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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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nützlichen der Hof- und den Universitätsbibliotheken zukommen lasse, die unbrauchbaren jedoch sollten vernichtet werden. Die Commission, die dieses Geschäft zu besorgen hatte, war nicht von wisienschaftlichem Geiste geleitet, wohl aber hatte sie Abneigung gegen bas ganze Klosterwesen und auch gegen die Bücher, die man in Klöstern fand. Es wurden daher zahlreiche Bücher der Vernichtung preisgegeben, die werth gewesen waren, sie aufzubewahren. Im Jahre 17 88 fand man das genannte Werk, welches in die Hofbibliothek nach Wien geschickt werden sollte. Daffelbe findet sich jedoch nicht vor. Ein Anonymus unterbreitete hierauf eine Vorstellung mit Bezug auf das genannte Werk an den Kaiser, die voll Jnvectiven gegen die Juden, die den Heiland gekreuzigt haben, ist. Der Kaiser jedoch bemerkte, man könne die dermaligen Juden, ebenso wenig wie die Christen, für das verantwortlich machen, was Jahrhunderte lang zuvor geschrieben wurde. Derartige Werke könnten auch neu gedruckt werden, wohl aber habe die Censur über Werke, die in neuerer Zeit geschrieben werden, zu wachen. Es mögen nun die Mittheilungen meines Freundes folgen: R. Samuel Morochorum, nach welchem Sie fragen, ist wohl kein anderer als der bei Wolf B. H. Ul. 1100 unter dem Namen ■mrr' btnrns n, von de Rossi S. 208 unter dem Namen Marokki Samuel, von Steinschneider Catal. der Bool. S. 2436 als Samul Maroccaum angeführte Autor, der im XI. Jahrhunderte einen langen Brief an ein Schulhaupt zu „Subjulmera im Marochischen Reiche" (Sedjelmefsa nach Steinschneider», Namens Äsaac, über die vergebliche Erwartung des Messias geschrieben haben soll. Eine deutsche Uebersetzung dieses von den Bibliographen für unecht erklärten Briefes, die nach einer in Prag erschienenen lateinischen Version von „Amando Liebhaber der geistlichen Schriften" zu Troppau herausgegeben worden ist, erhielt ich vor einigen Jahren von einem meiner Schüler, und habe sie der von mir verwalteten Schulbibliothek der hiesigen Cultusgemeince geschenkt. Am Schluffe der Vorrede des Uebersetzers des arabischen Originalwerkes, Alsonsus Bonhomo, heißt es: „Nun fanget an das Send - Schreiben, welches der Rabbi „Samuel ein Jsraelire, aus der Stadt des Marochischen „Königs gebürtig, zu dem Rabbi Jsaac, einem Lehrer rer „Synagog und Schul, übersendet hat, welche im Marochischen „Reiche zu Subjulmeta liegt, im lausenden Jahre nach Ch. G., „darnach aus dem Arabischen in das Latein ist übersetzt wor- Correspou-enz. Wien, im Mai 1878. Das israelitische Blindeninstitut. DaS hiesige „Israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte" ist bis jetzt das einzige seiner Art für Israeliten; aber es ist zugleich so musterhaft nach den Grundsätzen wiffenschaftlich begründeter Blindenpädagogik eingerichtet, daß es einiger näheren Mittheilungen an dieser Stelle wohl werth ist. Das Jntereffe aller Menschenfreunde wird gewiß in hohem Grade durch die edlen Bestrebungen in Anspruch genommen, die sich hier bethätigen. Wir legen dabei den soeben erschienenen Bericht für die Jahre 1875—77 zu Grunde und setzen voraus, daß es dem Leser bekannt ist, wie dieses Institut durch die Bemühungen des Herrn Dr. Ludwig August Frankl 1870 begründet worden. Die Zahl der Zöglinge ist jetzt auf 28 gestiegen, 18 Knaben und 10 Mädchen. Thatig sind an dem Institut 4 Lehrer und eine Lehrerin, sowie 2 technische Lehrer. Der jüngste Zögling zählt 8, der älteste 19 Jahre; 7 sind aus Galizien, 6 aus Ungarn, 4 aus Böhmen, 4 aus Wien, je 1 aus Niederösterreich, Croalien und Rußland. Eine hochgestellte Familie übersiedelt auf die Hohe Warte, um ihr einziges Kind als externe Schülerin in dem Institut unterrichten zu lasien. Am 24. Mai 1877 verließ zum ersten Mal eine Schülerin, nachdem sie 20. Lebensjahr erreicht hatte, die Anstalt. Um einen eigenen Erwerb zu beginnen, erhielt sie einen Rouleaux-Webstuhl sammt Werkzeug und Zubehör, Arbeitsmaterial und Wohnung sür drei Monate, ein Gebeibuck und die anderen Lehrbücher in Blindenschrift. Es wird interessiren, zu erfahren, daß die Blinde von Ende August 1877 bis Mme März 1878 in sieben Monaten 137 ft. reinen Gewinn verdient hat. Der Bericht sagt: „Der Unterricht, welcher unseren Zöglingen in einer oberen und einer unteren Abtheilung erlheilt wird, zerfällt in einen literarischen, musikalischen und technischen Theil. Die Gegenstände des literarischen Unterrichtes sind: Religionslehre, biblische Geschichte, Ebräisch-Lesen und Uebersetzen, Deutsche Sprache, Rechnen: geometrische Formenlehre, Erb- und Naturkunde, Geschichte, mündlicher und schriftlicher Gedankenausdruck, Zeichnen, Modelliren, Uebung der Sinne. Der musikalische Unterricht hat Gesang, Clavier- und Biolinspiel zum Gegenstände. An dem Gesangunterrichte nehmen alle Schüler Theil, 5 Zöglinge erhalten Clavier-, 5 Biolinunrerricht. Den blinden Kindern soll die Tonkunst einen reinen Genuß gewähren, ein iöftud zur ästhetischen und Gernüthsbilrung werden, und ihnen draußen im Leben manche einsame Stunde nach des Tages Arbeit erheitern; Erwerbserlangung durch Musik streben wir nur dadurch an, daß wir besonders befähigte Zöglinge zu Clavierstimmern ausbilden lasten wollen. Die Gegenstände des technischen Unterrichtes sind: Das Bürstenbinden, Korbflechten, Seffelflechten, Manenschlagen und Rouleauxweben. Die letztgenannte Beschäftigung erscheint, in unserem Institute zuerst eingesührt, als eine Erweiterung der von Blinden bisher betriebenen Gewerbe. Die Erfolge des technischen Unterrichtes berechtigen uns zu der Hoffnung, daß fast alle unsere Zöglinge einst im Stande sein werden, ihr Brod durch ihrer Hände Arbeit zu erwerben. 25*

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