Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 391

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227203--36332-3306366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

391 Pest, 2. Juni. (Privatmitth.) Heule fand die feierliche Uebergabe des bereits seil 4 Jahren in Thätigkeit getretenen „Israelitischen Lanres-Taubstummen-Jnstitutes" an die israelitische Pester Gemeinte statt, womit die Formalität der Einsetzung des Schlußsteines verbunden war. Bekanntlich ist dieses segensreiche Institut durch ein Legat des sel. Anton Fochs gegründet worden und das für dasselbe errichtete Gebäude in seinen Einrichtungen und seiner Architektonik äußerst gelungen, wie auch in dieser Zeitung bereits ausführlich beschrieben worden. Es hatte sich ein distinguirtes Publikum eingefunden; darunter der Präsident des Abgeordnetenhauses, Koloman Ghyczy, der Staatssecretär im Ministerium des Innern, Baron Gabriel Kemöny, der Staatssecretär im Cultus- und Unterrichts-Ministerium G. T a n ä r k y, Ober-Bürgermeister R ä l h, Stadthauptmann T h a i ß, Bürgermeister Kammermayer, Vice - Bürgermeister Gerlüczy, K. Rath und B. F. Weiß, I. Deutsch, der sich um die Errichtung der Anstalt große Verdienste erworben, Di*. Moritz Ballagi, zahlreiche Damen, Vertreter der hauptstädtischen Repräsentanz, des Vorstandes und der Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde, Abgeordnete israelitischer Provinz-Gemeinden, Notabilitäten und Vertreter der hauptstädtischen Intelligenz. Nach einem schönen, vom Obercantor Friedmann componirten Chorgesang «Psalm 124», gab zuerst der Vorsteher des Testamentsvollstrecker-Collegiums, Herr Hermann Neuwelt, einen trefflich abgefaßten Bericht, welchem die Ceremonie des Schlußsteinlegens folgte. Hierauf hielt Herr Prediger Dr. S. Kohn die Festrede in ungarischer Sprache, welche so geist- und schwungvoll war, daß sie dem Redner die volltönendsten Elsens und die Beglückwünschung vieler Anwesenden einbrachte. Nun betrat Ober - Bürgermeister R ä t h die Tribüne und erklärte es für seine angenehme Pflicht, die israelitische Gemeinde im Namen der Budapester Jurisdiction zu begrüßen, und besonders den Testamentsvollstreckern für deren Thätigkeit den Dank der hauptstädtischen Behörde auszusprechen. Dies sei ein Freudentag, nicht allein für die israelitische Gemeinde, sondern für die Hauptstadt überhaupt, die um ein schönes humanitäres Institut bereichert wurde. Den zum Schluffe ausgesprochenen Segenswünschen des Redners für die Anstalt und die Gemeinde folgte ein allgemeines dankbares Eljenrufen. Jetzt sollte das Publikum auch einen Begriff von der Wirksamkeit der Anstalt erhalten, durch eine kurze Prüfung, die mit den Zöglingen vorgenommen wurde. Diesen Act leitete der Director des Instituts, Herr Grünberg, mit einer kurzen Ansprache über die bisherige Wirksamkeit der Anstalt ein, die mit sieben Zöglingen eröffnet wurde, und jetzt deren zweiundzwanzig zählt. Diese wurden nun hereingesührt, gut aussehende, fröhlich blickende Knaben und Mädchen im Alter von sieben bis etwa zwölf Jahren, in drei Claffen eingetheilt. Sie antworteten auf die Fragen des Directors und der Lehrer oft mit weithin vernehmlicher Deutlichkeit und schrieben alle an sie gerichteten Fragen und Antworten darauf mit Kreide, in sauberen, sicheren Schriftzügen und correct auf die Tafel. Auf diese Art erklärten sie verschiedene Bilder, wußten Kunde zu geben von Adam und Eva, von Kain und Abel, und legten schließlich an der Rechenmaschine, sowie auch an der Tafel Proben ihrer Rechenkunst ab. Die freudigen Eljenrufe, mit denen die überraschenden Leistungen ausgenommen wurden, konnten die Kleinen leider nicht hören; aber der Beifall galt ja nicht bloß ihnen, sondern auch den wackeren Lehrkräften. Schweiz. Basel, 31. Mai. (Privatmitth.» Bis jetzt ist die Angelegenheit des rumänischen Handelsvertrages mit der Schweiz noch in der Schwebe, und das Beispiel Deutschlands und Italiens wird hoffentlich eine wohlthätige Wirkung üben. Der vom Bundesrathe Unterzeichnete Vertrag muß dem Nationalrathe vorgelegt werden. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat nun sämmtlichen Gemeinden der Schweiz eine Aufforderung zugesandt, Delegirte nach Bern zu senden, um gegen jeden Vertrag zu prolestiren, der unmittelbar oder mittelbar die schweizerischen Israeliten in dem betreffenden Lande an ihren gleicben Rechten kränken könnte. Am 2. Juni wird die Versammlung der Delegirten stattfinden, da alle Gemeinden zugesagt haben. — Es wäre ein Jrrthum, wenn man glaubte, daß die Angelegenheit des Bürgerrechts der israelnifchen Gemeinden im Aargau bereits vollständig geordnet sei. Trotz der entschiedenen Erlaffe des Bundesrathes wiffen die christlichen Ortsgemeinden zu Lengenau und Envingen immer wieder Schwierigkeiten zu erheben, und da man die jüdischen Gemeinden dieser beiden Ortschaften zu separaten politischen Gemeinden mit gesondertem Vermögen gemacht hatte, so sind jetzt erst Verhandlungen im Zuge, um die Bermögensfrage zu regeln. Denn von Anfang an war das Hauptmotiv für den Widerstand cer christlichen Bevölkerung jener Orte nur das, die Juden an rem Gemeindevermögen des Ortes nicht theilnehmen zu laffen, obschon dieses Letztere durchaus nicht etwa von den Christen allein herrührt, sondern durch die Abgaben der Juden seit Jahrhunderten erhalten und vermehrt ward, während den Juden kein Mitgenuß zugestanden war. Wie gesagt, wird jetzt an einem Ausgleich gearbeitet, über welchen seitens der Juden der Vorstand des schweizerisch-israelitischen Culturvereins verhandelt. Bern, 3. Juni. Eine gestern hier stattgehabte, von 74 israelitischen Gemeinden der Schweiz durch Delegirte beschickte Versammlung beschloß. der Bundesversammlung ein gegen den rumänischen Handelsvertrag gerichtetes Memorandum zu überreichen. Holland. Amsterdam, 2. Juni. (Privatmitth.) Die Zahl unserer hervorragenden Glaubensgenoffen hat sich wieder um ein im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.