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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-25 · Heft 26 (25.6.1878) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 26 (25.6.1878)
Date
1878-06-25
Page
Seite 413 (sequence 13)
Language
German
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413 wurde, denn die Bibel führt namentlich die Weinberge von Engeddi an. Und Strabo sowohl, als Diodor rühmen sehr die Weinberge von Juda; endlich kommt auf hebräischen Münzen die Traube so oft vor, wie die Palme. Wird dies Alles zusammengefaßt, so ergiebt sich daraus. Laß in den entferntesten Zeiten der Palmbaum zugleich mit der Rebe in Palästina angebaut wurde." „Wir wollen sehen, welchen Wärmegrad das Gedeihen der Datteln und der Weintraube fordert." „Zu Palermo ist die mittlere Temperatur —J— 17 Grad C. Die Palme wächst dort, aber ihre Frucht reift nicht; in Catania sind die Datteln ungeachtet einer mittleren Temperatur von 18 bis 19 Grad noch nicht genießbar." „In Algier ist die mittlere Temperatur 21 Grad; dort reifen die Datteln vollkommen (wenn schon im Innern des Landes noch beffere Früchte sind)." „Indem wir von diesen Daten ausgehen, können wir mit Bestimmtheit behaupten, daß in Jerusalem, wo die Cultur der Dattel im Großen betrieben wurde, so daß die Frucht nicht ein Leckerbiffen, sondern die Nahrung des gemeinen Mannes ausmachte, die mittlere Temperatur von Jerusalem keine geringere sein konnte, als zu Algier, woselbst die Dattel eben noch zur Reife kommt. Dadurch aber erfahren wir, daß die mittlere Temperatur von Jerusalem mindestens 21 Grad gewesen sein müffe." „L. v. Buch giebt für die südlichste Lage, in welcher der Weinstock noch gedeihet, die Insel Ferro, eine der canarischen Inseln, an, deren mittlere Temperatur zwischen 21—22 Grad C. fällt. In Kairo, welches 22 Grad mittlere Temperatur hat, findet man wohl noch Wein zu Lauben, aber keine eigentlichen Weinberge mehr. In der persischen Stadt Abusher, deren mittlere Temperatur 23 Grad ist, gedeihet der Wein nicht mehr, außer unter künstlichem Schutz gegen die Sonnenstrahlen, also indem man demselben Schatten macht durch vorgehängte Segel, Matten, oder indem man ihn nicht an Hügeln, sondern in Gräben zieht, welche von der Sonne nicht stark getroffen werden." „Nun wurde aber in Palästina der Weinbau im Großen getrieben, die Temperatur kann also im Mittleren nicht über 22 Grad gewesen sein; die Dattel ist noch vollkommen reif geworden, die Temperatur darf und kann daher nicht unter 21 Grad gewesen sein. So haben uns die Betrachtungen über die dortige Vegetation zur Zeit des Moses darauf geführt, die mittlere Temperatur müffe daselbst 21'/» Grad gewesen sein, wobei wir schwerlich einen Fehler von 1 /•> Grad gemacht haben können. Und welches ist seine jetzige mittlere Temperatur - Directe Beobachtungen haben wir leider nicht, allein durch Vergleiche werden wir dieselbe wohl erhalten, denn da die mittlere Temperatur von Kairo 22 Grad betragt, Jerusalem aber um zwei Breitegrade weiter nördlich liegt, was in dieser Gegend einer Wärmeabnahme von '/r—:>,4 Grad entspricht, so kann Jerusalem keine andere als eine Temperatur von 211/4—21 V> Grad C. haben, woraus wiederum mit Sicherheit hervorgeht, daß die Jahreswärme von Palästina seit 3300 Jahren sich nicht um eine Größe verringert hat, welche annäherungsweise geschätzt werden könnte." „Auch aus landwirthschaftlichen Thatsachen ließ sich die Unveränderlichkeit des Klimas darthun, wenn schon nicht mit solcher Genauigkeit. Der Getreidebau beweist z. B., daß die Temperatur nicht 24—25 Grad übersteige. Die Balsambäume zu Jericho bezeichnen als untere Grenze 21—22 Grad. Die Juden feierten vormals ihr Laubhüttenfest oder die Weinlese Anfangs October. Heutzutage werden die Trauben zu Jerusalem am Ende des September oder zu Anfang des October abgenommen." „Vor Alters fiel die Schnittzeit der Gerste zwischen dem halben April und die Mitte des Mai. Neuere Reisende haben in dem mittäglichen Theile dieses Landes die Gerste um den halben April schon gelb angetroffen, um Acre reift sie erst Mitte Mai. In Egypten, wo die Temperatur viel höher steht, wird die Gerste Anfangs Mai geschnitten." „Man wird begreifen, warum ich (Arago) für einen einzigen Strich Landes so viel Resultate gehäuft habe, wenn man bedenkt, daß Palästina einer jener Punkte des alten Continents ist, welcher diejenigen theilweisen klimatischen Aenderungen am wenigsten empfinden mußte, die in den Werken der Menschen" (Urbarmachen, Austrocknen der Sümpfe, Abholzen) „ihren Grund haben; um so mehr berechtigt die Stetigkeit der Temperatur, welche wir ausgefunden, zu der Annahme, daß die Sonne binnen 33 Jahrhunderten keine Aenderung in ihrer Kraft erlitten habe, eine Behauptung, deren Begründung vielleicht um so weniger überflüssig sein dürfte, als wir Sterne, d. h. entferntere Sonne, kennen, welche wirklich an Licht abgenommen haben, und zwar so sehr, daß sie uns als Sterne erloschen sind." K n z e i g e it. 'TVZ Berlin. C. Zimmer v. Mk. 1.50 an Hötel de Sa\p Omnibus am Bahnhof. Burgstr. Nr. 20 neben der Börse. (b. 3196.)

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