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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-11 · Heft 24 (11.6.1878) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 24 (11.6.1878)
Date
1878-06-11
Page
Seite 379 (sequence 11)
Language
German
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379 Bei der ersten Entwickelung des Menschen giebt sie unS Aufschluß mil den Worten: 3m 212 ns-ib 121272 inso rrn anstr: ■jn „Siehe der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses." Es ist hier also deutlich hervorgehoben, daß die Thora in der Erkenntniß des Guten und Bösen die Gottähnlichkeit findet. Daß diese kurze Erklärung einer eingehenden Erläuterung bedurfte, konnte mir nicht entgehen. Ich ließ sie daher in den folgenden Paragraphen, in denen ich mich über die sittliche Aufgabe des Menschen, wie über die ihm hierzu verliehenen Anlagen aussprach, unmittelbar folgen." — Wir haben bereits über die neue Ausgabe des Aruch berichtet, welche der Oberrabbiner Dr. Alexander Kohut in Fünfkirchen herausgiebt und über deren erste Lieferung wir in dieser Nummer referiren. Die Kosten des Unternehmens sind auf 16,000 fl. berechnet. Man schreibt nun dem „P. L.": Besonders erwähnt zu werden verdient die wahrhaft tolerante Haltung der ungarischen katholischen Kirchenfürsten, die das Unternehmen fast ohne Ausnahme durch Pränumeration mehrerer Exemplare unterstützen. Der hiesige Bischof, vr. Ferdinand v. Dulanszky. der unablässig bestrebt ist, die Brüderlichkeit und Duldsamkeit zwischen den verschiedenen Confessionen zu fördern, that noch ein Uebriges. Zn einem an Dr. Kohut gerichteten Schreiben beglückwünscht er ihn zu seinem Erfolge und übersendet ihm zur Bestreitung der Druckkosten einen Betrag von 100 fl." — Der deutsch-israelitische Gemeindebund wird auch von der neuen Abhandlung Schleide n's „Die Romantik des Martyriums bei den Juden" (s. Nr. 20) eine besondere Ausgabe zur weiteren Verbreitung der verdienstvollen Schrift besorgen. — Wir erhielten in diesen Tagen: L. Deila Torre. Orazioni Postume. Patlova, 1878, und wurden von diesem Zeugniß kindlicher Pietät, sowie von der dadurch geweckten Erinnerung an einen verehrten Freund lief bewegt. Die Söhne des verstorbenen Profeffors an der ehemaligen Rabbinerschule zu Padua Lelio Deila Torre haben diese Sammlung nachgelassener Reden im Angedenken an ihren hochverdienten Vater herausgegeben. Sie haben aber hiermit auch der italienischen Kanzelberedsamkeit, insbesondere der jüdischen, eine schöne Spende gewidmet. Deila Torre zeichnete sich, denn wir besitzen schon mehrere Predigtsammlungen und einzelne Reden von ihm, durch eine ebenso männliche, schwungreiche wie vollfließende Beredsamkeit aus, und wenn die italienische Sprache rem Redner durch den melodiösen Strom ihrer Töne vielen Vorschub leistet, so ist es hinwiederum sein Verdienst, sich durch diesen nicht Hinreißen zu lasten, sondern ihn durch Mäßigung und Gedankenschwere in Schranken zu halten. Dies ist es, was dem Verfasser der vorliegenden Reden meist gelungen ist. Die Gegenstände dieser sieben Reden, eingeleitet durch eine kurze Lebensskizze, sind: „Der Tag ist kurz und die Arbeit lang"; „Der gute Gebrauch der Zeit"; „Ein Herz von Stein und ein Herz von Fleisch"; „Ein neues Herz und ein neuer Geist"; „Weder Armut noch Reichthum" u. s. w. So allgemein diese Gegenstände sind, so verstand der Redner doch, sie auf das Zudenthum als die Quelle der Wahrheit und Sittlichkeit zurückzuführen und ihnen den Charakter unsrer Religion und Geschichte aufzuprägen. In einem Anhänge werden die gedruckten und ungedrucklen Schriften des Verfassers in italienischer, französischer, hebräischer und deutscher Sprache angeführt. Hinsichtlich dieser Zeitung ist das Verzeichniß nicht vollständig, da seiner Zeit viele Correfpondenzen aus Italien in v- Zrg. aus seiner Feder geflossen waren. Zum Schlüsse setzen die Herausgeber ihrer vor Kurzem verstorbenen Schwester, der einzigen Tochter Deila Torre’«, ein rührendes brüderliches Denkmal. — Mordechai ben Hillel. Sein Leben und seine Schriften, sowie die von ihm angeführten Autoritäten. Nebst 6 bisher unedirten hebräischen Beilagen unter Benutzung handschriftlicher Quellen, herausgegeben von Dr. Samuel Cohn, Rabbiner. Breslau, Wilhelm Köbner, 1878. Wir haben hier eine werthvolle Monographie, für welche dem Verfasser der Literarhistoriker und der Freund der rabbinischen Literatur um so dankbarer sein muß, als sie einen außerordentlichen Fleiß und eine umfassende Sachkenntniß erforderte. Mardochai ben Hillel, ein Schüler des R. Melr von Rothenburg, halte das Schicksal jener Schriftsteller, deren Schriften, jemehr sie benutzt wurden, desto mehr entstellt, jemehr sie ausgebeutet, desto öfter mit Stillschweigen übergangen wurden. So war er berühmt, und doch eigentlich vergessen, sein Hauptwerk in größtem Ansehen, und doch auf's Pietätloseste behandelt. Herr Dr. Kohn erwarb sich das Verdienst, von ihm herzustellen und in's Klare zu bringen, was irgend möglich ist, und gelang ihm dies durch die umsichtigste Behandlung und Benutzung des Vorhandenen. Von den Lebensschicksalen Mardochai's vermochte er wenig zu retten und selbst das Dalum seiner Ermordung in Nürnberg im Jahre 1298 nur wahrscheinlich zu machen. Eine Menge Jrrthümer, die gang und gäbe waren, widerlegte er. Die Hauptarbeit galt der Geschichte und Gestalt des Hauptwerkes Mardochai's. Von Bedeutung ist das alphabetische Verzeichniß der von M. angeführten Autoritäten und willkommen die hebräischen Beilagen, wie eine Selicha des M., ein Lehrgedicht desselben über die Vocale, ein Responsum des R. Gerschom u. s. w. Bonn, 2. Juni. (Literarische Notizen.) Herr Lippe in Wien sendet uns folgende Mittheilung ein: Von dem als hebräischer Bibliograph bekannten Buchhändler Ch. D. Lippe in Wien wird in nächster Zeit ein nicht uninteressantes Buch dem Drucke übergeben werden. Dasselbe betitelt sich ».Statistisch-bibliographischer Anzeiger" und enthält ein lexikalisch geordnetes Schema sammtlicher Rabbinen, Prediger, Lehrer, Cantoren, Schriftsteller, Freunde und Förderer der hebräischen Literatur in Europa und Amerika nebst Angabe aller von denselben verfaßten und edirten Bücher, Literatur- und Zeitschriften, in bibliographisch-lexikalischer Anordnung dargestellt. ^Ein Hand- und Nachfchlagebuch für Buchhändler. Schriftsteller, 1 Gemeinden :c. In diesem Schema wird der Herausgeber gleich- 24*

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