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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 6ii<xcfaiocfeteu. Deutschland. Berlin, 9. Juni. (Privatmitth.) Das Schabuoth-Fest wurde in allen hiesigen Synagogen benutzt, um einen feierlichen Dank- und Bitt-Gottesdienst für die Errettung und Genesung unseres allverehrten Kaisers damit zu verbinden. Der Besuch der Gotteshäuser war ein überaus starker, und man konnte überall den Gesichtern und der Haltung der Anwesenden die tiefe Rührung und Andacht ablesen, welche die Herzen erfüllte. (Gleiches fand in allen Synagogen des Landes und der übrigen deutschen Staaten statt, wie zahlreiche Mittheilungen bekunden. Redact.) In der That hat der grauenhafte Vorgang nicht bloß die Bedeutung eines verabscheuenSwerthen Verbrechens gegen die geheiligte Person des Staatsoberhauptes, sondern sie ist zugleich von der weittragendsten Wirkung in staatlicher Beziehung, ja vielleicht für die ganze menschliche Gesellschaft. Die Vorsehung läßt bisweilen einen Wendepunkt gleichsam durch eine nachdrückliche Verwarnung für die Menschen eintreten. Wenn die Gesellschaft an einem Abgrund steht, laßt die Vorsehung sie durch ein plötzliches Ereigniß in die Tiefe schauen, in welche sie hineinzustürzen droht, ohne sich dieser Gefahr vollständig bewußt zu sein. In Deutschals Warnungen für die ganze menschliche Gesellschaft eingetreten und sie müssen den Wendepunkt abgeben, von wo aus die letztere den Kampf gegen das schauerliche Ungethüm energisch beginne. Schon sind aller Orten kräftige polizeiliche und richterliche Maßnahmen getroffen, um die Versammlungen zu verhindern und die Schuldigen bei jeder Aeußerung ihrer Gesinnung zu treffen. — Aber auch vor einen anderen Wendepunkt wird das deutsche Volk gestellt. Es besteht dieser in der Auflösung des deutschen Reichstages und der vorzunehmenden Neuwahlen. Auch hier ist es meine Aufgabe nicht, diesen Schritt der preußischen Staatsregierung zu kritisiren. Wohl aber müssen wir uns die möglichen Folgen klar zu machen suchen, um uns als Bürger zur Wahl vorbereitet zu haben. Denn zweifellos wird ein sehr erhitzter Parteikampf eintreten. Die Motivirung des Antrages hat sich zwar zu Gunsten der liberalen Grundsätze, aber gegen die bisherigen liberalen Parteien im Reichstage ausgesprochen. Die Frage ist, ob diese Unterscheidung factisch sich durchführen lasse? Wenn die liberale Partei im Reichstage herabgemindert werden soll, so müssen dafür die conservativen Elemente vermehrt werden. Wie bald aber diese ihrer Natur nach auch gegen die liberalen Grundsätze anstürmen werden, kann nicht zweifelhaft sein. Es tritt dann entweder derselbe Conflict zwischen Staatsland hatte die Socialdemvkratie eine Gestalt und einen Umfang regierung und Reichstagsmehrheit ein, wie er als jetzt bestehend angenommen, welche mit der Zeit die furchtbarsten Erschütterungen {von jener Motivirung bezeichnet wird, oder die Staatsregierung herbeiführen konnten, jetzt aber schon eine Verwilderung einiger wendet sich den sog. Conservativen völlig zu. Dies müssen wir Schichten des Volkes bewirkt haben, die höchst beklagenswerth ist. uns als Staatsbürger deutlich machen, und mit der Pflicht für Nun ist es ja Thatsache, daß man den Socialdemokraten ganz freien Spielraum gelassen hat, durch Vereine, Versammlungen und die Presse die Massen an sich zu ziehen und alle Mittel der Gesellschaft zum zerstörendsten Kampfe gegen diese zu benutzen. Ich will hier nicht untersuchen, an wem die Schuld liegt, aber das Factum ist da. Von keiner Seite her wurde dieser wüthenden Sttömung ein Damm gesetzt. Im Gegentheil: Neben der demokratischen Partei des SocialiSmus trat eine sich wissenschaftlich dünkende und gebende, und endlich auch eine pietistisch - kirchliche auf. Beide erachte ich für sehr gefährlich. Denn die erstere erzieht dem Sccialismus die zukünftigen Führer, die letztere ist voll Haffes gegen Alles, was nicht ihrem beschrankten Gesichtspunkte angehört und bedeckt da« Irreligiöse und Unsittliche mit dem Scheine der strengsten Religiosität. Dies hat die christlich-sociale Partei während ihrer kurzen Existenz bereits hinlänglich bethätigt, denn sie gießt ihren ganzen Geifer besonders gegen die Juden aus, und der theologische Professor v. d. Goltz hat in dem jüngsten Heft der „Deutschen Revue" klar nachgewiesen, daß die Führer dieser Partei, namentlich Hofprediger Stöcker, vom wirklichen Boden der Kirche sich völlig gettennt hätten. Mitten in dieses Gewirre, in dieses tumultuöse Durcheinander sind die wiederholten Mordversuche gegen unseren Kaiser diese gehr auch die als Juden Hand in Hand. Denn was die Gesinnung und Absichten der conservativen Parteien gegen uns betrifft, so haben sie daraus niemals ein Geheimniß gemacht und ihre Oberherrschaft in Verwaltung unv Gesetzgebung würde für uns sicherlich die größten Nachtheile bringen. Die kleine Fraction, die sich liberalconservativ nennt, würde uns keinen Schutz gewähren, und es sind schon Einflüsse genug vorhanden, welche unsere Gleichberechtigung möglichst zu beschränken suchen, als daß wir deren Stärkung wünschen und fördern sollten. Das deutsche Volk ist nun berufen, für die nächste Zukunft die Richtung zu bestimmen, die einzuschlagen wäre. Möge es von Einsicht und bestem Willen geleitet werden! Krotoschin, 3. Juni. (Privatmitth.) Die dritte Posener Provinzial-Rabbiner-Conferen; fand Dienstag den 28. d. Mts. in Kuschke's Saal statt. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. Joi-l von hier. Von den 30 in der Provinz amtirenden Rabbinern waren 15 anwesend, unv zwar die Rabbiner Dr\ Baek (Lissa), Bloch (Posen), Bloch (Jarotschin), Feilchenfelv (Posen), Freimann (Ostrowo), Holländer (Wreschen), Horowitz (Gnesen), Joel (Krotvschin), Labaschinski (Borek), Lewin (Koschmin), Münz (Kempen), Nager (Wronke), Porges (Nakel), Rosenzweig (Birnbaum), Silberberg (Plefchen), die übrigen 15 hatten

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