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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-14 · Heft 20 (14.5.1878) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 20 (14.5.1878)
Date
1878-05-14
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
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313 beiden die Hebung der geistigen und sittlichen Jntereffen der galizischen Juden nicht gleichgültig sein kann. Bedauernswerth ist es daher, daß im galizischen Landesschulrath die jüdische Bevölkerung keinen Vertreter hat. Ein solcher würde gewiß die Errichtung derartiger israelitischer Rabbinerseminarien bereits erwirkt haben. (Mögen diesmal diese Hoffnungen mehr Aussicht auf Erfüllung haben, als die früheren Cultur befördernden Pläne des gedachten hochachtbaren Vereins und seiner Gesinnnngsgenoffen! Uns fehlt der Glaube noch. Redact. d. A. Z. d. I.) Frankreich. Paris, 1. Mai. Französische Blätter theilen ein gerichtliches Erkenntniß erster Instanz mit, das einen Gegenstand betrifft, der so gestaltet früher auch wohl noch nicht vorgekommen ist. Bekanntlich hat das hiesige israelitische Consistorium 1871 behufs der Erbauung der zwei neuen Tempel zinstragende Obligationen ausgegeben; bis jetzt sind aber noch keine Zinsen bezahlt worden. Ein Besitzer solcher Obligationen oder doch der Zinscoupons von solchen, verklagte das Consistorium und insbesondere Baron Gustav v. Rothschild als Präsidenten des Consistorium s. Der Gerichtshof wies in seiner Entscheidung vom 6. April den Kläger mit seiner Forderung ab. Als Grund erkannte er, daß unter den Bedingungen der Schuldverschreibung sich die Bestimmung befindet, die Zinsen sollten aus dem Ueberschuß der Einnahmen der beiden Tempel über deren Bedarf für die Abhaltung des Gottesdienstes gezahlt werden, daß aber nach den dechargirten Rechenschaftsberichten des Consistoriums solche Ueberschüffe noch nicht stattgefunden hatten. Der Kläger wurde in die Kosten verurtheilt. — G. Fribourg (ein Israelit), Jnspector der Telegraphenlinien zu Paris, ist zum Telegraphenches im Ministerium der Finanzen ernannt worden. Italien. Florenz, im April. In Palermo wurde, wie das Jew. Clir. berichtet, ein Rettungsverein für Schiffbrüchige von unsrem Glaubensgenoffen Clem. Ar bi gegründet, und eS ist zu bemerken, daß die meisten Stationen in Italien für diesen Humanitären Zweck durch Juden geschaffen worden. — Nach dem Vess. israel. sind vier der bedeutendsten Verlagsbuchhändler des jetzigen Italien Israeliten: die Brüder TreveS in Mailand, Drucker und Tedeschi in Verona und Padua, Colombo Cohen in Venedig, die Brüder Paggi in Florenz. Wer da weiß, welche Opfer ein bedeutender Verleger in Italien zu bringen hat, um Tüchtiges zu leisten, wird diese Mittheilung zu würdigen wissen. Holland. Amsterdam, im April. Ein Bericht über das Budget der hiesigen israelitischen Gemeinde für dar Jahr 1877 giebt daffelbe auf 135,000 Gulden an. Es werden von ihr ein Oberrabbiner, drei Prediger, ein Obercantor und drei gewöhnliche Cantoren unterhalten. Die Zahl der Schüler in ihren Schulen beläuft sich auf 1800, der Schülerinnen auf 600. Ein Rabbinerseminar, ein Hospital, eine ausgezeichnete Irrenanstalt, ein Waisenhaus für beide Geschlechter werden von ihr erhalten. Die jüd. Bevölkerung von Amsterdam übersteigt 32,500 Seelen, unter welchen 13,000 Arme. Die Stadt steuert jährlich nicht mehr als 10.000 Gulden für die jüdischen Armen. — Bor Kurzem erhielt zum ersten Male in Holland eine Dame den medicinischen Doctorgrad. Diese Dame ist eine Jüdin, Aletta Jacobs, und wird ihre Kunst in Amsterdam auSüben. Großbritannien. London, 3. Mai. Von hier aus kommt die Trauernachricht, baß Sir Francis Goldsmid, Baronet, am 2. Mai, Abends, in London an den Folgen eines Eisenbahnunfalles im 71. Lebensjahre gestorben. Beim Verlassen eines Zuges auf der Waterloo-Station in London fiel er auf die Schienen und wurde von dem noch nicht zum Stillstände gebrachten Zuge derartig verletzt, daß er wenige Stunden darauf in dem nahegelegenen St. Thomas-Hospital seinen Geist aufgab. Es ist dies ein überaus herber Verlust für England, die englischen Juden und die gesammte Judenheit. Sir Francis war ein sehr vervienstvoller liberaler Abgeordneter (für den Wahlkreis Reading), und hat in sehr zahlreichen Fällen seinen Gemeinsinn und Patriotismus, seine thatkraftige Theilnahme an allen wohlthätigen und gemeinnützigen Werken in glänzender Weise bewiesen. Er war der erste Jude, der in England zum Barreau zugelaffen wurde, wozu er sich durch umfassende Studien vorbereitet hatte. Dabei trat er zu aller Zeit für die Sache seiner Glaubensgenossen, wo diese eine Unbill, Ausschließung und Unterdrückung erfuhren, freimüthig und kräftig in die Schranken, sowohl im Parlament als auch durch den gewichtigen Einfluß, den er in den höchsten Kreisen der Gesellschaft besaß. Er gehörte auch zum Vorstände der Anglo - Jewish - Association. Sir Francis war von hoher Geistesbildung und mit den edelsten Privattugenden geschmückt. Sein Tod hat eine große Trauer hervorgerufen, wozu nun noch das Mitgefühl über die plötzliche und schreckliche Art des Unfalles, dem er erlegen, gekommen ist. Wir werden in diesem Blatte dem Verewigten einen ausführlichen Nachruf widmen. Rumänien. Bukarest, 14. April. Eine Correspondenz der Arch. isr. bespricht die vielen und harten Bepationen, welchen in hiesigem Lande die Juden sowohl von den richterlichen als den Verwaltungsbeamten erfahren. Was jedoch noch von größerer Wichtigkeit, sind die jüngsten Vorgänge in Darabanie. Die Frau 20

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