaisers, sondern ihm als Oberhaupt und Vertreter des Staates gegolten habe, und daß daher das Blut des Kaisers als Märtyrerblut geflosien. Als einziges Mittel gegen die Geistesrichtung, aus welcher das Verbrechen entsprungen, bezeichnet der Redner die Erziehung der Jugend, über welche;u sprechen ihn auch das religiöse Fest (Schabuoth) veranlaßte. Er will in rechter Weise durch die Erziehung in der Jugend die Selbstständigkeit, Berufsthätigkeit und Lebensfreudigkett erzielt wißen. Daß man dieses große Thema, die Erziehung der Jugend, noch in vielfach anderer Weise behandeln kann, versteht sich von selbst. Was aber der Redner darüber heranbringt, ist wahr und gesund und vom echten Geiste der Religion, Sittlichkeit und Humanität erfüllt. Weniger Schwung der Sprache als Innigkeit des Gefühls und Feinheit des Gedankens zeichnen den Redner aus. Man sieht übrigens auch, daß der Redner seine Aufgabe durchaus nicht leicht nimmt, sondern die traurige Veranlassung zu ernsten und gründlichen Erörterungen benutzt. — „Predigt bei dem Dank- und Bittgottesdienst ff. am 5. Juni in der neuen Synagoge zu Breslau von Dr. M. Io l, Rabbiner (Breslau, Hainauer, 1*78)." Anknüpfend an die 5. Mos. 28 vorgeschriebene Eeremonie zur Sühne eines Mordes, dessen Thäter unbekannt, fordert der Redner Jeden auf, dem die Pflege des religiösen und moralischen Lebens obliegt, und dazu gehörten eigentlich Alle, mögen sie Männer der Wisienschaft oder der Praxis sein, sich zu prüfen, ob er das Seinige gethan, damit im Volke Gottesfurcht und Liebe zu den Nebenmenschen herrsche. Er richtet diese Frage zuerst an die Männer der Wisienschaft, dann an die Lehrer der Religion, zuletzt an die, welche die bürgerlichen und weltlichen Seiten des Lebens vertreten. Dieser Hauptgedanke der Predigt ist ungemein zutreffend und prägnant hervorgehoben; die Ausführung scheint uns zu kurz und nur von der Oberfläche hinweggenommen. Daß die Wisienschaft bereits von ihrer „Grenzüberschreitung" zurückgekommen, ihre materialistische Richtung aufgegeben habe, ist wobl eine zu kühne Voraussetzung. Das Wort der älteren Meister hat die Jünger noch lange nicht überwunden. Doch können wir dem kurzen Worte nur die Kraft wünschen, in die Geister recht tief einzuschlagen. -- „Wiener Jüdischer Kikeriki". Unter diesem Titel erscheint in Wien eine humoristische Zeitschrift in hebräischen Lettern und deutscher Sprache. Die uns vorliegende stummer dieses Witzblattes ist recht schön ausgestattct und läßt an Heiterkeit nichts zu wünschen übrig. Diese Zeitschrift erscheint am 1. und 15. eines jeden Monats.

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