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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-28 · Heft 22 (28.5.1878) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 22 (28.5.1878)
Date
1878-05-28
Page
Seite 349 (sequence 13)
Language
German
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349 Bonn, 19. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns aus Frankfurt am Main: Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten. Herr Jsaac Hecht, Mitglied des Vorstandes der Gemeinde, ist am 7. d. M. an einem Schlaganfall plötzlich gestorben. Sein ganzes Leben bildete nur eine Kette guter Handlungen; eifrig unv gewiffenhaft in Erfüllung übernommener Verpflichtungen, war er fortwährend in den Verwaltungen wohlthätiger Stiftungen; er selbst hat seiner Zeit im Verein mit seinen Geschwistern zu Ehren ihrer sel. Eltern die Mayer Seligmann Hecht'sche Unterstützungsstiftung gegründet und mit einem Capital von 10,000 Gulden fundirt. Hülfreich und freundlich gegen Jedermann, ein Vater der Wittwen und Waisen, wird sein Andenken ein gesegnetes bleiben! — Zn Nakel wurde am 1. Mai das 25-jährige Jubiläum des „Vorschuß-Unterstützungsvereins, welcher in diesem Zeiträume mit einer kurzen Unterbrechung äußerst segensreich gewirkt und in seinen Mitteln zugenommen hat, festlich begangen. — Am 5. Mai c. hielten, wie das „Jsr. Elsaß-Lothr." berichtet, die Vorbeter aus dem Reichlande eine Versammlung zur Berathung der Statuten eines gegenseitigen Unterstützungsvereins in Straßburg ab. Es hatten sich über 50 Männer dieses Standes eingefunden. Feuilleton. Das Grad Iosua's. Im Buche Josua 19, 50 wird berichtet, daß die Israeliten dem Josua ein Erbeigenthum gaben, nämlich die Stadt Thimnath- Serach auf dem Gebirge Ephraim; er baute die Stadt aus und wohnte darin. 24, 30 heißt es: „Und sie begruben ihn an der Grenze seines Erbeigenthums in Thimnath-Serach, das im Gebirge Ephraim an der nördlichen Seite vom Berge Gaasch." Dieselben Worte finden sich Richter 2, 9, wo jedoch statt Serach „ChereS" steht, eine Lautverwechselung oder ein Schreibfehler. Wo nun diese Wohn- und Grabstätte Iosua's zu suchen, ist fei: lange eine Frage. Wir finden darüber im Januarhefte der Zeitschrift „palestine Exploration Fund“ eine Untersuchung vom Lientnant Conder. Es giebt nämlich über die Grabstätte Iosua's zwei Traditionen; eine christliche, welche sie nach dem Berichte des Hyronimus nicht weit von den Ruinen von Tibneh versetzt am römischen Wege von AntipratiS nach Jerusalem. Hier befindet sich ein bemerkenswerther Felsen mit Grabhöhlen, eines von diesen neuen Gräbern ist groß mit einem Porticus aus rohen Felsensteinen. Die ganze Construction erweist jedoch, daß diese Gräber frühestens aus dem ersten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung herrühren können. Die zweite Tradition ist die der Samaritaner und Juden. Nach dieser wäre Thimnath-Cheres das Kefer-Hüris, südlich von Nablus (Sichem), ungefähr 9 englische Meilen entfernt. Die Samaritaner bis zum heutigen Tage behaupten, daß Josua und Caleb hier begraben worden. Die Karte von Marino Sanuto (1322) bezeichnet denselben Platz als Thimnath-Cheres und Rabbi Jakob von Paris im Jahre 1258 bemerkt, daß er hier die beiden Gräber Caleb's und Iosua's gesehen. Es sind also drei getrennte Ueberlieferungen, welche denselben Platz bezeichnen. Kefer-HLris ist ein gewöhnliches Dorf auf einem Hügel unter Olivengärten. Oestlich von ihm sind zwei geheiligte Plätze, von dem der eine den sonderbaren Namen führt Neby Kifl, d. h. Prophet der Theilung durch das Loos. Der andere heißt jetzt Neby Kulda oder Kunda, vielleicht eine Corruption von Caleb. Jedenfalls ist es gestattet, Kifl auf Josua zu deuten, der das Land unter die Israeliten nach dem Loose vertheilte. Die Uebereinstimmung der Samaritaner und Juden, eine Uebereinstimmung, die überaus selten ist, giebt der Ansicht, daß wir hier das Grab Iosua's zu suchen haben, großes Gewicht. Es kommen auch viele Juden hierher, um an dieser Stelle zu beten, und dies würden sie innerhalb des Bezirks der Samaritaner schwerlich thun, wenn sie nicht von der Richtigkeit der Tradition seit uralter Zeit überzeugt wären. Vermischtes. Eigenthümliches aus England. Die Aufführung von Goldmark's „Königin von Saba" ist in ganz England untersagt worden. Der Compositeur erhielt vom Impresario des Conventgrrden-Theaters in London, der die Oper vorbereitete, folgende Kunde über das vorläufige Geschick seines Werkes. Es ist in England nicht erlaubt, daß biblische Namen auf die Bühne verpflanzt werden, man betrachtet es als eine Gottlosigkeit, daß Persönlichkeiten, denen wir im alten Testamente begegnen, auf der Bühne singen, sprechen oder agiren. Deshalb ist der „Königin von Saba" vorläufig der Aufenthalt in Albion untersagt. Erst wenn die biblischen Namen entsprechend „umgetauft" sind, die Handlung in ein anderes, mythisches Land verlegt wird und alle Anspielungen und Beziehungen auf die biblische Provenienz sorgsam entfernt sind, darf die Oper gegeben werden. — So ist auch kürzlich im Oberhaufe ein Antrag, am Sonntage die Museen für das Volk zu öffnen, zurückgewiesen worden, besonders mit dem Argumente, daß man in England nicht einen so gottlosen Sonntag einfuhren wolle, wie er auf dem Continente gebräuchlich sei.

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