Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1878)
- Date
- 1878-05-14
- Page
- Seite 314 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Cimara war wegen ihrer bekannten Gräuelthaten gegen die Juden in Haft gehalten worden und der Caffationshof hatte diese Haft aufrecht erhallen — die Anklagekammer von Jassy aber setzte sie in Freiheit. Hiermit sind die Hoffnungen der mißhandelten und geplünderten Juden auf Bestrafung der Urheberin der gegen sie verübten Miffethaten so gut wie vernichtet. Aber noch mehr. Kaum war die Frau Cimara wieder frei und nach Darabanie zurückgekehrt, als sie den Juden sagen ließ: diesmal sei eS um sie geschehen, denn sie würde sie Alle tödten laffen. Der Schrecken war so groß — denn von diesem Weibe kann man sich Alles gewärtigen — baß die jüdische Gemeinde des Ortes an den Fürsten Karl, an den Ministerrath, die Deputirtenkammer, den Minister des Innern telegraphirte, um sie zu bitten, über ihr bedrohtes Leben zu wachen. Der Fürst Karl sandte sofort eine Schwadron nach Darabanie und die bestimmtesten Befehle wurden gegeben, jece mögliche Unruhe sofort zu unterdrücken. So übertäßt man sich der Hoffnung, wenigstens das Leben gesichert zu sehen, auf eine Vermögensenlschädigung hofft man nicht mehr. Ein Recurs gegen den Beschluß der Anklagekammer ist an den Cassationshof gerichtet worden — aber es ist kein Geld mehr vorhanden, um die Advocaten zu bezahlen. Dies ist Rumänien am Borabend großer Ereigniffe. Bonn, 5. April. (Literarische Notizen.) Wie das Jew. Clir. meldet wird in Bombay auf Kosten der Gemeinde Bene-Israel dieser Stabt eine Zeitschrift in der Sanskritsprache unter dem Titel „Das Licht der Wahrheit" erscheinen. — In London ist kurz vor Weihnachten ein Roman von Farjon erschienen, welcher den Gegensatz zu dem Romane Daniel Deronda bilden soll. Er will an der Lebensgeschichte eines jüdischen Kaufmanns zeigen, daß die Juden durchaus nicht daran denken, nach Palästina zurückkehren zu wollen, sondern, daß sie sich nur bestreben, ein gesichertes bürgerliches Leben wie Alle, zu führen und ihrem Religionsbekennlniß treu zu bleiben. Bonn, 5. Mai. (Literarische Notizen.) 77727777:77 -n£"7r. La guerre franco - allemande et les deux sifefjes de Paris. (1S70—71.) Decrils en langue hebraique par E. Holler. Paris (130 Boulevard Voltaire el Amsterdam 1878). In einem ziemlich starken Bande erzählt der Berfaffer den französisch-deutschen Krieg und die beiden Belagerungen von Paris (durch die Deutschen und durch die Franzosen gegen die Communards) mit vielen Selbsterlebniffen, da er die beiden Belagerungen selbst durchgemacht. Gerade hierdurch erhält auch das Werk, das sich einer ziemlichen Unparteilichkeit befleißigt, einigen besonderen Werth, indem es die Zustände von Paris in jener bedrängnisvollen Zeit aus eigener Anschauung schildert. Der Styl ist einfach, ohne jedoch der so überaus anmmhigen biblischen geschichtlichen Sprache nahe zu kommen. Dem Berfaffer glückten einige Uebertragunzen militärisch-technischer Ausdrücke in überraschender Weise. — Bccrbularium zum Gebetbuchs nach methodischer Stufenfolge bearbeitet von S. Berlin. Erster Curfus. Hamburg, Hoffmaun & Campe, 1878. In bester typographischer Ausstattung wird hier ein Bocabularium zum Gebetbuche in drei Stufen, je nach der Schwierigkeit und Wichtigkeit der Gebete angeordnet, gegeben. Bom mechanischen wörtlichen Uebersetzen zur grammatikalischen Behandlungsweise allmälig aufsteigend. Im Anhang befindet sich eine Uebersicht der Fest-, Fast- und Gedenktage. Unter den für das Hebräischlernen stattfindenden Berhältniffen erscheint uns das Büchlein recht brauchbar. — T-ipnrtn sriabnsj 77«?: rN73 Dbüiao’nsb mnTsn nco “imn. (Im Selbstverläge des Berfaffers, Lemberg, Sonnengaffe dir. 3, 1877.) Es ist dies eine neue Uebersetzung der aristotelischen Ethik, jedoch nicht aus dem Original, sondern aus der deutschen Uebersetzung. Dennoch hat dieselbe viele Vorzüge gegen die frühere hebräische Uebersetzung von ne7“i *vkt3 '-1. Für unsere Glaubensgenoffen im Osten sind solche Bearbeitungen noch immer von großem Werlhe, und wirken erweckend auf Kreise, denen, andere Hülfsmittel noch nicht zugänglich sind. — Bibel und Naturwissenschaft in ihrem gegenseitigen Verhältniß. Dargestellt von Gustav Zart. Berlin, Theobald Grieben, 1878. Ueber das Verhältniß von Bibel und Naturwiffenschaft zu einander läßt sich jetzt schon eine ziemliche Bibliothek von dicken Banden und schmalen Broschüren zusammenstellen. Das Geschäft ist leicht ebenso auf Seiten der Buchstabengläubigen wie auf Seiten der Naturwiffenschaftsgläubigen, auf Seiten derer, welche an der buchstäblichen Auffaffung der Berichte der heiligen Schrift festhalten, sowie derer, welche auf die Hypothesen und Systeme, wie sie momentan in den Naturwiffenschafen Geltung erlangen, schwören. Die Einen verneinen, bekämpften und verhöhnen die Anderen. Die Aufgabe wird erst schwer, wenn man eine vernunftgemäße, geschichtliche und wiffenschaftltche Aufsaffung Beider anstrebt, von dieser aus das Berständniß sucht und zwischen Beiden ein harmonisches Verhältniß aufzustellen sich bemüht. An die Stelle der Bibel und ihrer Berichte tritt hier oft die Religion und Sittlichkeit überhaupt, die Gotteserkenntniß, die Lehre von der menschlichen Seele und das daraus fließende Princip der Sittlichkeit. Hierum der Kampf. Von den Versuchen, Bibel und Naturwiffenschaft in Uebereinstimmung zu bringen, sind viele ganz, andere mehr und einige weniger mißglückt. Zu einem vollkommenen, unbestrittenen Resultate ist noch keiner gekommen. Demungeachtet sind diese Arbeiten werthzuschätzen. Denn auch in ihnen macht sich ein Fortschreiten bemerklich, und man dringt zur Klärung der Streitftagen immer näher heran. Denn dadurch wird schon viel gewonnen, wenn man zur Erkenntniß der eigentlichen Jncidenz- und Differenzpunkte gelangt. Damit ersteht die Hoffnung, daß wenigstens aus dem wiffenschaftlichen Gebiete das alberne, wohlfeile, witzelnde Geschwätz über die Bibel und die frömmelnde Verketzerung der Naturwiffenschaften sich verlieren werden. Einen recht achtenswerthen Beitrag liefert die vorliegende Schrift des, wte es scheint,