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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 ganzen Lande hochgeehrtes Glied gelichtet, durch das am 26. Mai erfolgte Hinscheiden deS Herrn Dr. Abraham de Pinto, Landesadvokaten:c. rc. im Haag. Wir können kein unparteiischeres Urtheil als das des „Handelsblad" über die hohen Verdienste, Berühmtheit und vortrefflichen Eigenschaften des Verblichenen wiedergeben, und lassen daher im Auszuge die betreffenden Artikel folgen. Das Handelsblad meldete am 27. des vorigen Monats: „Unser Vaterland, die Residenzstadt, das Haag'sche Advokaten-Collegium und eine Reihe öffentlicher und confessioneller Vereine haben einen großen Verlust erlitten durch das in vergangener Nacht eingetretene Ableben des Herrn Dr. Abraham de Pinto, eines unserer kundigsten Rechtsgelehrlen, Decan des Barreaus, Landesadvokat, Hauptredacteur der Zeitschrift für Rechtswissenschaft, Ritter des Niederländischen Löwenordens, Mitglied des Gemeinderathes und der Local-Schulcommission, des portugiesischen Oberconsistoriums, Vorsitzender der Gesellschaft zum Heil der Israeliten in Niederlande. Morgen würde er in's 68. Lebensjahr eingetreten sein." In der Nummer vom 28. Mai finden wir folgenden rühmlichen Nekrolog: „Der Landesadvokat Dr. Abraham de Pinto, dessen Hinscheiden wir gestern gemeldet, bekleidete in unserem Lande, namentlich auf dem Gebiete der Rechtswiffenfchaft, während länger denn eines Vierteljahrhunderls einen ersten Rang. Er glänzte nicht allein in der Advokatur, diesem Amt, das er über jeden Beruf stellte, das er als einen der Pfeiler der Gesellschaft betrachtete, und wofür er wie geschaffen war. Auch als Schriftsteller hat er sich großen Ruhm erworben, und er stand obenan unter den niederländischen Rechtsgelehrlen dieses Jahrhunderts. Ein großer Theil unserer Juristen hat ihm ihre weitere Ausbilvung zu verdanken, denn er war es, der sofort nach Einführung unserer nationalen Gesetzgebung, am 1. October 1838 promulgirt, die Commentare zu den neuen Gesetzbüchern herausgab, vie meistentheils, bis vor ganz kurzer Zeit, von jedem Rechtscandidaten eben so sehr studirt wurden, als die Mittheilungen ihrer Docenten. Unter Anderem werden seine Bearbeitungen über das Proceßrecht noch stets als das vorzüglichste Werk dieser Art geschätzt. Seine Schriften zeichneten sich namentlich durch Klarheit und Bündigkeit aus. Aber nicht allein für die beginnenden Juristen hatte er gearbeitet, er hatte auch besonders große Verdienste um das Barreau, die Rechtspraxis und die Rechtsgelehrtheil durch vierzigjähriges Wirken erworben. Er leitete zwei der hervorragendsten Fachzeitschriften unseres Landes „De Themis“ (im Verein mit Anderen) und „Hel Weekblad von het Regt“. Als Mitarbeiter der „ Regtogeleerde Adviezen“ hat er die juristische Literatur sehr bereichert. Trotz seiner großen Praxis und umfassenden wissenschaftlichen Thätigkeit fand de Pinto doch noch Zeit genug, um sich am öffentlichen Leben zu betheiligen. Lange Zeit war er äußerst thätiges Mitglied des Gemeinderathes der Residenz, und das angrenzende Scheveningen verdankt ihm viel, weil er sein Aufblühen sehr förderte und sich sehr wohlthätig zeigte, wenn die Noch an das arme Fischervolk herantrat. Außerdem beherzigte er mit großem Eifer die Jntereffen des israelitischen Gemeindewesens in vielerlei Hinsicht. Er war Errichter der Gesellschaft zum Heil der Israeliten in Niederland. Das Haagsche Waisenhaus hatte sich seiner besondern Sympathien in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied zu erfreuen. Als vor Kurzem der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende des Caffationshofes (Hooge Raad) installirt wurden, war de Pinto durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert. Er konnte also die beiden Vorsitzenden in seiner Eigenschaft als Decan des Barreaus nicht beglückwünschen, wie er so oft bei den verschiedenen Rechtscollegien gethan. Es wurde jedoch seiner auch bei dieser Gelegenheit rühmend gedacht. Der stellvertretende Vorsitzende bezeugte, daß der Gehalt des Advokatenstandes auf glänzendste Weise bekundet werde durch feinen Decan Dr. A. de Pinto, der mit großer Gelehrtheit und weithin berühmtem Namen in so ausgezeichneter Weise Einfachheit und hohen Sinn vereinigt. Dieses Lob war in vollem Maße verdient. Man kann noch hinzufügen, daß de Pinto human im wahren Sinne des Wortes war. Er scheute Niemand, wenn es die Wahrheit auszusprechen galt, aber er war nie sarcastisch, was so oft in Persönlichkeit ausartet und bittere Feindschaft erregt. Sein heiteres herzliches Wesen trug dazu bei, daß er allgemein geachtet war und nur Freunde hatte." Bei der am 28. Mai in Haag stattgehabten Beerdigung von Dr. de Pinto folgte dem Sarg eine große Zahl Theilnehmender. Auf dem portugiesischen Begräbnißplatze schloffen sich denselben noch viele Bewohner der Residenz, von Scheveningen und anderen Orten an, wie Mitglieder der Magistratur, des Barreaus, des Gemeinderathes, confessioneller und wohlthätiger Vereine, und Personen aus allen Claffen und Standen, unter Anderen auch die Oberlehrerin und Lehrerinnen einer der Scheveninger Schulen, welche einen Kran; auf das Grab niederlegten. Nachdem Herr Oberrabbiner Ferrares die Leichenrede gehalten, sprachen u. A. Dr. Wintzens als Vertreter des Barreaus, der Bürgermeister der Residenz Dr. Gevero Deynoot, Profeffor Goudsmir aus Leiden, Dr. de Pinto, Mitglied des Caffationshofes, gefühlvolle Worte des Abschieds, in welche» des Dahingeschiedenen Wirken sowohl als Mensch, wie auch als Rechtsgelehrter, als Schriftsteller, als eifriger Wahrnehmer der Jntereffen der Religionsgenoffenschaft und der Gemeinde, als treuer Freund und als Förderer von Allem, was edel und gut ist, rühmlichst hervorgehoben wurde. 51. K. Türkei. Pariö, im Juni. Der jüngste Monatsbericht der „ Alliance israelile universelle“ enthält über die Flüchtlinge folgenden Be-

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