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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-18 · Heft 25 (18.6.1878) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 25 (18.6.1878)
Date
1878-06-18
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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387 mittel angewenvet werden. Jener wirkt in steigendem Maße ' durch Vereine, Versammlungen und die Presse, so muffen ihm riefe Wege abgeschnitten werden, und zwar in kräftigster Weife. Man wendet hiergegen ein, daß der Socialismus, wenn ihm i alles öffentliche Auftreten unv Wirken entzogen ist, doch insgeheim und durch Uebertragung von Mann zu Mann fortwühlen werde. Allein es verhalt sich dies wie mit den öffentlichen Spielbanken, deren Verbot zwar das Spiel nicht ganz verhindert, dennoch aber Tausende vom gewiffen Untergänge zurückhält. In öffentlichen Versammlungen, durch die Vereine und Presse werden Tausende gewonnen, wahrend heimliches Weitertragen mühselig einige Hundert sammelt. Auch giebt das freie, ungehinderte Vorgehen der Partei den Nimbus einer gewissen Autorität, einer gewiffen Anerkennung von Seiten der Gesellschaft, einer gewissen Berechtigung von Seiten des Staates, so baß man unzählige Male von den Leuten erklären hört: „Ich bin Sccialist". Hat der Staat das Recht und die Pfiicht, jeder Emeute kräftig entgegenzutreten, so liegt ihm diese bei der offenen Ankündigung derselben nicht minder ob. Es versteht sich von selbst, daß hierbei, so schwierig es auch sein mag, jede Linie zur Reaction vermieden werden muß. Aber auch zeitweise einige Opfer auf diesem Gebiete zu bringen, erfordert das gefährdete Wohl der Gesellschaft, und der Liberalismus muß soviel Vertrauen zu sich selbst besitzen, um sich überzeugt zu halten, daß die Grundsätze des Rechtsstaates nicht mehr erschüttert werden können. — Allein diese Vorbcugungsmittel reichen nicht aus. Wenn wir die Förderung der socialdemokratischen Partei in Deutschland durch den Claffenkampf erklärten, so leuchtet es ein, daß bas positive Heilmittel in dem Aufhkren dieses Claffenkampfes dem Socialismus gegenüber liegen muß. Diesem Feinde aller übrigen Claffen wirksam entgegenzutrelen, müssen sich alle die Hände reichen, sich alle vereinigen, die unermeßliche Kraft der Gesellschaft zur Beseitigung des Socialismus gemeinsam zu verwenden. Ein geschloffenes Ganze müssen sie bilden, um einerseits durch alle geistigen und materiellen Mittel die Beschwerden und Nachtheile der Besitzlosen, soweit die gangbaren Wege sich dazu finden lassen, zu beseitigen ober doch zu mildern, andererseits durch dieselben geistigen und materiellen Mittel den Socialismus niederzukämpfen. Es ist hier nicht der Ort, dies weiter auszuführen; aber vereinten Anstrengungen ist bereits oft genug die Heilung krankhafter Erscheinung am Organismus der Menschheit gelungen, als daß wir nicht einen gleichen Erfolg auch in diesem allerdings schwierigen Falle erhoffen sollten. Mir Ernst und Kraft einer Gefahr entgegentrelen, heißt riese schon zu einem großen Theile abschwächen. Wo sich eine Masse zusammenfindet, verliert sie sich auch bald wieder, wenn sie die Unmöglichkeit einsieht, ihr Ziel zu erreichen. Es ist das Eigene an jeder Umsturzpartei, daß sie, um ihre Schaaren zusammenzuhalten, nicht allzulange warten unv zögern darf. Aus einem Umsturz wird daher in der Regel eine Ueberstürzung, welcher dann ein völliger Sturz folgt. Auf diesen gefährlichen Punkt scheint die Socialcemokralie angelangt zu sein, und so wird es der Gesellschaft nicht fehlen, wenn sie ihre Kräfte sammelt, dem Socialismus auch in Deutschland ein Ende zu machen. Wir haben nun noch eine Betrachtung über den Socialismus im Allgemeinen und über die Stellung des Judenthums zu ihm hinzuzufügen. Der Congrrß. II. In der Plenarsitzung der Ungarischen Delegation stellte der Delegirte Moritz Wahrmann an den Minister des Aeußern folgendes schriftlich überreichte Ansuchen: „Mil Rücksicht darauf, daß bei Gelegenheit des für den 11. d. nach Berlin einberufenen europäischen Eongreffes auch die Frage Rumäniens zur Sprache kommen wird, erlaube ich mir in meinem Namen sowohl, wie in dem mehrerer Eollegen an den geehrten Minister des Aeußern folgende Frage zu Ist Se. Excellen; der Herr Minister des Aeußern gesonnen, bei dieser Gelegenheit auf jene erniedrigende und verletzende Behandlungsweise zurückzueenken, welche die israelitischen Bewohner Rumäniens in diesem Lande erfahren, und ist er gesonnen, für das Interesse dieser Unglücklichen im Namen der Grundsätze der Eivilisation und Gleichberechtigung seinen Einfluß gellend zu machen?" Dieses Ansuchen ist noch von folgenden Delegirten mitgeferiigt: Stephan v. Bitto, Graf Victor Zichy-Ferraris, Alexander Bujanovics, Clemens Ernuszt, Baron Franz Fiath, Wilhelm Todth, Graf Emanuel Pechy, Gabriel Barady, Georg Nagy, Graf Albert Apponyi, vr. Max Falk, Baron Bela Banhidy, und Ferdinand Eber. Graf Anvrassy erwidert hierauf sofort Folgendes: Ich habe die Ehre, auf die Frage hiermit gleich zu antworten, daß die Regierung auch bis jetzt in der Weise, wie es die internationalen Verhältnisse erlaubten, gar keine Gelegenheit versäumte, dahin zu wirken, daß ras Schicksal der Israeliten im Orient im Allgemeinen und so auch in Rumänien, wie es sich unter den gegebenen Verhältnissen immer am zweckmäßigsten erwies, nach Thunlichkeit verbessert werde. Inwiefern sich hierzu auf dem Congresse eine Gelegenheit ergeben wird, wird es die Regierung selbstredend für ihre Pflicht erachten, in derselben Richtung für das Princip der Gleichberechtigung, welches sie so nach Innen wie nach Außen vor Augen hat, im Vereine mit den anderen Regierungen einzutreten und ihre Stimme geltend zu machen. Wahr mann nimmt diese Antwort des Ministers dankend zur Kenntniß.

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