Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-21 · Heft 21 (21.5.1878) · p. Seite 328

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 21 (21.5.1878)
Date
1878-05-21
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227199--36265-3306295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

328 arbeitete Ruffel mit anderen Gleichgesinnten an der Abschaffung dieses ursprünglich gegen die Papisten gerichteten Gesetzes, aber erst am 9. Mai 1828 erhielt sein bezüglicher Antrag eine überwiegende Mehrheit im Unterhause, der sich das Oberhaus spater ohne Widerstand fügte. Im Kampfe für Erweiterung bürgerlicher und religiöser Freiheit stand er sein Lebenlang immer in der vordersten Reihe seiner Landsleute. Das haben sie ihm, trotz mancher seiner Fehlgriffe, nie vergeffen, das danken sie ihm heute wieder durch die erwähnte Adreffe. Lord Ruffel steht in seinem 86. Lebensjahre. Sein Körper will ihn seit lange nicht mehr tragen, die Augen sind schwach, das Gehör hat er feit längerer Zeit fast gänzlich eingebüßt, aber noch ist sein Geist lebendig genug, um Theil zu nehmen an den Geschicken unserer Tage." Die hier gefeierte Aufhebung der Test-Acte ermöglichte auch die spätere Zulaffung der Juden in's englische Parlament, wenn kiese auch noch eine Etappe mehr zu überwinden hatte, nämlich die Weglassung der Worte aus dem Eire „auf den Glauben eines Christen." Aber auch für den Wegfall dieser letzten Schranken war Lord John Ruffel besonders wirksam. Auch wir können uns daher der Anerkennung dieses bedeutenden Staatsmannes mit ganzem Herzen anschließen. Die Rolle übrigens, welche Gladstone gegenwärtig spielt, wird immer sonderbarer. Jüngst übernahm er den Vorsitz bei einem öffentlichen Meeting über — die Kochkunst, und verurtheilte in seiner Rede die englische Küche, die trotz ihres trefflichen Apparats und Materials der französischen bei Weitem nachstehe. Ein Correspondent fügt hinzu: Man wundert sich nur, daß Gladstone für diese schlechte engl. Küche nicht — een Earl Beaconsfield und die englischen Juden verantwortlich machte. London, 9. Mai. (Privatm.) Gestern morgen fand die Beerdigung des Sir Francis Henry Goldsmid statt, deffen plötzlicher Tod durch den unglücklichen Stur; aus dem Eisenbahncoupä auf der Waterloo-Station am Donnerstag Abend eine so große Trauer weithin verbreitet hat. Er wurde auf dem israel. Friedhof in Ball 's Pond-Roail neben dem Grabe seines sel. Vaters des Baronet Isaak bestattet. Eine große Menge der angesehensten Männer aus allen Confessionen und Standen, sowie Deputationen der vielen Vereine, denen der Verstorbene angehort hatte, namentlich auch der Rath und Senat des Universitatscollegiums hatten sich im Trauerhause eingefunden und begleiteten den Leichenzug, dem sich in allen Straßen, die er passirte, eine unübersehbare Menge Leidtragender anschloß. Der Verewigte war einer der thätigsten Begründer und Mitglieder der West-London-Synagoge (Reformgemeinde). Am Grabe sprach daher der Prediger der Gemeinde Pros. vr. W. Marks eine tiefgefühlte und ergreifende Trauerrede. Er feierte das Andenken des Dahingeschiedenen, deffen Verlust in allen Ländern, wo Israeliten wohnen, beklagt würde, zuerst als Stifter und Leiter der genannten Gemeinde, welcher er sein thatkrästiges Jntereffe nicht in der ersten Aufregung und vorübergehend, sondern bis zum letzten Tage seines Lebens widmete. Aber sein Eifer beschränkte sich nicht auf diese Gemeinde, sondern betraf die ganze Glaubensgenoffenschaft, unv besonders im Parlamente vertrat er seine Glaubensbrüder unermüdlich, sobald diese irgendwo unterdrückt und verfolgt worden. Er glühte für Gewissensfreiheit, Duldsamkeit und Menschenliebe, und verwendete seine Kräfte für alle Schichten der Gesellschaft, da sein Geist, wo es die allgemeine Brüderlichkeit betraf, jede Abgrenzung verurtheilte. So war er als Landbesitzer auch für die christlichen Bewohner und besonders für deren kirchliche und Unterrichtsbedürfniffe eifrigst besorgt und in freigebigster Weise thatig. Betrachtete er sein Vermögen doch nur als Mittel, höhere Zwecke zu erreichen. Vor Allem war er aber auch patriotischer Engländer, und giebt sein ganzes Leben eine Illustration für diese Gesinnung ab. Wenn, schloß der Redner, auch die Lücke, die der Tod des Sir Francis gerissen, für lange Zeit nicht ausgefüllt werden wird, so wird doch sein Beispiel auf Viele, besonders auf die jüngeren Glieder seine Familie wirken, daß sie den Weg verfolgen, den der Dahingeschiedene während seines irdischen Lebens gewandelt hat. Sir Francis war am 1. Mai 1808 geboren, und verstarb am 2. Mai d. Ä. Biele engl. Blätter bringen ihm anerkennende Nachrufe. Die Barouetwürde geht auf Sir Julian Goldsmid über. Rumänien. Fokschani, 6. Mai. (Privatmitth.) Ein Curiosum kann ich Ihnen mittheilen: Der Appellhof in Fokschani hat ein Uriheil erlaffen, demzufolge „getaufte Juden" von den städtischen Gemeindewahllisten auszuschließen wären (nach dem alten Grundsätze wohl: drin brr-,®-> tsan® -'s b» r>rr?). Der Cassationshof in Bukarest verwarf die erwähnte Sentenz mit der Motivirung, daß Art. 24 des Comrmmalgefetzes vom Jahre 1874 verletzt worden ist, welcher das Recht giebt, daß „Israeliten", welche Beweise geliefert haben, daß sie rumänische Sitten und Gesinnungen besitzen, unter den Gemeindewählern zu figuriren! Eine schöne Gefetzesauslegung das! (Zugleich illustrirt dieses Beispiel die so oft gehörte Behauptung der Rumänen, daß bei ihnen der religiöse Fanatismus keine Rolle spiele — natürlich, um alle Schuld auf die Juden zu laden. Wenn die Juden aber durch die Taufe Rechte erhalten, so versagt man ihnen diese aus ReligionShaß. Redaction.) Galatz, 6. Mai. (Privatmitth.) Die in Bukarest erscheinende „ Romania Libera “ (ein Organ des Ministers des Aeußern, Herrn Cogolnitscheano) brachte in ihrer Nummer vom 2./14. April einen Artikel: Die Judenfrage, betitelt, den ich sofort in der in Bukarest erscheinenden „Epoche“ vom 19. April beantwortete. Die Erwiederung lautet: „Die Judenfrage beschäftigt den Spectator in der „ Romania Libera “ vom 2. d. M.; ich will

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.