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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-28 · Heft 22 (28.5.1878) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 22 (28.5.1878)
Date
1878-05-28
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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346 durch bas Gesetz oas Recht hätten, deffen Ausführung zu fordern. Wie gesagt, es ist dies ein interessanter Zug, in welchem sich, so klein er an sich ist, unsre Zeit in ihren Grundsätzen und Erfolgen wiederspiegelt. Man denke an die Bergangenheit und die tiefgedrückte Stellung der religiösen Minoritäten, insbesondere der jüdischen! Wenn das Recht ist, daß dem Schwächeren derselbe Genuß der Freiheit gesichert ist wie den Stärkeren, und der immensen Mehrheit keine größeren Vorrechte zustehen, als den Minderheiten; so haben wir jetzt das Recht nicht blos als Gesetz, sondern auch im Bewußtsein dieser Mehrheiten selbst. Pari-, 15. Mai. (Nach den Arch. isr.) Das Budget . für den israel. CultuS beziffert sich für 1879 auf 207,000 Frcs., was ein Mehr von 14,600 Frcs. bedeutet gegen Las Vorjahr. Die Vermehrung wird für die Gehaltserhöhung von 25 Rabbinen gefordert, indem die Zahl derselben um 3 vermehrt worden. — Bei dem Consistorium von Paris ist gegenwärtig der Gedanke lebhaft, daS Rabbinerseminar wesentlich zu verbeffern. Zunächst will man ihm ein eigenes Gebäude anschaffen und sucht bereits nach einem geeigneten Grundstück in der Nähe des Luxembourg. Außerdem hat man eine Commission erwählt, um das Lehrprogramm zu revidiren und zwar bestehend aus den Professoren Janet, Breal und Oppert und dem Jnspectcr der Normalschule Weill. — Bei Gelegenheit der Ordensverleihungen an die beiden Großrabbiner hierorts war ein Comite zusammengetreten, um den beiden trefflichen Seelenhirten ein Banket anzubieten, zu welchem sich bereits eine große Anzahl Theilnehmenver gemeldet hatte. In einem sehr warm gehaltenen Schreiben lehnen die beiden Herren dieses Zeichen der Achtung und Zuneigung dankbar ab, da ihnen das, was bis jetzt dafür geschehen, schon als Ausdruck der Gesinnung genüge. Paris, 15. Mai. (Privatmitth.) Bei der gegen Ende des JahreS 1876 betreffs der Israeliten im Orient gehaltenen Versammlung wurde beschlossen, daß die Alliance isr. univ. zur Zeit der Pariser Weltausstellung wieder eine Versammlung von Delegirten der Israeliten aller Länder zusammenberufe. Das Centralcomite erläßt nun einen desfallsigen Aufruf. Die dreizehnte Generalversammlung der Alliance soll nämlich am 13. Aug. zu Paris stattfinden und nach Schluß derselben soll die Conferenz der Delegirten eintreten. Die Tagesordnung soll aus folgenden Fragen bestehen: 1) Weiterentwickelung der Alliance. 2) Prüfung der Mittel, um die Thätigkeit der Israeliten zu Gunsten ihrer Glaubensgenossen auszudehnen. 3) Vermehrung der Schulen. 4) Verbesserung der Lage der Israeliten im Orient und in Afrika durch Handwerk und Ackerbau. 5) Statistische Fragen. Bis zum 31. Juli werden anderweitige schriftliche Anträge entgegengenommen. Die Einladung ergeht an die Comite's der Alliance, die constiturrten israelitischen Körperschaften, die israelitische Presse. Es wird baldige Anmeldung der Delegirten gewünscht. Italien. Ferrara, 10. Mai. Eine Correspondenz der Arch. isr. von hier bringt die erfreuliche Meldung, daß ein Telegramm von Rom vom 7. Mai mittheilt, daß in Folge der von vielen italienischen Gemeinden, Deputirten und der Presse erhobenen Reclamationen das Ministerium beschlossen hat, den rumänischen Handelsvertrag dem Parlamente nicht vorzulegen, bevor nicht Modificationen in denselben gebracht worden, welche die Gleichheit aller Italiener, die sich in Rumänien aufhalten, ohne Unterschied der Religion feststellen und sichern. Turin, 5. Mai. Nach einem in den Arch. isr. enthaltenen Schreiben haben sich in der jüngsten Zeit in Italien drei Fälle von Zwangstaufe an Israeliten ereignet, bei denen man sich erstaunt frägt, ob wir in die Zeit des MortarafalleS zurückversetzt seien? Die drei Fälle sind: Der erste trug sich in dem Exherzogthum Modena zu; ein junges israelitisches Mädchen, das vorläufig in einem christlichen Krankenhause untergebracht war, ist ohne Weiteres getauft worden, und die untröstlichen Eltern konnten bis jetzt die Zurückgabe desselben nicht erlangen, selbst nicht durch die Tribunale, an die sie sich deshalb gewandt. Der andere Fall, der noch mehr an die Mortara - Affaire erinnert, ist der der Henriette Calo, eines armen römischen Mädchens, an der, als krank in das Hospital Saint-Jean zu Rom rufzenommen, in einem Augenblicke der Bewußtlosigkeit die Taufe vollzogen wurde. Das sind die sog. „barmherzigen Schwestern", die, im Einvernehmen mit den zu dem Etablissement gehörigen Geistlichen, ein so empörendes Beispiel der Intoleranz gegeben haben. Wir sehen also nicht mit Unrecht, daß man sie in Paris jetzt aus den Hospitälern zu entfernen sucht. Endlich der dritte Fall trug sich zu Jvröe, einer kleinen Stadt, zu, wo nicht viel fehlte, daß durch das Werk eines fanatcschen Priesters ein anderes junges israelitisches Mädchen getauft wurde, das die öffentliche Schule besuchte. Kaum konnten noch die verzweifelten, aber noch zeitig benachrichtigten Ellern sie Viesen verbrecherischen Manövern entreißen, indem sie sie schleunigst aus Jvrüe entfernten. Belgien. Brüssel, 14. Mai. (Privatmitth.) Sie haben vollkommen Recht gehabt, der hiesigen Friedhofsfrage dauernde Aufmerksamkeit zu widmen. Denn da sich dieselbe schließlich doch auf politischem Boden bewegt, so kann es nicht ausbleiben, daß sie auch politische Folgen nach sich zieht. Es ist anerkannt ein schweres Unglück für Belgien, daß die beiden Parteien, die liberale und die klerikale, sich fo schroff gegenüberstehen und gegenseitig in eine

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