Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-28 · Heft 22 (28.5.1878) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 22 (28.5.1878)
Date
1878-05-28
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227200--36286-3306317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

348 Großbritannien. London, 15. Mai. Der verstorbene Sir Francis Goldsmid Hai ein sehr bedeutendes Vermögen hinterlafsen, wovon er einen nicht unerheblichen Theil für milde Zwecke ausgesetzt hat. Dem Universitv College hier in London und dem dazu gehörigen Hospital fallt die ansehnliche Summe von 50,000 Pfd. St. zu. Goldsmid war Schatzmeister beider Institute. Für die West- Londoner - Synagoge hat er 10,000 Pfd. St. ausgesetzt. Sein Grundbesitz geht als Majorat auf seinen Neffen, Parlamentsmitglied Julian Goldsmid, über. In Brighton allein hinterläßt Goldsmid Grundbesitz im Werthe von etwa einer Million Pfg. St. — Die englischen Blatter theilen ausführlich die Verhandlungen der Todtenbeschau-Jury über den Fall des Sir Francis Goldsmid mit. Das Verdict lautet in einer Verurtheilung der Praxis im Oeffnen der Waggons durch die Beamten, bevor der Zug völlig zum Stillstand gekommen, und ebenso, daß zwischen vem Fußbreit der Wagen und dem Perron ein zu großer Zwischenraum stattfinde. Durch diese beiden Uebelstande ist der unglückliche Fall deS Sir Francis bewirkt worden. Freilich, ob durch diese Erklärung den gedachten beiden Uebelständen Abhülfe kommen werde, ist sehr fraglich. Rumänien. Bukarest, Ende April. Unsre Leser werden sich erinnern, daß bei dem Beginne des Krieges die jüdische Gesellschaft „Zion" eine Ambulanz zu 100 Betten stiftete, welche unter der Direction des Di*. Alexander Cocciu, eines Israeliten, wahrend des ganzen Feldzuges ausschließlich von israelitischen Aerzten, Pharmaceuten und Studirenden bedient und in ihrem ganzen Material, Instrumenten, Arzneien u. s. w. durch den genannten Verein erhalten wurde. Nach Schluß des Feldzuges richtete der General G. Angelesco, Commandant der 3. Division, welcher diese Ambulanz beigegeben war, folgendes Schreiben an den Präsidenten des Vereins, welches als ein glanzendes Zeugniß des Patriotismus der rumänischen Juden hier in wörtlicher Uebersetzung mitgetheilt werden soll. „An den Herrn Präsidenten der israelitischen Gesellschaft „Zion" in Bukarest. Nachdem der Krieg beendigt und das Ambulanzpersonal der Gesellschaft „Zion" wieder zurückgerufen ist, spreche ich der Gesellschaft, der Sie präsidiren, meinen Dank aus für die vorzüglichen Dienste, welche die Ambulanz „Zion" der 3. und 4. Division, die vor Plewna und Widvin activ waren, geleistet, indem sie brüderlich mit uns alle Mühen dieses schweren Krieges theilte, und berichte Ihnen über den bedeutenden Antheil, den diese Ambulanz an dem Feldzug vor und nach dem Donauübergang genommen und welch' große Dienste sie der 3. und 4. Division geleistet, die ich zu befehligen die Ehre hatte. Die Ambulanz „Zion" kam im Monat Juni in Bailesci an und blieb dort bis zum 24. Juli, wo die Division sich nach Jslaz in Marsch setzte und hat in dieser Zeit unter der Leitung des Herrn Dcctor Alexander Cocciu (Israeliten) mit Hülfe der Divisionsambulanz in Bailesci ein Hospital von 100 Belten hergerichtet. Dank der Geschicklichkeit und unermüdlichen Thätigkeit des vr. Cocciu, Dank dem Personal und Material der Ambulanz „Zion", haben die Kranken die sorgfältigste Pflege gefunden. Obgleich die Divisionscantonnements wegen der Sümpfe von Matzatzei und Bailesci sich, besonders während der großen Sommerhitze, nicht in gutem gesundheitlichen Zustande befanden, war nichtsdestoweniger die Sterblichkeit in der Division außerordentlich gering, wie dies durch die Listen über die Kranken dieser Zeit festgestellt ist. Bei dem Angriff am 30. August installirte sich die Ambulanz „Zion", der Divisionsambulanz als fliegende Ambulanz beigegeben, in dem Thale von Bucova innerhalb der Schußweite des Feindes, und durch die Geschicklichkeit, die Aufopferung und den Muth, welche das ganze Personal der Ambulanz „Zion" an jenem denkwürdigen Tage entwickelt haben, konnten 800 Verwundete, welche auf dem Plateau gegenüber dem Fort Grivitza Nr. 2. gefallen waren, ausgenommen, verbunden und bis zum anderen Morgen in die Divisionsambulanz und in das Centrum transportirt werden; die anderen Verwundeten, welche in die Gräben des Forts und in das gegenüberliegende Thal gefallen waren, konnten trotz aller Versuche, mit einigen Ausnahmen, nicht während der Nacht fortgetragen werden, weil der Feind die Fahne des rothen Kreuzes nicht achtete und im Gegentheil auf diejenigen schoß, welche es versuchten, die Verwundeten aufzunehmen. Das Personal der Ambulanz „Zion" stand auf der Höhe seiner Mission; Dank seiner unermüdlichen Thätigkeit konnte eine große Zahl Soldaten gerettet werden; ohne die Aufopferung und Sorgfalt des Personals nach jeder Seite hin, wären viele der Tapferen durch die Seuche umgekommen, welche in der letzten Zeit die Reihen der Armee grausamer als der Feind decimirte. Herr Präsident, indem ich Ihnen die Dienste bezeichne, welche die Ambulanz dem Vaterlande und den Divisionen, die ich befehligte, in diesem Feldzuge geleistet hat, bitte ich Sie, meinen wärmsten Dank dafür entgegenzunehmen und versichert zu sein, daß das Andenken an die Treue, die brüderliche Liebe und die Dienste, welche die Ambulanz „Zion" während dieses ganzen Feldzuges uns erwiesen hat, in unserer aller Herzen fortleben wird. Ich spreche ganz besonders dem Herrn vr. Cocciu, dem Chef der Ambulanz, meinen Dank aus, der keine Anstrengung und kein Opfer gescheut hat, um den Verwundeten und Kranken in der ganzen Zeit, während welcher er den von mir befehligten Divisionen attachirt war, nützlich zu sein. Der Divisions-Commandant, gezeichnet: General G. AngeleSco".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.