Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1878)
- Date
- 1878-06-25
- Page
- Seite 412 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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412 hiesigen Carolinischen Instituts erwählt worden. Bon dem Verwaltungs-Comite der LandwirthschaftS-Academie wurde Herr Profeffor R. Rubenson hier in erster Linie zum Mitgliede vorgefchlagen. Die neueste meteorologische Arbeit des Letzteren ist in die Acten der Wissenschafts-Academie eingetragen worden. Als Commifsär der Weltausstellung in Paris ist seitens der Regierung für die schwedische Abtheilung Herr Simon Sachs, Chef eines der größten Geschäfrsetablissements hier, erwählt. — Daß iu Schweden nun auch, wohl zum ersten Male, seitdem es besteht, ein jüdisch-musikalisches Werk das Licht der Welt erblickt hat, darüber haben Sie, bereits berichtet, ebenso über den eigentlichen Umstand, mit welch seltener Hochherzigkeit sich ein Christ, Herr Vr. Hedlund dafür interessirte. Der Letztere soll nun auch ein prachtvoll gebundenes Exemplar dem Könige überreichen. Wir wünschen dem geschätzten Berfaffer, Herrn Cantor Baer in Gothenburg die wohlverdiente Anerkennung seines wahrhaft bewundernswerthen Fleißes. Ueber den musikalische» Werth des Werkes hat sich auch unter Anderen eine der ersten Autoritäten in diesem Fache, Herr Obercantor Deutsch in Breslau überaus lobend ausgesprochen. Unsere Gemeindeverfassung datirt vom Jahre 1838 und steht in vielen Puncten nicht mehr im Einklänge mit den jetzigen Berhältniffen. Es hat sich daher ein Comite gebildet, bestehend aus Mitgliedern der drei Hauptgemeinden Stockholm, Gothenburg und Nordköping, das einen neuen Entwurf verfaßt hat, der wohl noch im Laufe dieses Jahres der Regierung zur Sanction vorgelegt wird. Wir werden seiner Zeit Näheres darüber berichten. G. R. Bonn, 16. Juni. (Notizen.) Der Jahresbericht deS Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig über das Verwaltungsjahr 1877 legt den blühenden Zustand dar, in welchem sich die Gemeinde und ihre Institute befinden. Die Gemeinde zahlt jetzt 328 Mitglieder, mit einer Einnahme von 35,297 M., worunter 25,265 M. Steuern und 600 M. städtischer Beitrag. Davon blieben 1055 M. Ueberschuß. In der Synagoge wurde der tägliche Gottesdienst mit befferm Erfolge eingerichtet; in der Religionsschule, welche von 72 Knaben und 7 7 Mädchen besucht wird, erhält auch der liturgische Gesang seine Pflege und wird der Schulchor bei dem Gottesdienst am Freitagabend angewendet. Bei dem kurzen Bestände der Gemeinde als solcher, tritt gewiß die Opserwiüigkeil in derselben aufs glänzendste hervor, wenn wir bemerken, daß nach unserer Berechnung nach den Angaben des Berichtes die wohlthätigen Stiftungen und Vereine, abgesehen von den laufenden Beiträgen und Ausgaben, zusammen bereits einen Vermögensfond von 144,973 M. besitzen. Unter diesem befinden sich vier, welche Stipendien an Studirende vertheilen. — Eine französische Dame (Christin), Madame Bertram, eine Verwandte der Familie Pereire, hat im Namen dieser für 25,000 Fr. das Terrain der „Königsgräber" bei Jerusalem gekauft, um diese berühmten Grabstätten vor weiterer Entweihung zu schützen. I e u i f Das Lliwa in Palästina. Es ist eine alte Streitfrage, ob das Clima in den verschiedenen Regionen der Erde im Lauf der Zeiten sich verändern. Lange behaupteten die Gelehrten, daß die Warme zunähme, bis andere die entgegengesetzte Meinung von der Minderung der Wärme aufstellten, wofür sie verschiedene Gründe anführten. Der berühmte Naturforscher Franz Aragv hat eine Reihe höchst sorgfältiger Untersuchungen „über den Wärmezustanv unserer Erdkugel" in dem „Annuaire du Bureau des longitudes“ angestellt. Wir heben daraus seine Forschung über die Temparatur Palästinas hervor, die er aus dem Grunde besonders versuchte, weil ihm die mosaische Urkunde ermöglichte, sie über drei Jahrtausende zu erstrecken. Er sagt: „Die Stadt Jericho hieß die Stadt der Palmen. (5. Mos. 34, 3. Richter 1, 16.) Die heilige Schrift spricht von den Palmbäumen der Debora zwischen Rama und Bethel" (Richter 4, 4. 5. Zur selben Zeit war Richterin in Israel die Prophetin Debora, ein Eheweib des Lapidoth, und sie wohnte unter den Palmen Debora'«, zwischen Rama und Bethel, auf dem l e t o n. Gebirge Ephraim) „und von jenen, welche längs des Jordan standen. Datteln wurden von den Juden gegeffen; die Früchte wurden getrocknet aufbewahrt, auch wurde eine Art Honig aus denselben bereitet und aus deren Safte machten sie ein gegohrenes Getränk. Die hebräischen Münzen weisen deutlich Palmen mit Früchten bedeckt; Plinius, Theophrast, Tacitus, Josephus, Strabo u. s. w. melden sämmtlich von Palmenwäldchen in Palästina; es ist also unzweifelhaft, daß die Juden diesen Baum in Menge hatten und benutzten." „Wir werden eben so viele Beweise dafür finden, daß sie den Weinbau betrieben und daß der Wein gezogen wurde, nicht um Trauben zu esien, sondern um Wein zu trinken. Jedermann erinnert sich an jene Weintraube, welche Mosis Kundschafter auf dem Boden von Kanaan pflückten und deren Umfang so groß war, daß zwei Männer erforderlich waren, um sie zu tragen (4. Mos. 13, 23); an mehr als zwanzig Stellen wird von den Weinbergen in Palästina geschrieben, das Laubhüttenfest feierte man im Verlaufe der Weinlese, die Genesis spricht von den Weinen von Juda, man weiß demnächst auch noch, daß Wein nicht bloß in den nördlichen und bergigen Gegenden gebaut