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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 ihr Ausbleiben entschuldigt. Die Berathungen wurden an einem Tage in zwei Sitzungen erledigt. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Bericht des Propaganda - Comitös für Gründung eines Vereins zur Heranbildung von jüdischen Religionslehrern in der Provinz Posen. Die bis jetzt gezeichneten Jahresbeiträge betragen rund 2400 Mark, der eiserne Fonds deS Vereins besitzt gegen 1000 Mark Vermögen. Die Versammlung beschloß, zur Constituirung des Vereins zu schreiten und wählte auS ihrer Mitte eine Fachcommission von 5 Mitgliedern mit der Aufgabe, nach den Vorschriften des bereits im vorigen Jahre veröffentlichten provisorischen Statuts die berufenen Vereinsorgane zu creiren und dafür zu sorgen, daß der Verein baldmöglichst in Wirksamkeit trete. Hierauf referirte Rabbiner Di-. Baek (Liffa) über die Grundzüge eines Lehrplanes für Heranbildung von jüdischen Religionslehrern. In der daran sich knüpfenden Debatte wurde namentlich betont, daß sowohl das bei aufzunehmenden Bereinsschülern erforderliche Maß von Vorkenntnisien nicht zu gering als auch das zu erreichende Unterrichtsziel nich zu niedrig angesetzt werden dürfe. Die Modalitäten der Ausführung, die Acquisition geeigneter Lehrkräfte rc. bleiben der Fachcommission überlaffen. Auf der Tagesordnung stand ferner die Frage über die Stellung der Rabbiner in Preußen. Nachdem Rabbiner Dr. Porges (Nakel) darüber referirt hatte, wurde auf seinen Antrag beschloffen, diese Frage, da eine praktische Lösung derselben vor der Hand nicht möglich erscheine, auf sich beruhen zu laffen. Es wurde indeffen hervorgehoben, wie die Stellung der Rabbiner in Preußen mit der Stellung des Judenlhums daselbst auf's Engste Zusammenhänge, und eine Commission gewählt, die über die Mittel und Wege berathen soll, die gesetzliche Anerkennung des Judenlhums als Confession zu erlangen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, dahin gehend, daß die Provinzial-Rabbiner-Versammlung, resp. der permanente Ausschuß derselben sich bereit erklärt, bei Streitigkeiten zwischen Rabbiner und Gemeinde vermittelnd einzutreten. Den dritten und letzten Punkt der Tagesordnung bildete bas Referat des Rabbiner l)r. Holländer aus Wreschen über Religionsschulen. Die Debatte darüber konnte für diesmal nicht erschöpft werden, und es wurde beschloffen, Liesen Punkt, sowie einen dahingehenden Antrag, daß die Rabbiner- Conferenz in ihren alljährlich statlfindenven Sitzungen sich auch eine wiffenschafiliche Tendenz aneignen möge, auf die Tagesordnung der nächstjährigen Conferenz, die in Posen abgehalten werden soll, zu setzen. Mit dem Danke an Alle, die sich um das Zustandekommen und den Erfolg der Conferenz verdient gemacht, und besonders auch an die Mitglieder der hiesigen Gemeinde, die den auswärtigen Rabbinern eine überaus gastfreundliche Aufnahme bereitet hatten, wurde die Versammlung geschloffen. Eine angenehme Unterbrechung erfuhr die Vormittagssitzung durch das Erscheinen des Herrn Benjamin Ephraim aus Militsch, der dem Präsidium 300 Mark als Beitrag zum eisernen Fonds veS Vereins zur Heranbildung von Religionslehrern überreichte. Auch erhielt die Versammlung einen erfreulichen Beweis der Würdigung ihrer Bestrebungen seitens des Ausschuffes des deutschisraelitischen Gemeindebundes in Leipzig. Derselbe übermittelte der Rabbiner-Conferenz auf telegraphischem Wege den Ausdruck seiner vollsten Sympathien, nachdem er schon zuvor brieflich seine Geneigtheit zu erkennen gegeben hatte, einigen auf Kosten des Vereins heranzubildenden Zöglingen nach Kräften Unterstützungen zuzuwenden. Die Versammlung begrüßte freudig diese Symprthiebezeigung, sowie die erthaltene werthvolle Zusage und beschloß, ihren Dank telegraphisch und brieflich zu erwiedern. Oesterreich - Ungarn. Lemberg, 2. Juni. (Privatmitth.) Der unermüdlich thätige Schomer-Israel-Verein hat ein Circulär an die jüdischen Gemeinden Galiziens versandt, um sie aufzufordern, Delegirte zu einem „Gemeindetage" zu senden. Auf demselben sollen alle gemeinsamen Angelegenheiten berathen werden. Zunächst gilt es dem Gemeindewesen selbst, indem sehr zahlreiche Judengemeinden sich noch immer aus Unkenntniß auf dem Boden des Josephinischen Gesetzes, also unter strengster Vormundschaft befinden und vom 15. Art. der Grundrechte der Decemberverfaffung, der ihnen Autonomie gewährt, trotz zehnjähriger Geltung noch heute keinen Gebrauch machen. Bor Allem jedoch wird das Schulwesen, welches in Galizien noch so sehr im Argen liegt, alle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen müssen. Die wenigsten galizischen Städtchen haben Schulen, auch kaum die Mittel solche zu erhalten und die Jugend wächst daher in gänzlicher Unwissenheit auf. Soll die Kluft zwischen den gebildeteren Israeliten der größeren Städte und den übrigen des Landes nicht immer größer werden, so groß wie in jener Zeit, wo der Ausdruck 2? aus ähnlichen Verhältnissen entstand, so muß dem Mangel an Schulunterricht abgeholfen werden. Von hier aus ergiebt sich der Uebergang zu der Rabbiner-Seminarfrage wie von selbst. Auch in Galizien sterben jetzt die Talmubgelehrten aus, ohne einen Nachwuchs zu hinterlassen, und es ist eine ganz falsche Vorstellung im Auslande, als ob in Polen das Talmudstudium noch in seiner wirklichen Blüthe stehe. Eine Pflanzstätte für die wissenschaftliche jüdische Theologie aufzurichten, ist daher ein dringendes Bevürfniß. Der Verein Schomer-Zsrael giebt auch ein zweimal monatlich erscheinendes Blatt, „Lemberger Israelit" heraus, und macht durch dieses sein Organ große Anstrengungen, um den Gemeindetag zu Stande zu bringen. Bis jetzt haben folgende Gemeinden ihr Erscheinen angekünbigt und ihre Deputirten namhaft gemacht: Boryslaw, Brody, Drohobycz, Jaroslau, Kolomea, Kopyczynce, Mielec, Mosciska, Sieniawa, Sakolow, Stanislau, Tarnow, Turka, Tysmienitz, Ulanow, Zolkiew. Da unter diesen sich so bedeutende Gemeinden befinden, ist wohl das Zustandekommen des Gemeinvetages als gesichert anzusehen, wenn auch zu dessen Vollständigkeit noch viel fehlt.

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