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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-21 · Heft 21 (21.5.1878) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 21 (21.5.1878)
Date
1878-05-21
Page
Seite 330 (sequence 10)
Language
German
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330 im Amte proclamirt. — Man ersucht unS aus Wien um Mittheilung folgender Kundgebung: Am 17.October 1877 gelangen die Zinsen der „Prediger-Mannheimer-Stiftung" zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Wittwen und Waisen. Die Bewerber muffen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschloffen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Gesuche sind längstens bis am 10. Juli d. I. an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien unter der Adresse: „Curatorium der Prediger-Mannheimer- Stiftung" zu übersenden. — Die jüdische „Bade-Armen-Kaffe zu Warmbrunn" hat ihren 33. Jahresbericht veröffentlicht. Ihre Einnahmen betrugen 1106 Mark, welche bis auf 58 Mark für Unterstützung armer Kranken an Wohnung, Mahlzeit, Bädern, baarer Unterstützng und Reisegeld verausgabt wurden. An Legaten besitzt die Caffe 1725 Mark. Wir heben hervor, daß die Caffe jetzt von 22 jüdischen Gemeinden und 1 l jüdischen Krankenpflege-Vereinen zusammen mit 496 Mark unterstützt wird. Jemehr Sicherheit diese Art Subvention gewahrt, desto wünschenSwerther ist es, daß immer mehr Gemeinden und Vereine einen solchen regelmäßigen Beitrag dieser überaus wohlthätigen Caffe leisteten! — Man schreibt aus Berlin: Die Kaiserin besuchte am 2. Mai, Vormilt. 1 Uhr, die Alterversorgungs- Anstalt der jüdischen Gemeinde. Von dem Vorstande und den Ehrendamen empfangen, besichtigte sie einen großen Theil der zur Zeit 84 Hospitaliten faffenden Anstalt; und erkundigte sich eingehend nach allen Verhältnissen derselben. Hocherfreut waren einige achtzigjährige Hospitaliten, welche die Kaiserin in ihren Zimmern aufsuchte, um sich mit ihnen freundlich zu unterhalten. Auch die Synagoge der Anstalt nahm die hohe Frau in Augenschein, und sie wurde dort durch den 88jährigen Rabbiner Mendelson mit einem Segensspruche begrüßt. Nachdem die Kaiserin noch das sehr kräftige und schmackhafte Effen gekostet, sprach sie die vollste Zufriedenheit über die musterhafte Sorgfalt, Pflege und Sauberkeit aus, mit welcher die Hospitaliten verpflegt werden und versprach der Anstalt auch fernerhin ihr Wohlwollen zuzuwenden. Bonn, 12. Mai. (Notizen.) Vor uns liegt der Jahresbericht des Gymnasiums zu Oels für das Schuljahr 1877,78. Wir finden in demselben bei dem Lehrkörper neben dem katholischen auch den israelitischen Religionslehrer Prediger vr. F. Cohn aufgeführt, und ebenso unter den „absolvirten Lehrpensa" die Gegenstände, welche in allen Claffen im jüdischen Religionsunterricht behandelt wurden. Schlimm genug, baß dies noch immer zu den Ausnahmen in den preußischen Gymnasien gehört und noch weit davon entfernt ist, die Regel zu bilden. Unter 360 Schülern des Gymnasiums befanden sich 31 jüdische und 28 katholische. — Zur Vergleichung mit dem eben Bemelveten kann die Notiz dienen, die uns jüngst Herr Rabbiner Simon Alexander in Pleß O. S. gegeben, und die wir hier hinzufügen, da wir die Berichte über „den jüdischen Religionsunterricht an den höheren preußischen Lehranstalten" vorläufig für abgeschlossen erachten. Er schreibt: „Als im Jahre 1867 das Gymnasium gegründet war, nahm ich mit dem Herrn Director Dr. Schönborn Rücksprache, um zu bewirken, daß im Gymnasium jüdischer Religionsunterricht ertheilt werde. Der Herr Director erklärte sich zwar bereit, zwei Unterrichtsstunden obligatorisch einzuführen , stellte jedoch die Bedingung, daß außer diesen zweien Stunden den Gymnasialschülern kein weiterer Unterricht im Hebräischen oder in Religion ertheilt werde, auch Privatunterricht nicht. Diese Bedingung wollte ich in Betreff der Schüler, welche das 13. Lebensjahr überschritten, genehmigen, nicht aber für die jüngeren, weil, wie ich ihm auseinandersetzte, solche Schüler zur Barmizwah in verschiedenen Religionsgebräuchen vorbereitet werden müssen. Der Herr Director wollte durchaus seine Bedingung festhalten. So kam denn bis heute eine Einigung nicht zu Stande, so daß in der Regel die Schüler, welche über 13 Jahre alt sind, in Hebräisch und in Religion keinen Unterricht haben. Jndeß that ich den gedachten Schritt nur, um zu bewirken, daß die über 13 Jahre alten Schüler nicht ganz abgelenkt werden von dem, was die Religion betrifft, und — des Princips halber. Im Allgemeinen kann ich die Erfolge unserer Religionsschule als befriedigend bezeichnen." — Aus Wien schreibt man: Baron Hirsch, welcher bekanntlich die österreichische Staatsbürgerschaft erworben hat und Mitglied der österreichischen Ausstellungs - Commission ist, hat eine Summe von 100,000 Gulden in Barem zu gleichen Theilen den Regierungen von Oesterreich-Ungarn zu dem Behufe übergeben, daß um diesen Betrag für die Landes-Gewerbe-Museen Industrie-Artikel angekauft werden. Diese der Anerkennung werthe Spende wird zweifelsohne unsere Gewerbe-Museen ansehnlich heben. Den auf Ungarn entfallenden Betrag hat Baron Hirsch, wie Hon meldet, vorläufig zu Händen des österreichischen AuSstellungs-CommiffärS Grafen Edmund Zichy deponirt. — Aus Fürth vom 10. d. schreibt man uns: Der jüngst verstorbene Privatier, Herr Morgenstern, Magistratsrath und königl. Handelsgerichtsaffeffor dahier, welcher schon bei Lebzeiten eine Stipendienstiftung für Gewerbeschüler errichtete, hat auch durch testamentarische Verfügung in anerkennenswerther Weise seine gemeinnützige Gesinnung bekundet, indem er außer einem zur Verschönerung der Stadt dienenden Zwecke M. 6000 dem christlichen und M. 6000 dem israelitischen Spitale vermachte. — Auch das Osterprogramm des städtischen Gymnasiums zu Kattowitz kommt uns soeben zu, welche« gleichfalls in der „Lehrverfaffung" bei jeder Claffe unter der Rubrik „Religion" neben der evangelischen, altkatholischen, katholischen auch die jüdische und die im JahrescursuS behandelten Gegenstände aus ihr rite aufführt. Der Unterricht wird durch

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