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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-11 · Heft 24 (11.6.1878) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 24 (11.6.1878)
Date
1878-06-11
Page
Seite 377 (sequence 9)
Language
German
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die verwickeltsten Rechtsfragen Helles Licht zu verbreiten, und die Gabe besaß, die Behandlung selbst dürrer Angelegenheiten durch seinen angenehmen Vortrag intereffant zu gestalten." (Aus dem Handelsblad.) Unsere Glaubensgenosienschaft verliert durch das Hinscheiden van Nierop's einen ausgezeichneten Vertreter ihrer Gesammtinterefsen. Er war unermüdlich in Ausübung seiner Pflichten als Mitglied des Gemeindevorstandes, des Curatoriums des Rabbinerseminars, wie als Vorsitzender der permanenten Commission für die Angelegenheiten des niederländischen israelitischen Gemeindewesens. Durch seine reichen Kenntnisie und Erfahrungen war er rer angewiesene Rathsmann in allen gewichtigen Angelegenheiten, und seiner eifrigen und ausdauernden Mitwirkung sind viele Reformen zu verdanken. Er wird unter den ausgezeichneten niederländischen Israeliten unserer Zeit in erster Reihe stets genannt werden. Als eifriger Patriot und aufrichtiger Volksfreund bestrebt, an der gedeihlichen Entwickelung unseres Staatslebens, unserer Hauptstadt und der Provinz stets nach besten Kräften mitzuwirken, hat er dem Danke kräftigen Ausdruck verliehen, den seine gleichgesinnten Glaubensgenoffen dem Vaterlande für die weitgehendste Gleichstellung, deren sie sich erfreuen, zollen. M. K. Amsterdam, 31. Mai. (Privatmitrh.) Ein neuer Verlust durch den Tod har die hiesige Äudenheit erlitten, indem vor einigen Tagen vr. Abraham de Pinto im Haag verstorben ist. Er war Landesadvocat, Gemeinrerath, Mitglied der Allg. Schulcommission des portugiesischen Kirchenrathes, Präsident der Gesellschaft der Israeliten in den Niederlanden u. s. w. Wir werden in einer der nächsten Nummern einen ausführlicheren Nekrolog Palästina. Jerusalem, 10. Mai. «Eingesandt.» Meine Berichte aus dem heiligen Lande bezwecken die sociale Besierstellung der Israeliten in Palästina, welche eben nur durch Agricultur in Verbrndung von Industrie, die nach und nach sich selbst bilden wird, erreicht werden kann! Seit den 10 Jahren meines Hierseins sind hier Lebensmittel und namentlich Wohnungen um das Doppelte gestiegen, indem der Zuzug nach hier aus Rußland, den Donaufürstenthümern, Galizien, Ungarn :c. täglich ein enorm großer ist! Während des angegeben Zeitraums von 10 Jahren ist die hiesige jüdische Bevölkerung größtentheils durch Zuzug auf das Doppelte angewachsen, während die Wohnungen sich kaum um ein Fünftel vermehrt haben, wobei dir außerhalb der Ringmauern Jerusalems mit inbegriffen sind! — Daher sind die Miethen auch gerade um das Doppelte als vor 10 Jahren im Preise gestiegen und unsere Glaubensbrüder wohnen deswegen so eng zusammen! Dadurch entstehen alle möglichen Krankheiten, namentlich Kinderkrankheiten, und die Sterblichkeit unter den hiesigen jüdischen Kindern ist eine erschreckend große, im Verhältniß zu der nichtjüdischen Bevölkerung. Letztere wohnt bequemer und dadurch auch reinlicher, während in den jüdischen Wohnhäusern, durch das Ueberfülltsein von Insassen, Unsauberkeiten (wider Willen) unvermeidlich sind! Auch ist den hiesigen Juden im Allgemeinen durchaus kein Vorwurf daraus zu machen, wenn sie so eng nebeneinander wohnen, indem das Einkommen beim größten Theil derselben nur ein sehr geringes ist, da Handel und Gewerbe auch hier, wo es übrigens nur Localgeschäfte giebt und der eingeborne Bauer (Fellah) sehr wenig Bedürfnisse hat, zur Zeit noch sehr Larniederliegen. — Ungefähr dieselben Verhältnisse bestehen in Safet, Liberias, Hebron und überall, wo Juden in Palästina beisammen wohnen! Der hiesige Fellah ist an und für sich träge, weil er wenig Bedürfnisse hat und baut eben nur ein Viertel oder höchstens ein Drittel seines Grundbesitzes an! Für die Erzeugnisse bekomm: er enorme Preise gezahlt, so daß er trotzdem Geld dabei zurücklegt; denn die Natur im heiligen Lande begünstigt seine angeborene Trägheit! — Der Boden hier in Palästina ist der vorzüglicbste im Allgemeinen, den ich je gesehen habe: Das Getreide, Weizen, Gerste, Dura (eine Art Sommergetreide) :c. wird hier ohne Düngung, bei einmaliger oberflächlicher Durchpflügung des Bodens, mir einem Pfluge, der nicht viel größer und stärker ist, als ein starker Dolch, angebaut, wobei Felssteine von der Größe einer Faust im Boden liegen gelassen werden! Dennoch wächst alles vorzüglich, und nur wenn Regenmangel herrscht, gereiht nichts; während es zu viel Regen hier im Lande nie geben kann, weil Palästina durchschnittlich hügelig ist, sonach der überflüssige Regen abfließt, refp. in Eisternen angesammelt wird! — Die Früchte, wie Feigen, Apfelsinen, Citronen, Esrogim u. s. w. lassen die Fella's, ohne die Bäume zu düngen oder verdorrte Aeste zu beschneiden, wild wachsen, weshalb dieselben im Allgemeinen nicht so gut wie in Smyrna oder Corfu gedeihen! Dennoch, wenn man nach neuester Methode die Bebauung des Landes mit guten Geräthen und mit Dünger, sowie den Baum-, Garten- und Gemüse-Anbau sorgfältig betriebe, so würde das hiesige Land Großartiges Hervorbringen und das Thorawort sich wieder bestätigen, daß Palästina ein Land ist, „wo Milch und Honig fließt". Daher kann nur durch Agricultur seitens jüdischer Ackerbauer, womit sich die Industrie von selbst verbinden wird, die sociale Stellung und die Gesundheit der Israeliten in Palästina gebessert werden! — Rabbi Hirsch Kalischer in Thorn W't hat sich um die sociale Besserstellung der Juden in Palästina durch Ackerbau und Industrie länger als 30 Jahre bemüht, hatte aber nicht das Glück, seine humanen Ideen realisirt zu sehen. Heute hat sich aber die Situation geändert: diejenigen, welche noch vor wenigen Jahren die heftigsten Gegner dieser großen Idee waren, sind jetzt dafür! — Es ist nur schade, daß sie erst heute anfängt, bei den hiesigen Juden Anklang zu finden, während Andersgläubige dieselbe hier schon lange ausbeuten, wie die Württemberger, deren Ansiedlungen bereits feit 1869 datiren! Ihre Seelenzahl in Palästina hat 24

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