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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-11 · Heft 24 (11.6.1878) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 24 (11.6.1878)
Date
1878-06-11
Page
Seite 375 (sequence 7)
Language
German
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375 unbemittelter Studenten. Die Würzburger Universität wird nun bald ihr dreihundertjähr. Jubiläum feiern; es fiel während dieses langen Zeitraumes keinem Juden aus Bayern ein, die Initiative zur Gründung eines Vereins, der mittellosen Studenten ihren Aufenthalt an der Hochschule ermöglichen soll, zu ergreifen. Vor einem Jahre etwa feierte hier ein zu Gunsten der streng orthodoxen Rabbinatscandidaten bestehender Verein sein fünfzigjähriges Jubiläum. Da ward natürlich viel gegeffen, getrunken und gepredigt. Noch in später Nachtstunde — wohl auch bei dichtem Nebel — fiel es Einem ein, als Andenken an das eben gefeierte glückliche Ereigniß einen neuen Verein zu gründen. Im Nu waren an 60 Unterschriften da. Und was ist das für ein Verein? Wollten diese Herren als künftige, resp. gegenwärtige Säulen des Jubenthums etwa den Grundstein zu einer in Süddeutschland so schwer vermißten Rabbinerschule legen? Doch nicht! Wollten sie etwa die Gründung eines Vereins zur Pflege der Wiffenschaft bei den jüdischen Theologen anregen? auch das nicht! Die alten und jungen Herren einigten sich über das Jnslebenrufen eines Vereins für — Frauenbäver. Hoffnungsvolle Jugend! — Aus Mitteldeutschland, 30. Mai. (Privatmittheilung.) Der kleine Aufsatz: „Der Separatismus des Jerobeam" in Nr. 10 d. Ztg. hat bei den Separatisten böses Blut gemacht. Er hat, wie jede Wahrheit ihren Gegner, verwundet. Bereits nicht weniger als 4 Artikel hat ein Separatist gegen diese wenigen Zeilen zur Widerlegung vom Stapel gelaffen. Man kann sie auf sich beruhen laffen, denn wessen Geistes Kind deren Verfasser ist, hat er gleich im Beginne seiner aufbrausenden Philippica's gezeigt. Er erklärt nämlich den Verfasser des Aufsatzes in Ihrer Zeitung für einen Unwissenden, weil er Jerobeam als den ersten Separatisten in Israel bezeichnet und nicht wisse, daß der erste Separatist nicht Jerobeam, sondern — Abraham gewesen sei. „Abraham der erste Separatist in Israel!" Eine Sache, die von solchen Subjecten und mit solchen Waffen vertheidigt wird, ist eine verlorne. — Das ist sie auch, Gott sei Dank! Der Separatismus in Israel! Er ist seinem Untergänge nahe! Den separatistischen Rabbinern und noch mehr den separatistischen Rabbinatscandidaten, welche nach Stellen und Frauen sich sehnen, mag daher ein solcher unabweisbarer Angriff recht unlieb gewesen sein und das entschuldigt einigermaßen die Thorheilen, die er auskramt, und die Bosheit, die er zur Schau trägt. Die Gemeinden sind zu der Erkenntniß gekommen, wohin der Separatismus zielt, „man merkt die Absicht'" und — weiß, was man zu thun har. Sie mögen ihren Aerger an Ihrem Blatte und Ihren Mitarbeitern immerhin auslassen. Wir haben mit Personen nichts zu schaffen, uns ist es um bas Judenthum zu thun, daher auch nur um Wahrheit. Die Separat!sten sind und bleiben Jerobeams. Dafür muß jeder ehrliche Bibelkundige sie ansehen und bald wird der separatistische Rabbiner und Rabbinatscandidat im eignen Lager angesehen werben: als ervin Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. Mai. (Privatmiltheil.» Der als Judenfeind bekannte Reichslagsabgeordnete Jstoczy giebt ein „volkswirthschaftliches und sociales Wochenblatt" heraus, das „Jövönk", das meistens Juden zu Abonnenten hat. l) An der Spitze der heute erschienenen Nummer steht folgende inhaltsschwere Ankündigung: „Unsere geehrten Principiengenossen verständigen wir hiermit, daß der Redacteur dieser Blätter, als Reichslagsabgeordneter im Abgeordnetenhause nach den Pfingstfeiertagen einen Antrag einbringen werde bezüglich der auch von einem großen Theile des jüdischen Volkes innig gehegten Idee: daß in Verbindung mit der orientalischen Frage das Judenreich, sei es als ein autonomes Land unter der Oberhoheit der Pforte, sei es als selbstständiger jüdischer Staat in dem zu diesem Zwecke entsprechend vergrößerten Palästina wieder hergestellt werde." 2) — Heute verschied nach längerm Leiden Herr Ignatz Barnay, der über vierzig Jahre Secretar der hiesigen israelitischen Gemeinde war. Derselbe trat vor drittehalb Jahren in den Ruhestand zurück. Großbritannien. London, 28. Mai. (Privatm.) Kaum war, wie wir in Nr. 21 berichteten, dem greisen Earl Russell die Dankadresse für die durch ihn vor 50 Jahren bewirkte Aufhebung der Testacte überreicht worden, als der Tod an die Pforte seines Hauses klopfte. Earl Russell ist verschieden, und die gegenwärtigen Zeitumstände erneuern gar wohl auch an dieser Stelle die Erinnerung an die Gesinnung und Wirksamkeit Lord John Russells. Es war im Februar 1855, als Lord John nach Wien ging, um an den dort beabsichtigten Friedensunrerhandlungen zwischen den Westmächten und der Türkei einerseits und Rußland andrerseits als außerordentlicher brittischer Botschafter theilzunehmen. Als dieser ausgezeichnete Staatsmann, der schon so oft im englischen Unterhause für die völlige Gleichstellung der Juden auf's nachdrücklichste eingetreten war, den deutschen Boden betrat, richtete der Redacteur dieser Zeitung am 28. Februar eine Adresse an ihn (s. ‘Jfr. 10 d. Jahrg. 1855), in welcher im Namen der deutschen Israeliten dem Lord Dank für seine bisherigen Bestrebungen zu Gunsten der Glaubensfreiheit ausgesprochen und das Gesuch an's Her; gelegt wurde, bei den Friedensverhand- 1) Ist es nicht merkwürdig, daß es unter den Juden so viele Leute ohne Charakter giebt, die ihren ärgsten Feinden ihre Geistespro- Lucre abnehmen und die Mittel gewähren, ihren Judenhaß immer mehr;n bethäligen? Wir könnten bereits eine ganze Reihe solcher Fälle aufzählcn! Redacrion. 2) Dieser Jstoczy har in seinen berüchtigren Reden im ungar. Reichstage zu sehr seiner Feindschast gegen die Inden Ausdruck gegeben, um nicht Obiges als einen echten Ausfluß jener erkennbar zu machen! Red action.

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