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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-04 · Heft 23 (4.6.1878) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 23 (4.6.1878)
Date
1878-06-04
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 Der Congreß. In Folge der Verhandlungen zwischen London und Petersburg geht jetzt durch die TageSpreffe die Versicherung, daß der Congreß, der die orientalischen Angelegenheiten regeln soll, noch int Monat -Stint zufammentreten werde. Da schon vorher die wesentlichen Grundlagen verabredet sein sollen, so ist allerdings noch fraglich, ob sein Zusammentritt so nahe bevorstehe. Jndeß sind die Aussichten auf ihn um Vieles Heller geworden. Unsre Leser wissen, welche Hoffnungen für die Regelung auch der Lage der orientalischen Juden mit dem Congreffe verbunden sind. Aller Orten sind daher bereits Anstrengungen gemacht worden, die betheiligten Regierungen zu bestimmen, die Gleichberechtigung der Juden mit den Christen und Mohammedanern auf dem Congreffe in die Hand zu nehmen und zu erwirken. Auch hat die englische, deutsche und italienische Stäatsregierung bereits die Zusicherung gegeben, für diese Gleichberechtigung einzutreten, allerdings mit dem Vorbehalt, „wenn sich die Gelegenheit dazu bieten würde". Daß diese Anstrengungen erneuert werden müffen, sobald der Congreß wirklich zusammengetreten, versteht sich von selbst. Aber auch unsre rumänischen Glaubensbrüder selbst wollen nicht unthatig bleiben. Wir haben hierüber bereits Mittheilungen von dort erhalten und es sind schon zwei Delegirte auf der Reise nach Berlin begriffen, um in diplomatischen Kreisen dahin zu wirken, daß die Gleichstellung der Juden auf dem Congreffe in Anregung gebracht werde. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Mai. In diesen Tagen wurde im Druck vollendet: „Die israelitische Religionslehre. Lehrbuch für die oberen Classen der Mittelschulen und Gymnasien, sowie für den Confirmandenunterricht von vr. Ludwig Philippson. Wien, 1878. Alfred Holder, k. k. Hof- und Universitätsbuchhandlung." (2V Bogen gr. 8). Indem wir uns Vorbehalten, auf diese Schrift zurückzukommen, geben wir hier das „Vorwort". „Durch Erlaß vom 28. Juli 1877 Z. 109 2/3 hat das hohe k. k. österreichische Ministerium des Cultus und des Unterrichts die Zulaffnng meiner „Ausführlichen israelit. Religionslehre" in drei Banden (Leipzig, Baumgartner. 1861—65) zum Lehrgebrauche in den Oberclaffen der Mittelschulen und Gymnasien ausgesprochen. Um jedoch diese dankbar entgegengenommene Approbation des bereits in zwei starken Auflagen weit verbreiteten Werkes recht wirksam zu machen, erschien es nothwendig, das umfassende und darum zugleich verhaltnißmaßig theuere Werk, welches mehr für den Gebrauch des Lehrers selbst bestimmt war, zur Verwendung für die Schüler zusammenzuziehen und ihm die Gestalt zu geben, in welcher es den Schülern der Oberclaffen der gedachten höheren Lehranstalten ein angemessenes, verständliches und wirffames Handbuch biete. Die vorliegende Schrift ist also ein Auszug aus meinem größeren Lehrbuche, der nur wiedergiebt, was in dem größeren Werke bereits vorhanden ist, so jedoch, daß in dem letzteren die tiefere Begründung und die weitere Ausführung zu suchen ist. Es versteht sich dabei von selbst, daß die Ueberarbeitung nirgends eine Rath oder Lücke zeigen durfte, sondern die Darstellung überall aus einem Guffe sein mußte." „Wir heben hervor, daß dieses Lehrbuch durchaus nicht alS ein bloßes Erzeugniß des Stuvirtisches angesehen sein will; vielmehr ist es aus einer dreißigjährigen practischen Lehrthätigkeit hervorgegangen, deren Wirksamkeit sich der Anerkennung der Vorgesetzten Behörden und der Ellern, sowie der theilnahmvollsten Erinnerung der Schüler und Schülerinnen zu erfreuen hatte. Mein Ziel war stets dabei, den Religionsunterricht frisch und lebendig zu machen, ihn vor dem bloßen Formalismus zu schützen und jede einzelne Lehre nicht blos der Erkenntniß des Verstandes, sondern auch dem jugendlichen Gemüthe nahezubringen und werlh zu machen. In diesem Lehrbuche habe ich nun erstrebt, zunächst die israelitische Religionslehre aufs Vollständigste und ihrem ganzen reichen Inhalte nach zu geben, so daß nicht bloS die Grundlage aus der h. Schrift dargeboten, sondern auch auf die weitere Entwickelung in den nachbiblischen Perioden hingewiesen wird; alsdann aber auch die Lehre in der strengen Confeguenz und Totalität, die sie schon im Mosaismus erhalten hatte, erkennbar zu machen. Wie dann alle einzelnen Lehren und Vorschriften in der vernunftgemäßen Erkenntniß ihre Gründe und Beweise finden und in den Gefühlen unseres Herzens sich wiederspiegeln, strebte ich dem Geiste des Schülers zugänglich zu machen. Hier galt es auch, ihn zu weiterer eigener Forschung aufzumuntern, die Religionslehre mit der übrigen wissenschaftlichen Schulbildung in Einklang zu bringen und so der Zukunft deS sich entwickelnden Jünglings vorzuarbeiten." „Ueber den Gebrauch dieses Lehrbuches habe ich dem einsichtsvollen Lehrer wenig zu sagen. Da sich dasselbe auf die, immer doch verschiedenen Stufen der Oberclaffen ausdehnen soll, wird er selbstverständlich diesen Stufen gemäß die Auswahl deS gebotenen Lehrstoffes zu treffen wissen. Ueberall ist ihm die Gelegenheit zu weiterer Auseinandersetzung geboten, wozu das gedachte ausführliche Religionswerk vielfachen Stoff liefert. Die Fragen und Antworten sind durch große fette Schrift ausgezeichnet, und sind diese besonders geeignet, für den Confirmandenunterricht den Leitfaden abzugeben. Die reichlich angeführten Schriftstellen sind durch Einrücken markirt und ebenso hier und da erklärende Bemerkungen." „Möge so diesem Lehrbuche eine weite Verbreitung, eine ausgedehnte Verwendung und hiermit eine segensreiche Wirksamkeit beschieden sein!"

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