Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1878)
- Date
- 1878-06-18
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
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397 weg. Auch hier bildet das Zeichnen geometrischer Figuren die Grundlage, auch hier treten zunächst Combinationen hinzu und schließen sich an beide die Darstellung von Lebensformen, soweit Umriffe überhaupt für den Blinden bildend erscheinen. Fröbel'sche Formenarbeiten, besonders Flechten und Ausnähen, begleiten den Zeichenunterricht. Dieser wird aus Darstellungen in der Geographie, Geometrie und Rechnen in demselben Umfang, wenn auch nicht immer in derselben Weise, angewenvet, wie dies in der allgemeinen Volksschule geschieht." — In gleicher Weise werden alle Gegenstände nicht auf einem breitgetretenen Wege gelehrt, sondern überall wird an die durch die Natur des Gebrechens bedingte Schranke und Eigenthümlichkeit angeknüpft, hierbei aber nicht experimentirt, sondern von den sichersten Voraussetzungen ausgegangen. So stellen sich uns die in diesem Berichte geschilderten Methoden in allen Fächern, z. B. im Rechnen, in Geographie und Geometrie dar. Die Berköstigung ist gut, sowie auch ein tüchtiger Turnunterricht und häufige Wanderungen, welche zugleich in lehrhafter Weise benutzt werden, für die leibliche Gesundheit ersprießlich sind. Möge diese schöne Strebsamkeit in dem Institute heimisch bleiben, damit es auch für das Allgemeine eine Pflanzstätte des Fortschrittes immer mehr werde! _ Iguatz Sarnay. Wir entnehmen dem „Neuen politischen Volksblatt" in Pest vom 28. Mai folgende biographische Notizen. Jgn. Barnay — im Jahre 1811 zu Toponar im Somogher Comitat geboren, — widmete sich in seiner frühen Jugend den hebr. Studien, kam im Jahre 1825 nach Pest, wo er ein Jahr hindurch die Talmudschule des di. Simon Oppenheimer besuchte, dann aber das Pyaristengymnasium absolvirte, von wo er 1831 als 2. Eminent austretend, zum Studium der Philosophie überging. Um diese Zeit ward er zum obersten Schedator und Curator der gesammten israel. Gymnasialjugend Pest's ernannt, führte die Oberaufsicht über Gottesdienst und Religionsunterricht unter Moses Kunitzer und wurde bald darauf an der hiesigen israelitischen Normalschule als ungarischer Lehrer angestellt. Hier lernte ihn der damalige Gemeindevorsteher Gabriel Ullmann kennen und derart schätzen, daß er 1833 den kaum zwanzigjährigen, jedoch reich talentirten Jüngling, der sich dem Studium der Medicin zuwenden wollte, trotz seines entschiedenen Widerstrebens bewog, die Stelle des Notars bei der Pester isr. Gemeinde anzunehmen; ein Posten, welcher zu jener Zeit mehr denn je eine tüchtige Kraft erheischte, da es sich um große und schwierige Aufgaben in dem eben erst erwachenden Gemeindeleben handelte. Barnay besaß eine schöne Fertigkeit in vier Sprachen: der deutschen, ungarischen, lateinischen und hebräischen, hatte einen fließenden, klaren und doch höchst eleganten Styl, concipirte unübertrefflich rasch und correct, und benützte nun jede freie Stunde, welche ihm die überhäuften Amtsgeschäfte übrig ließen, zu seiner Vervollkommnung; machte juridische Studien, besuchte fleißig die sehr reichen Archive der Stadt, der Statthalterei u. s. w. Große Aufgaben harrten des jungen Mannes, mit dessen Amtsantritte für die Pester israel. Cultusgemeinde eine neue, glanzvolle Aera begann. Bei seinem Amtsantritte war eben die Reorganisirung, resp. Statuirung der Gemeinde im Zuge, da man keine Spur von einer amtsmäßigen Einrichtung, keine ordentliche Protocollführung, kein geregeltes Caffawesen, kein Archiv hatte, die Bildungs- und Humanitätsinstilute erst im Bilden begriffen waren. Da waren eine Menge altherkömmlicher Mißbräuche und Einrichtungen zu beseitigen und neuer Institutionen einzuführen, und alle Arbeit lastete auf seinen Schultern, denn er hatte keine irgendwie befähigte Arbeitskraft zur Seile, unv die damalige Gemeindevertretung besaß wohl sehr viel guten Willen aber — wenig Intelligenz. In jener Zeit wurden die ersten Statuten für sämmtliche Branchen der Gemeindverwaltung ausgearbeitet, geschah die Aufhebung sämmtlicher Winkel-Synagogen und der Uebergang des Cultustempels in Gemeindeverwaltung, die Cultivirung Der Chewra- Kadischa, Reorganisirung der Gemeinde-Normalschule, und veranlaßte die Toleranztaxe — traurigen Angedenkens — vielfache Verhandlungen und Recurse an die Regierung und den Landtag. Bei all' diesen Arbeiten, sowie bei den späterhin in's Leben gerufenen Institutionen und Anstalten der Gemeinde, beschrankte sich aber Barnay keineswegs blos auf die Theilnahme mit der Feder, deren Leistungen mustergiltig gediegen waren. Vom wärmsten Eifer beseelt, mit einem Hellen Geiste und seltener Energie begabt, bildete er — offen oder geheim — die leitende Seele der betreffenden Unternehmung, scheute keine Zeit und Mühe, opferte Erholungsstunden und nächtliche Ruhe , um das rasche Zustandekommen und Gedeihen der Sache zu fördern. So entwickelte er namentlich bei den von rer Gemeinde unternommenen Neubauten — Spital, Normalschule, Tempel, Synagoge :c. eine höchst förderliche Energie, Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit anstrebend, und die strengste Controle übend. Seiner Idee und Initiative verdankt so manche heilsame Institution der israel. Gemeinde ihr Entstehen. Und sein Thatenvrang erstreckte sich nicht allein auf seinen eigentlichen Berufskreis. Der mit der Leitung der Gemeinde eng verbundenen Chewra-Kadischa widmete er stets die regste Aufmerksamkeit und thatigste Theilnahme. Hervorragenden Antheil nahm er auch an der Gründung und Leitung des „Vereins zur Beförderung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Israeliten in Ungarn" (1844), ferner „Magyaritü egylet" (1846), welche beide Vereine sehr bedeutsame Missionen im Interesse des ungarischen Judenthums hatten. In den in früheren Jahren häufiger stattgehabten Landesversammlungen der Judenschast Un-