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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-04 · Heft 23 (4.6.1878) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 23 (4.6.1878)
Date
1878-06-04
Page
Seite 364 (sequence 12)
Language
German
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364 10 Kinder — 8 Söhne und 2 Töchter — von denen 9 mit einigen dreißig Enkeln und Urenkeln der Verewigten, ihren Tod betrauern. Aber nicht diese allein, ein großer Theil unserer Mitbürger, vor Allen die vielen Armen, denen sie eine Mutter gewesen, trauern mit ihnen um die edle Frau, welche es verstand, den Nothleidenden durch ihr langes Leben hindurch freundliche und schnelle Hülfe zu bringen. — In den Ucberfchwemmungsjahren 1853 und 1854, sowie 1876, gründete sie mit gleichgesinnten Damen schleunigst Vereine, dem Nothstand wirksam zu steuern; in den Kriegsjahren 1866 und 1870/71 war sie ein überaus thatiges Mitglied unseres hiesigen Franenvereins des rochen Kreuzes, dem sie bis zu ihrem Tode angehörte, und entwickelte ein Talent für das Herbeischafsen des Nochwendigen, wie keine der anderen Vereinsdamen. Sie verstand es, die Herzen und Hände Aller zu öffnen für die Nothleidenden, wie Niemand sonst. — In allen Kreisen der Gesellschaft gab und giebt es Personen, namentlich Wittwen und Waisen, denen sie treulich beigestanden und ihre Thränen trocknen half. Mit seltener Toleranz frug sie .nicht nach dem confessionellen Glaubensbekenntniß der Nothleidenden, sondern half gern Jedem, dem sie helfen konnte. — Ein glückliches Familienleben, die Hochachtung ihrer Mitbürger und die Anerkennung selbst unseres allergnadigsten Kaisers, der ihr nach dem Kriege 1866 den höchsten unserer Orden für Frauen, den Louisenorden l. Claffe, und 1871 das Erinnerungskreuz für 1870/71 verliehen hat, war der Lohn für dieses segensreiche Wirken/' — Wir haben in dieser Zeitung berichtet. daß das vor einigen Jahren errichtete Gymnasium zu Creuzburg O/S. durch große Schenkungen des Commerzienrathes Simon Cohn, aus Creuzburg gebürtig, wohnhaft in Berlin, ein neues eigenes Gymnasialgebaude erhalten hat, und ist letzteres am 18. October feierlich eingeweiht worden. Jetzt wird uns das (fünfte) Programm des Gymnasiums zu Ostern 1878 eingesandt. Es ergiebt sich aus demselben, daß auch hier die jüdische Religion neben der evangelischen und katholischen rite in den Lehrplan ausgenommen worden ist. Herr Rector L a nd a u unterrichtet in jeder Abtheilung je zwei Stunden wöchentlich; ebenso viele sind für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht bestimmt. Die Lehrgegenstände aus dem verfloffenen Jahre sind genau angegeben. Die Prima konnte erst in diesem Jahre mit 6 Schülern eröffnet werden. Unter 176 Schülern waren 27 jüdische. Hieraus erklärt sich, daß in der Secunda und Prima der jüdische Religionsunterricht noch nicht ertheilt werden konnte, und daß für denselben Sexta mit Quinta und Quarta mit den beiden Tertias combinirt wurden, weil eben die Schülerzahl noch nicht weiter reichte. I e u i l Sir Francis Henry Gol-smid. (Nach dem.lew. Chron.) Sir Francis Goldsmid war der älteste Sohn des verstorbenen Sir Jsaac Lyon Goldsmid. Er war am 1. Mai 1808 geboren. Schon früh bethatigte er jene Energie und Ausdauer, welche in der Goldsmid'schen Familie charakteristisch sind, und obgleich er wußte, daß er der Erbe eines großen Besitzthums und einer einflußreichen Stellung war, widmete er sich doch unermüdlich dem juristischen Studium, mit dem Eifer eines Mannes, der sich ein Vermögen und einen Namen erst erwerben muß. Zu fünfundzwanzig Jahren ward er zum Kanzleiadvokaten ernannt und erwarb sich eine sehr schöne Praxis; er war der erste Jude, der die ehrenvolle Stellung eines Queeifs Counsel erhielt — eine Auszeichnung, welche seitdem noch anderen Mitgliedern unserer Gemeinde zu Theil wurde. In dieser frühen Periode seines Lebens arbeitete er sehr thatig mit seinem Vater zusammen an der Sicherstellung der vollen Emancipation der Juden aus bürgerlichen und politischen Beschränkungen. 1839 schrieb er eine Broschüre über diesen Gegenstand, unter dem Titel „Bemerkungen über die bürgerlichen Beschränkungen der Juden", und. einige Jahre spater veröffentlichte er: „Eine Erwiderung auf die Argumente gegen die Ertheilung des Bürgerrechtes an die Juden".! l e t o n. Schon allein seine Arbeiten nach dieser Richtung hin geben ihm ein Anrecht auf die Dankbarkeit nicht nur der israelitischen Gemeinde, sondern auch derer, welche seine politischen Ansichten theilten und das Durchgehen der Emancipations-Bill von 1858 als einen Triumph des wahren Liberalismus ansahen. Während er so am gesetzlichen und politischen Leben thatigen Antheil nahm, wurde seine Aufmerksamkeit von den augenblicklichen Fragen über Erziehung und Religion in Anspruch genommen. In seinen Bestrebungen, die Anstalten zur Erziehung der Mittelklaffen zu verbeffern, fand er eine befähigte Unterstützung in Lady Goldsmid, welche sich ganz besonders der Mädchenerziehung widmete und eine freigebige Beschützerin fast jeden Unternehmens wurde, welches deren Erziehung zu verbeffern beabsichtigte. Sir Francis Goldsmid erbte von seinem Vater jenen festen Glauben an die Bortheile, welche aus Bildung und Kenntniffen entspringen, der dem verstorbenen Baron Goldsmid eine historische Stellung unter den Juden als Förderer der Erziehung gegeben hat. Die Universität, bei deren Begründung Baron Goldsmid so lebhaft betheiligt war, war die Verkörperung einer Idee, welche in ihrer späteren Entwickelung über alle Erwartung dazu beigetragen hat, die Vorzüge einer Univerfitatsbildung den mittleren > Claffen erreichbar zu machen. Was die Juden dieser Institution

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