Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1878)
- Date
- 1878-06-11
- Page
- Seite 378 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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378 bereits das erste Tausend überschritten, ihre Anpflanzungen gedeihen auf's Vorzüglichste, sie betreiben nebenbei Handel und Industrie und stehen sich dabei sehr gut, was Juden hier schon längst hätten erlangen kennen, wenn nach dem Wunsche des Rabbi Hirsch Kalischer gehandelt worden wäre! Aber es ist jetzt noch lange nicht zu spät, denn das Land Palästina kann einer Zukunft entgegengehen, wie Amerika, wenn es guten Händen bei richtiger sorgfältiger Ausbeutung zur Verwaltung übergeben werden wird. In Palästina können alle Früchte, sowohl der gemäßigten, als auch der heißen Zone gedeihen! — Vielleicht werden einige Pessimisten sagen, daß wir noch immer die Beduinen zu fürchten haben, dem ist indessen nicht so; denn erstens werden dieselben sehr streng für räuberische Anfälle von der hiesigen Regierung bestraft; zweitens, wenn 50 — 100 Männer auf einer Ansiedelung beisammen sind, so werden diese sich wohl im ungünstigsten Falle gegen einige Araber vertheidigen können, und im Uebrigen können im Anfang Plätze zur Ansiedelung in der Nähe von Städten, wie Jaffa, Ramlau, Safet, Tiberias u. s. w. gewählt werden! — So haben es auch die Württemberger gethan, welche bei Jaffa, Chaisa, Jerusalem rc. sich ansiedelten! — Auch ist jetzt die beste Gelegenheit vorhanden, Ländereien in Palästina von der türkischen Regierung vortheilhaft anzukaufen, weil sich dieselbe zur Zeit in finanzieller Verlegenheit befindet und sie für baares Geld billig abgeben würde! — Wenn Ackerbau im großen Maßstabe durch Juden in Palästina betrieben werden wirb, so wird in Europa die Achtung vor uns steigen. Die Judenfeinde in den Donaufürstenthümern, Serbien, Galizien u. s. w. könnten unS dann nicht mehr vorwerfen, daß wir lediglich Handel treiben! — Außerdem könnte seiner Zeit den Griechen in Corfu das Monopol des Esrogim-Handels streitig gemacht werden. Die Beutelschneiderei mit unseren religiösen Bedürfnissen müßte aufhören! — Es ist wirklich beschämend für uns Juden, daß wir uns, was die Esrogim anbelangt, von den griechischen Kausteuten schon seit Jahren so bedeutend übervortheilen lassen. Könnte man nicht schon längst Esrogim - Gärten hier in Palästina im Großen angelegt und den Griechen das Wuchergeschäft gelegt haben?! — Meinen Artikel heute schließend, bemerke ich noch, daß mindestens 1000 kräftige Männer resp. Familienväter sich in ganz Palästina (Jerusalem, Hebron, Safet, Tiberias :c.) befinden, die gern Ackerbau betreiben würden, wenn ihnen die genügenden Ländereien, Jnventarium, Wohnhäuser :c. zur Hand gegeben würden, etwa gegen 20jährige partielle Amortisation, oder in der Art wie die Württembergische Tempelgesellschast hier ihre Ansiedelungen leitet, resp. unterstützt! — Mit dem Wunsche, daß Vorstehendes zur Realisirung der Colonisation Palästinas und zur regen Betheiligung an derselben seitens jüdischer Ackerbauer Veranlassung geben möchte, behalte ich mir vor, auf nähere Details, wie diese in'S Leben zu rufen waren, seiner Zeit zurückzukommen! — Bonn, 2. Juni. (Notizen.) Aus Horb in Württemberg schreibt das Stuttgarter „Neue Tagblatt" vom 24. Mai: „In welchem großartigen Maßstabe in manchen israelit. Kirchengemeinden Unterstützungen an Arme, die doch eigentlich Sache der politischen Gemeinden wären, verabreicht werden, davon legt die in Baisingen, O.A. Horb, befindliche israelitische Gemeinde ein beachtenswerthes Zeugniß ab. Dieselbe besitzt ein Stiftungsvermögen von nahezu 24,000 Mark, deren Zinsertrag, nach geringfügigen Abzügen für kirchliche Leistungen und Verwaltungen, den dort befindlichen israelitischen Armen zu Gute kommen. Da nun aber in der höchstens 50—60 Familien zählenden Gemeinde sich nur sehr wenige Arme vorfinden, so kann man sich vorstellen, mit welchen ansehnlichen Summen dieselben hierbei betheiligt werden können. Es ist übrigens die Aussicht vorhanden, daß dieses Stiftungsvermögen im Laufe der Jahre noch bei Weitem mehr anwächst. da wohlhabende Gemeindemitglieder, deren sich in dieser Gemeinde sehr viele finden, vor ihrem Ableben bedeutende Legale zu Wohlthätigkeitszwecken zu stiften pflegen, die dann dem Stiftungsvermögen einverleibt werden. Selbstverständlich steht die Verwaltung dieser Stiftungen unter der Aufsicht des K. Oberamts. — Die deutsch-israelitische Hauptschule zu Brody feiert am 1. October 1879 ihr 25-jähriges Jubiläum, und die Direclion derselben fordert jetzt schon alle ehemaligen Zöglinge dieser Lehranstalt auf, ihr über ihre ferneren Schicksale, Lebensstellung u. f. w. Nachricht zu geben, um einen ausführlichen Bericht der Wirksamkeit der Schule liefern zu können. Jedenfalls wird dieser Bericht eine culturhistorische Bedeutung haben, da aus ihm sowohl über die Ausbreitung der Cultur unter unsren galizischen Glaubensbrüdern, als auch über mancherlei Beziehungen des Ostens zum Westen nicht geringe Aufschlüsse gezogen werden können. Bonn, 26. Mai. (Literarische Notizen.) Wir werden von Herrn Kleimenhagen in Schwerin um die Aufnahme folgender Bemerkungen ersucht, die wir ohne weitere Erwiederung geben: „Zu der in Nr. 19 dieser geschätzten Zeitung erschienenen Kritik meiner Broschüre: „Die Natur des Geistes nach der mosaischen Lehre" kann ich die Bemerkungen nicht unterlassen, daß ich bei Abfassung derselben nicht nur den Gelehrtenstand, sondern denkende Leser überhaupt vor Augen hatte. Und da mußte es mir mehr auf eine klare, faßliche Darlegung, als auf eine tiefere philosophische Forschung ankommen, die ich gerne höherstehenden Männern überlasse. — Wenn ich zur Motivirung meiner psychischen Auffassung der Thora auch aus den übrigen Theilen der heiligen Schrift Beweisstellen anführte, so geschah es, weil ja auch diese, wie ich in der Einleitung hervorhob, auf dem Princip der mosaischen Lehre beruhen. — Was den scheinbaren Mangel meiner Erklärung „der Gottähnlichkeit der menschlichen Seele" betrifft, so verweise ich auf Seite 12, wo es zum Schluffe heißt: „Und worin diese Gottähnlichkeit bestehe, läßt uns jene Urkunde nicht lauge in Frage.