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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-02 · Heft 27 (2.7.1878) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 27 (2.7.1878)
Date
1878-07-02
Page
Seite 421 (sequence 5)
Language
German
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421 Allein, wie hatten pe sich getäuscht, wenn sie mit dieser Anhänglichkeit an das Reich auf Entgegenkommen der Wiener lichen Correspondenten der „N. Fr. Pr.", beweist mit matbcmatischer Zuverlässigkeit, daß die ungeheure Mehrheit der Juden Regierung rechneten! Die jüdischen Candidaten werden von! Galiziens noch nicht so hirnverbrannt ist, sich auf Gnade und den Bezirkspaschas niedergekämpft, die Wähler mißhandelt und ■ Ungnade den Polen auszuliefern, am wenigsten, sich unter einterrorisirt, verfälschte Wahlprotocolle trotz aller Proteste be- > ander zu spalten, wo es gilt, geeint der Außenwelt gegenüber stätigt, schließlich den Polen zu Liebe alle ihre judenfeindlichen! zu treten. Unbeirrt durch diese naturwidrige und kurzlebige Anträge im Reichsrathe zum Gesetze erhoben, sowie dem un- Erscheinung der „Musterjudschaft", dieser kleinen chauvinistischen gerechten polnischen Richterstande zu beliebiger Judenverfolgung | Clique, setzt der Schomer Israel seine Culturarbeit fort und die Zügel überlasten. Bei so bewandten Umständen müsten bringt in den nächsten Tagen eine verheißungsvolle Frucht, den sich der politische Muth und Kampfeseifer bedeutend abkühlen, das Vertrauen in die Regierung lockern und der nationale Chauvinismus, wenn nicht der Billigung, so doch apathischer Ruhe als dem practischsten Gefühle eines guten Oesterreichers begegnen. So große Fehler im politischen Leben Kleinmuth und Zurückhaltung sind — bei den bevorstehenden Neuwahlen werden die galizischen Juden keine andern Eigenschaften beweisen. Und doch wären sie ihrer Anzahl und ihrer Beschaffenheit nach berufen, in dem Kampfe zwischen den Polen und den Ruthenen den Ausschlag zu geben. Hiermit sind wir zu jenem betrübenden Ereigniste gelangt, mit dem eine unheilvolle Spaltung im jüdischen Lager eintrat. Ein geringfügiges Häuflein Unzufriedener, und besonders solcher Leute, die gern hohe Ehrenstellen oder mitunter auch einträgliche Aemter zu erlangen suchen, schlug aus den jüngsten Ereignisten Capital, schrieb die Schuld an denselben dem Schomer Israel zu und wähnte durch Schaffung eines neuen Vereins jenem das Lebenslicht auszublasen. Friede mit den Polen um jeden Preis, Polonisirung der jüdischen Schulen u. dergl. mehr war das Programm. Im Anfang ging's leidlich. Etwa «'>0 bis 70 Lemberger, auch ein halbes Dutzend Provinzialen traten den „Friedensmachern", Dorsche Scholem, bei. Ein polnisches Blättchen, Zgoda (Einigkeit), mit einer in jüdischen Lettern gedruckten Beilage, welches zweimal im Monate erschien, war das Organ dieser Friedseligen. Kaum drei Monde waren in s israelitischen Gemeindetag, zur Reife. Bereits sind von 50 geladenen Gemeinden 30 angemeldet, so daß die Majorität der galizischen Juden vertreten sein wird. Die Tagesordnung umfaßt die Organisirung der Einzelgemeinden auf Grund eines einheitlichen Statutes; Bildung eines Gemeindebundes; Errichtung eines Rabbinerseminars u. s. w. Der erstgenannte Gegenstand betrifft ein wahres Lebensbedürfniß der kleineren Gemeinden. Hierzulande sind nämlich die jüdischen Gemeinden wohl reich an Mitgliedern, arm aber an Anstalten für Bildung und Humanität. Der Cultusvorstand trägt die ganze Gemeindekanzlci mit sich, nämlich den Kahalsiegel. Die Auflagen auf die Gemeinden wandern oft die wunderlichsten Wege und dienen den abenteuerlichsten und unsagbarsten Zwecken. Wir wollen nicht weiter in dieser schmerzlichen Wunde wühlen, es genügt wohl, zu constatiren, daß die meisten Gemeinden sich noch auf dem Standpuncte des 16. Jahrhunderts besinden. Ein Statut, das ihnen Oeconomie und Controle in der Verwaltung der Gemeindeabgaben sichert, wird in einem Decennium ganz andere Gemeinden schaffen, welche den Bedürsniffen zeitgemäßer Reform geneigter sein und auch über die nöthigen sinanziellen Mittel gebieten werden. Der Gemeindebund als solcher soll dann den Beruf eines jüdischen Areopags haben, um die Streitigkeiten in und zwischen den Gemeinden zu schlichten — und solche Streitigkeiten sind eben nichts Seltenes. Es wird diese Friedensmission eine der schwierigsten und verdrießlichsten Aufgaben des zukünftigen Land gegangen, schon war das .jüdische Beiblatt aufgegeben jüdischen Centralorgans in Galizien sein. In politischer Be- und der polnische Bestandtheil fand selbst in den Augen echter i ziehung wird die Einheit der Juden, bewirkt durch ihre Vcr- Polen aus der Polackei, christgeborner Söhne dieses Landes, kein Wohlgefallen. Noch ist nicht ein Jahr verfloffen und trotz der lügenhaften Berichte in der „Neuen Freien Presse" hat das Geschäft der Friedensmacherei ein trauriges Fiasco zu verzeichnen. Die Polen, selbst die heißblütigsten, trauen nur dem Schomer Israel irgend eine Macht zu und zeigen sich demselben gefügig, während sie die Einflußlosigkeit des kleinen und immer mehr zusammenschrumpfenden Häufleins Dorschim deutlich erkennen. Die letzte Generalversammlung war von einigung im Gemeindebunde, das kräftigste Schutzmittel, die kräftigste Wehr gegen alle Vergewaltigungsversuche seitens der übrigen Nationalitäten sein. Die Juden in Galizien als Ganzes werden die umworbensten politischen Bundesgenossen sein, denen man für ihre Allianz Antheil an der politischen Herrschaft, Plätze im Landesausschusse einräumen wird, von dem man sie bisher fern gehalten hat. Was nun das Rabbinerseminar betrifft, so ist dessen Einrichtung noch in keiner Weise bestimmt und wird jedenfalls den ganzen 19 Mitgliedern besucht, obwohl mehrere jüdische Reichs-! eingehendsten Debatten unterliegen, aus denen vielleicht ein rathsmitglieder, die nur dem Schomer Israel ihr Mandat ver-^ Institut andern Namens hervorgeht. Auch wird wohl mancher dankten, aus Eigennutz zu dessen Gegnern übergetreten sind.| Tropfen noch ins Meer fließen, bis wir diesen Hochaltar des Dieser eiserne Bund von 19 Mann, einbegriffen den jugend-jüdischen Wissens aufgerichtet erblicken werden. Aber schon der

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